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Frauen in Stiftungen

Gut zu wissen
März 2020

 

Autorin: Franziska Grüner
Franziska Grüner ist Direktorin und Vermögensberaterin für institutionelle Kunden der Weberbank. Die Diplom-Kauffrau verfügt über langjährige Erfahrung in der Beratung institutioneller Kunden. Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist dabei die Beratung und Begleitung von institutionellen Vermögensverwaltungen insbesondere für Stiftungen. 

In den Leitungsgremien von Stiftungen sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. Dies belegt eine neue Umfrage des Bundesverbands Deutscher Stiftungen in Zusammenarbeit mit Phineo. Danach sind in 72 Prozent der befragten Stiftungen Frauen in der Minderheit, und in 29 Prozent der Fälle findet sich keine einzige Frau im Leitungsgremium. Warum ist das so?

Die AllBright Stiftung macht in einer aktuellen Studie darauf aufmerksam, dass die sogenannte männliche Monokultur in den Führungsetagen das Ungleichgewicht weiter begünstige und sogar forciere. Menschen neigen dazu, Personen, die ihnen im Verhalten und Erscheinen ähneln, ihr Vertrauen zu schenken. Führungsnachwuchs wird also häufig nach dem Kriterium der Ähnlichkeit ausgesucht. Die häufig von Männern besetzten Führungspositionen werden meist durch junge männliche Nachwuchskräfte besetzt, deren Vita der der Führungsgenerationen vor ihnen ähnelt.

Auch stereotype Rollenvorstellungen verstärken diese Tatsache: Frauen werden aufgrund familiärer Verpflichtungen und spezieller ihnen zugeschriebener Eigenschaften, etwa sozialer Kompetenz und starker Emotionalität, oftmals als weniger geeignet für Führungstätigkeiten angesehen. Als ein weiteres Hindernis für die Karriere von Frauen erweist sich die verstärkt von Frauen in Anspruch genommene Teilzeitbeschäftigung. Studien belegen, dass Teilzeitbeschäftigte generell seltener befördert werden und weniger häufig in Führungspositionen arbeiten. Hinzu kommt eine weitverbreitete Unternehmenskultur mit Fokus auf ständiger Verfügbarkeit, wodurch Frauen im Vergleich zu Männern aufgrund familiärer Verantwortung stärker benachteiligt werden. In vielen Organisationen herrscht die Überzeugung, dass Führungsaufgaben nur in Vollzeit zu bewältigen seien. Eine neue Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hingegen belegt, dass Frauen in Führungspositionen einen positiven Effekt auf den Unternehmenserfolg haben. Ein höherer Anteil von Frauen in leitender Funktion verbessert die Unternehmensperformance und erhöht überdies die Attraktivität als Arbeitgeber. Organisationen sind umso leistungsfähiger, je diverser die Belegschaft und insbesondere ihre Führung aufgestellt sind. In nur 25 Prozent der Stiftungen ist Diversität auf der Agenda, dabei ist hinlänglich bekannt, dass gemischte Teams erfolgreicher sind. Die in ihnen versammelten unterschiedlichen Erfahrungen, Kenntnisse und Sichtweisen machen sie innovativer und kreativer. Außerdem haben Organisationen mit Vielfalt in den Führungsgremien auch bei der Akquise von Fachkräften die Nase vorn.

Eine besondere Stärke von Frauen liegt im kommunikativen Bereich. Kommunikation ist für fast alles, was Stiftungen machen, die entscheidende Basis. Ob es um das Ansprechen der Zielgruppen für die Programme, Fundraising oder den Kontakt zu Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft geht, nichts funktioniert ohne eine gute Kommunikation. In diesem Feld können insbesondere Frauen ihre Stärken ausspielen. Sie können Unternehmen erfolgreich leiten und Verantwortung übernehmen. Dennoch muss nachgeholfen werden, damit aus fundierten Erkenntnissen und gerechtfertigtem Anspruch auch gelebte Praxis wird.

Das globale Nachhaltigkeitsziel der Geschlechtergleichstellung sowie weitere gesetzliche Anstöße reichen allein nicht aus, um den Frauenanteil in Führungspositionen weiter zu erhöhen. Für eine gleichberechtigte Besetzung in Stiftungsgremien ist ein Mentalitätswandel erforderlich. Stiftungen müssen sich selbst in die Verantwortung nehmen und verpflichtende Maßnahmen für ihre Organisation definieren.

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