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Impact Investing – die etwas andere Geldanlage

Gut zu wissen
März 2017

 

Autor: Robby Pietschmann
ist leitender Direktor und Leiter Institutionelle Kunden der Weberbank. Der gelernte Bankkaufmann verfügt über 30 Jahre Berufserfahrung in der Beratung institutioneller Kunden. Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind dabei die Beratung und Begleitung von institutionellen Vermögensverwaltungen für Stiftungen, Kirchen, Verbände und Unternehmen.  

Robby Pietschmann

Seit einigen Jahren lässt sich ein neuer Trend im Anlageverhalten deutscher Stiftungen beobachten: das sogenannte Impact Investing. Was genau eigentlich verbirgt sich hinter Impact Investing oder auch „wirkungsorientiertem Investieren“? Gemeinnützige Einrichtungen verfolgen bei ihren Kapitalanlagen zunehmend das Ziel, neben einer ausschließlich finanziellen, auch eine messbare gesellschaftliche Rendite zu erzielen. Impact Investing bietet die Möglichkeit direkt auf soziale und ökologische Missstände einzuwirken und lässt sich mittlerweile weltweit in fast allen Anlageklassen umsetzen – vom Fonds über Immobilien bis hin zum Darlehen. Das Hauptinteresse der Investoren gilt den Mikrofinanzmärkten, sowie Energie- und Agrarinvestitionen in Schwellen- und Entwicklungsländern, die langfristig das größte Nachfragewachstum verzeichnen werden. Am Beispiel von Mikrofinanzmärkten lässt sich die Funktionsweise anschaulich darstellen: Im Wesentlichen werden unter diesem Begriff finanzielle Dienstleistungen wie Kredite, Spareinlagen oder Versicherungen für die armen Bevölkerungsschichten eines Landes zusammengefasst, welchen der Zugang zu Geschäftsbanken sowie konventionellen Finanzmärkten verwehrt ist. Im Fokus steht die Vergabe von Mikrokrediten an Kleinstunternehmer/-innen, die häufig keine Sicherheiten bieten können. In der Praxis nehmen sogenannte Mikrofinanzfonds, das Kapital institutioneller und privater Anleger auf und investieren dieses in Mikrofinanzinstitute in ausgewählten Ländern. Die Mikrofinanzinstitute agieren vor Ort als Vermittler zwischen Gläubigern und Schuldnern auf dem Finanzmarkt und vergeben nach sorgfältiger Prüfung Kleinstkredite an Existenzgründer mit fester Rückzahlungsvereinbarung und festem Zinssatz. Am konkreten Beispiel lässt sich auf diese Weise z.B. für Schneiderinnen in Entwicklungsländern der Erwerb von Nähmaschinen und Stoffen finanzieren, deren Einsatz ein erster Schritt in die Selbstständigkeit ist und damit oft die einmalige Chance auf einen Weg aus der Armut bietet. Investiert wird in ausschließlich erstklassige Kredite, wodurch Mikrofinanzkredite eine hohe Rückzahlungsquote aufweisen und somit weitestgehend unabhängig von anderen Finanzmarktereignissen sind. Der Anleger eines Mikrofinanzfonds erhält durch die verzinste Rückzahlung des Darlehens einen wirtschaftlichen Ertrag, während das Startkapital dem Kreditnehmer eine Perspektive gibt.

So gesehen erzielt das eingesetzte Kapital eine doppelte Rendite: finanziell und gesellschaftlich.

Damit geht diese Form des Investierens einen entscheidenden Schritt weiter als die klassische nachhaltige Vermögensanlage, welche vorrangig auf Gewinne abzielt, wenngleich unter Einhaltung sozialer und ökologischer Mindeststandards.

Heute ist Impact Investing einer der am schnellsten wachsenden Anlageansätze am Markt. Weltweit arbeiten Impact-Investment-Akteure gemeinsam daran einen Wandel herbeizuführen. Auch in Deutschland findet dieser Ansatz immer mehr Interessierte, da durch die anhaltende Niedrigzinsphase und die damit einhergehenden geringen Zinserträge viele gemeinnützige Organisationen gezwungen sind, die Ihnen zur Verfügung stehenden Fördergelder herabzusetzen. Insbesondere für Stiftungen stellen wirkungsorientierte Investments einen wichtigen Ansatzpunkt dar, um ihre soziale und ökologische Wirkung zu erhöhen und ihre satzungsgemäßen Ziele zu erreichen.

Die Weberbank setzt sich in ihrer Vermögensverwaltung seit langer Zeit aktiv mit den Möglichkeiten von Impact Investing auseinander. Auf dem nächsten bundesweiten Stiftungstag des Bundesverbands Deutscher Stiftungen in Osnabrück, wird die Weberbank einen Fachvortrag zu diesem Thema halten.  

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