Erfolgsbündel
Autor: Klaus Siegers
Klaus Siegers ist Vorsitzender des Vorstandes der Weberbank und verantwortlich für die Bereiche Strategie, Personal und Beratung institutioneller Kunden.
Einmal entsandt, fliegt das Wort unwiderruflich dahin. Ob er an den römischen Dichter Horaz gedacht hatte, unser damaliger Regierender, als er Berlin als „arm, aber sexy“ bezeichnete? Nun müssen wir damit leben, auch wenn wir es schon seit Jahren nicht mehr hören können. Und wie oft kann man in Wirtschaftsranglisten der Bundesländer die zumeist hinteren Plätze Berlins mit diesem Spruch kommentiert sehen. Wie originell.
Dass ich an dieser Stelle des Öfteren versuche, Perspektivenwechsel anzuregen, mögen Sie mir nachsehen. Als weit überwiegend in Berlin tätiges Unternehmen ist die Weberbank schlicht darauf angewiesen, dass Berlin prosperiert und dass die Einkommen und Vermögen seiner Bewohner ansteigen. Und das tun sie, nebenbei bemerkt. Es könnte uns Berlinern vielleicht auch egal sein, was man andernorts über uns denkt – aber stimmen sollte es schon.
Berlin hat eben nicht nur in Kunst- und Kulturszene viel zu bieten; das würde uns wohl auch niemand absprechen. In der Wirtschaft bzw. Wirtschaftsförderung haben sich Cluster auf bestimmten Feldern herausgebildet. Cluster bedeutet Bündel oder Ballung. Dahinter steht der Gedanke, dass sich Experten auf einem Gebiet am liebsten genau dort ansiedeln, wo schon andere Experten auf dem gleichen Gebiet tätig sind. Man kennt das von Banken- oder Zeitungsvierteln in verschiedenen Städten. Diese Cluster ziehen nicht nur ihrerseits Experten an, sondern – als Sekundäreffekt – auch Zulieferer, Ausrüster, Versorger, Dienstleister: von PCs und Büroausstattung über Dolmetscher bis hin zu den Pausensandwiches.
Cluster sorgen also für lebendige Wirtschaftsaktivitäten. So auch in Berlin: Hier setzt man ganz auf Innovation und Wachstum. Zu den herausragenden Stärken der Stadt zählt die hohe Dichte an Universitäts- und Forschungseinrichtungen. Damit korrespondieren die fünf herausragenden Cluster Berlins. Am bekanntesten ist sicher das Cluster der (digitalen) Kreativwirtschaft und der Medienschaffenden. Als Start-up- Standort hat sich Berlin Reputation bis weit in die Welt hinaus erworben. Zalando ist inzwischen jedem von uns ein Begriff. Zu diesem Cluster zählen aber auch Adressen wie Axel Springer, die Deutsche Telekom oder Universal Music. Es ist sicher nicht zu hoch gegriffen, die Digitalisierung als den Megatrend unserer Zeit zu bezeichnen; hier als Standort gut positioniert zu sein, entscheidet über die Zukunft, die uns bislang nur so viel wissen lässt: Alles, was wir heute in Sachen Produktion, Kommunikation und Mobilität wissen, wird schon in absehbarer Zeit überholt sein. Berlin tüftelt an dieser Entwicklung mit.
Innerhalb eines Clusters finden Wettbewerb und gegenseitige Befruchtung statt, was Entwicklungen noch einmal beschleunigt. Auf diese Weise nimmt Berlin auch teil am Zukunftsrennen in den Clustern Gesundheitswirtschaft, Verkehr & Logistik, Energietechnik und Optik. Eine Vielzahl von Überschneidungen sorgt für Synergien und schafft gemeinsamen Erfolg, etwa wenn optische Technologien und Mikrosystemtechnik in der Medizin Anwendung finden oder wenn Apps für Mobilitätslösungen entwickelt werden. Die Karten für den wirtschaftlichen Erfolg der kommenden Jahre und Jahrzehnte werden gerade ausgeteilt, und Berlin hat ein gutes Blatt!
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