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Handelsbeschränkungen bedeuten Globalen Wohlstandsverlust

Wirtschaft & Trends
Juni 2018

 

Autor: Jan Gengel
ist Direktor der Weberbank und seit 2006 als Portfoliomanager im Bereich Vermögensverwaltung verantwortlich für das Rentenmanagement und die Kapitalmarktanalyse des Hauses. Als gelernter Bankkaufmann werden seine beruflichen Erfahrungen durch die akademischen Abschlüsse als Diplom-Volkswirt der Humboldt Universität zu Berlin, Certified European Financial Analyst (CEFA) und Certified International Investment Analyst (CIIA®) abgerundet.

Jan Gengel

1279 Milliarden Euro betrug der Warenwert der deutschen Exporte im Jahr 2017. Damit wurden rund 40 Prozent aller in Deutschland erzeugten Waren und Dienstleistungen ins Ausland verkauft. Und das war kein Einzelfall. Auch in den Vorjahren wurden ähnlich hohe Niveaus erreicht. Unser Wohlstand basiert in erheblichem Maße auf weltweitem Handel. Umso erschreckender sind die derzeitigen von den USA ausgelösten Streitigkeiten. Auch wenn sich der Konflikt primär zwischen den USA und China abspielt, wird dieser nicht spurlos an der Weltwirtschaft vorbeigehen. Der US-Präsident möchte durch Zölle auf eingeführte Waren, heimische Produkte wieder attraktiver machen und dadurch Arbeitsplätze zurückholen. Doch dieser Zusammenhang ist äußerst umstritten. Zumindest im letzten Jahrhundert zeigte sich genau der gegenteilige Effekt. So führten Handelsbeschränkungen häufig zu höherer Arbeitslosigkeit und durch höhere Preise zu einer Verschlechterung für den inländischen Konsumenten. Noch ist nur ein Teil der von Trump in den Raum gestellten Zollerhöhungen in Kraft getreten. Teilweise dienen sie nur dazu, eine Drohkulisse zu errichten, um sich für Verhandlungen eine bessere Ausgangsbasis zu schaffen.

Dennoch ist das Risiko spürbarer Handelsbeschränkungen deutlich gestiegen. Deren Auswirkungen einzuschätzen ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich schwieriger geworden. Dies liegt vor allem daran, dass nicht mehr nur fertige Güter gehandelt werden. 70 Prozent der weltweit gehandelten Waren sind Zwischen- oder Vorprodukte. So werden beispielsweise für die Herstellung eines Autos zahlreiche Einzelteile schon von einem Land in ein anderes geliefert, bevor die Endmontage erfolgt und das Fahrzeug exportiert wird. Daher betreffen Handelsbeschränkungen zwischen zwei Ländern häufig auch weitere Staaten. Deutschland ist neben den USA und China einer der großen Akteure im Welthandel. Die USA sind als einzelnes Land unser größter Abnehmer. Rund jedes 10 . Exportgut wird dorthin geliefert. Und da wir mehr Liefern als selbst dort zu kaufen, sind die USA für rund ein Fünftel des deutschen Leistungsbilanzüberschusses Verantwortlich. Beschränkungen des Handels oder gar eine Eskalation hin zu einem Handelskrieg stellt für unsere stark exportorientierte Industrie und unseren Wohlstand eine unmittelbare Bedrohung dar.

Eine schwierige Situation in der es aus meiner Sicht keine wirklichen Gewinner geben wird. Der mögliche Schaden dürfte jedoch unterschiedlich ausfallen, abhängig von der Art der Handelshemmnisse sowie den betroffenen Gütern und Dienstleistungen. In Deutschland berührt es nahezu alle Branchen. Vor allem die Automobilhersteller sind betroffen, die rund ein Fünftel unserer Exporte ausmachen. Der Maschinenbau und der Pharmabereich weisen hohe Exportquoten auf und dürften in Mitleidenschaft gezogen werden. Geringere Abhängigkeiten zeigen sich in der eher defensiven Nahrungsmittelbranche. Auch kleinere Unternehmen könnten im Vorteil sein. Nicht weil sie weniger exportieren, sondern da sie einen größeren Anteil ihres Handels innerhalb der Europäischen Union abwickeln. Abgesehen von den Unsicherheiten durch den Brexit dürften weitere Handelshemmnisse hier unwahrscheinlicher sein. Für Anleger bedeutet so ein Schreckensszenario ein Umdenken, da die in den vergangenen Jahren favorisierten risikobehafteten Wertpapiere arg leiden dürften. Hierzu zählen vor allem Aktien oder Unternehmensanleihen niedriger Bonität. Deutsche Staatsanleihen würden hingegen von der Flucht in Qualität profitieren.

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