Finanzmarkt aktuell - der Kommentar der Weberbank

6. Januar 2017

Autor: Alexander Lukas

  • Aktien: Versöhnliches Jahresende
  • Renten: Weiterhin sehr niedrige Renditen
  • Konjunktur: Unklarheit über Brexit-Auswirkungen

Investoren an den europäischen Aktienmärkten wurde im letzten Jahr viel Geduld abverlangt. Das Jahr startete katastrophal, auf den letzten Metern nahm es dann aber für die Anleger doch noch ein versöhnliches Ende. Denn erst im Dezember drehten die europäischen und deutschen Aktienmärkte in die Gewinnzone und beendeten das Jahr mit einem Plus. Noch freundlicher zeigten sich die Schwellenländeraktien und US-Märkte, die ebenfalls nach schwachem Start bereits zur Jahresmitte deutlicher an Fahrt gewannen. Aus europäischer Sicht waren diese außereuropäischen Anlagen zusätzlich lohnenswert, da der US-Dollar und die meisten Schwellenländerwährungen aufwerteten. Das alles geschah vor dem Hintergrund größter Überraschungen wie zum Beispiel der Brexit-Entscheidung der Briten oder auch der Präsidentenwahl in den USA. Auch die große Anzahl schrecklicher Terroranschläge konnte den Märkten letzten Endes nichts anhaben. Was können wir aus diesem nervenaufreibenden Börsenjahr lernen? Zwei Börsenweisheiten der letzten Jahre, die bisweilen schon etwas abgenutzt erschienen, haben sich erneut bestätigt und auch weiterhin Bestand: Erstens haben politische Börsen immer noch kurze Beine, und zweitens sind Aktien im Niedrigzinsumfeld alternativlos. Es kommt halt immer auf das Durchhaltevermögen und somit auch auf die Leidensfähigkeit der Investoren an. Wer den Mut und die Ausdauer besessen hat, Unsicherheits- und Verlustperioden durchzustehen, wurde in den letzten Jahren immer wieder mit ordentlichen Renditen belohnt. Verluste werden oft schon nach einigen Monaten und in seltenen Fällen erst nach einem Anlagezeitraum von zwei oder drei Jahren, noch seltener aber nach erst fünf oder mehr Jahren ausgeglichen. Die gute Nachricht für das gerade erst gestartete Börsenjahr 2017 ist, dass die Unternehmensgewinne weiter ansteigen. Das gilt nicht nur in den USA, sondern jetzt auch verstärkt in Europa und einigen Schwellenländern, wo auch die Stabilisierung der Rohstoffpreise eine wichtige Rolle spielt.

Der Trump-Effekt der vergangenen zwei Monate hallt nicht nur an den Aktienmärkten nach. Zwar bestehen noch erhebliche Risiken über den künftigen wirtschaftspolitischen Kurs der neuen US-Regierung. Wie aus dem Protokoll der letzten Sitzung der US-Notenbank hervorgeht, könnten sich im Zuge großer Konjunkturprogramme die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt in den USA aber besser entwickeln als bisher angenommen. Das könnte zu einer höher als gewünschten Inflation und in der Folge auch zu rascheren Leitzinsanhebungen führen. Steigende Zins- und Inflationserwartungen spielen auch eine wichtige Rolle für den Rentenmarkt. US-Staatsanleihen verloren in den letzten zwei Monaten rasant, konnten den Abwärtstrend zum Jahresende aber vorerst stoppen. Europäische Anleihen konnten sich dieser Entwicklung nicht komplett entziehen, zeigen sich derzeit aber aufgrund des Kaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) etwas stabiler. Zwischenzeitliche Renditeanstiege sind aber trotzdem leider nicht auszuschließen, vor allem auch, weil der steigende Ölpreis zu einer höheren Inflationsrate führt. Chancen sehen wir unverändert bei europäischen Unternehmensanleihen und Papieren aus den Schwellenländern, da erstgenannte auf der Einkaufsliste der EZB stehen und letztere attraktive Risikoprämien aufweisen.

Über die Feiertage und den Jahreswechsel gab es nur wenig Neues von der Konjunktur zu berichten, wenngleich die Aussichten für die USA bei aller Unsicherheit über den Kurs des neuen Präsidenten angepasst werden müssen. Durch die potentiell stimulierenden Maßnahmen der neuen Regierung könnte das Wachstum höher ausfallen als bisher angenommen und der Konsum durch mögliche Steuererleichterungen unterstützt werden. Risiken für die Wirtschaft ergeben sich aus denkbaren Handelsstreitigkeiten, zum Beispiel mit China. Dadurch könnte sich auch eine erhöhte Inflation ergeben. Unter diesen Voraussetzungen könnte die Fed, wie oben bereits erwähnt, einen etwas restriktiveren Pfad wählen. In Europa besteht nach wie vor hohe Unsicherheit über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Austritts Großbritanniens aus der EU. Fraglich ist vor allem, ob sich der Brexit auch in zurückhaltenden Investitionen sowohl in Großbritannien als auch auf dem Festland niederschlagen wird. Die tatsächlichen Folgen für den Warenverkehr werden erst abschätzbar, wenn sich mehr Klarheit über die Art und Weise des Austritts abzeichnet. Sofern die Rohstoffpreise nicht wieder fallen, dürften die Inflationserwartungen in den nächsten Monaten weiter hoch bleiben. Dieser Ölpreis- Effekt sollte aber nicht nachhaltig sein, und die Effekte dürften sich im Jahresverlauf wieder abschwächen. Die Notenbankpolitik kann also sehr expansiv bleiben und das Anleihe-Kaufprogramm bis zum Dezember 2017 fortgeführt werden, wie die EZB es bereits beschlossen hat. Keinesfalls erwarten wir, dass die Zentralbanker die Leitzinsen in Europa in diesem Jahr anheben werden.

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