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„Neues Rekordhoch“ oder „wieder ein Renditetief“

Konjunktur: sehr gute Daten aus den USA

Renten: Geld verdienen mit neuen Schulden

Aktien: schwieriger Balanceakt

 

Autor: Jan Gengel
Finanzmarkt aktuell per 22. Juli 2016
Jan Gengel, CEFA, CIIA, Portfoliomanager

Jan Gengel

In den vergangenen Jahren war eine der Aufgaben von Analysten für Rentenmärkte, neue Superlative für die Marktbewegungen zu suchen. „Neues Rekordhoch“ oder „wieder ein Renditetief“ fanden sich in nahezu jeder Publikation. Mit der neuesten 10-jährigen Emission seitens des Bundesfinanzministeriums brauchen wir keinen Superlativ mehr. Schulden sind nun gleichbedeutend mit Einnahmen. Dass Anleihen an den Markt kommen und eine Zinszahlung von Null haben, ist nicht ganz neu, aber dass lang laufende auch eine negative Emissionsrendite aufweisen schon. Was bedeutet das konkret? Es wurde eine Anleihe mit einer Laufzeit von 10 Jahren, einer Zinszahlung von Null und einer Rendite von -0,05% emittiert. Dies geht nur, wenn der Verkaufspreis höher ist als der erforderliche Rückzahlungswert. Und somit ist die Verschuldung nun nicht mehr nur kostenfrei, sondern direkt zur Einnahmequelle geworden. Und das Beste dabei: Die Einnahmen werden direkt mit der Herausgabe der Anleihen erzielt und nicht verteilt über die gesamte Laufzeit. Ist nun mehr Verschuldung besser? Was bedeuten die Maastricht-Kriterien noch – in diesem Umfeld? Oder war das das eigentliche Ziel der Europäischen Zentralbank? Wird sie weiter machen, bis auch andere Länder des Euroraumes ihre Haushalte durch mehr Verschuldung entlasten? Dies sind alles Fragen, die uns nur abermals vor Augen führen, wie sehr die Anleihenmärkte verzerrt sind und dass eine normale Preisbildung nicht mehr möglich ist. Da nicht absehbar ist, wann oder ob die Notenbanken überhaupt einen Ausweg aus dieser Liquiditätsspirale finden, empfehlen wir Anlegern, weiter auf die Notenbank zu setzen und gleichzeitig Märkte zu nutzen, in die keine direkten Eingriffe erfolgen. Das bedeutet konkret, von den Käufen zu profitieren und auf Anleihen zu setzen, die von der EZB auch gekauft werden, vor allem aus dem Unternehmenssektor. Da dies aber eine hohe Achtsamkeit und genaue Beobachtung erfordert, sollten unabhängige Märkte in den Portfolien höher gewichtet werden. Zuletzt haben sich hier vor allem wieder Engagements in Schwellenländerregionen angeboten. Auch wenn die Entwicklungen noch mit zahlreichen Fragezeichen versehen sind, sind erste Verbesserungen des fundamentalen Umfeldes zu erkennen. Aus unserer Sicht werden die höheren Risiken, welche sich in größeren Schwankungen zeigen, durch attraktive Ertragschancen vergütet, sowohl bei staatlichen als auch bei Unternehmenspapieren. Das ist in Europa schon seit geraumer Zeit nicht mehr der Fall.

Gleiches gilt auch für die Aktienmärkte der Wachstumsregionen. Trotz zahlreicher politischer Schwierigkeiten scheint der wirtschaftliche Abschwung abzuklingen. Dies gilt vor allem für Länder, die in den vergangenen Jahren unter rückläufigen Rohstoffpreisen gelitten haben. Die zuletzt veröffentlichten Vorlaufindikatoren bestätigen die gestiegenen Erwartungen und die positiven Entwicklungen an den Aktienmärkten. Eine höhere Gewichtung bietet sich nach langer Durststrecke wieder an. Den Schwerpunkt eines Depots würden wir jedoch weiterhin in den USA legen. Hier kommen zwei Aspekte zum Tragen. Erstens waren die letzten Konjunkturdaten wie beispielsweise der Arbeitsmarktbericht und auch die Konsum- und Produktionszahlen wirklich gut. Und zweitens hat sich trotz der guten Daten die Straffung der Geldpolitik ein wenig nach hinten verschoben. Unseres Erachtens sind dies die besten Voraussetzungen, um weiterhin zu wachsen. Ein Wermutstropfen könnte die begonnene Berichtssaison sein. Denn die Erwartungshaltung deutet mehr auf Minuszeichen hin. Jedoch zeigt sich ein zuletzt häufiger festgestelltes Phänomen: Die Erwartungen werden im Vorfeld nach unten korrigiert, um anschließend von den gemeldeten Zahlen übertroffen zu werden. Je öfter sich dieses Muster zeigt, umso bedeutungsloser werden natürlich die Schätzungen als Impulsgeber. Dies gilt vor allem unter der These der rationalen Erwartungen. Diese besagt, dass nicht systematisch die gleichen Fehler gemacht werden. Als ob sich die Marktteilnehmer immer wieder von der Abwärtsrevision der Gewinnerwartungen täuschen lassen. So verwundert auch das neue Hoch im S&P 500 Index nicht und bestätigt unsere positive Einschätzung für den USAktienmarkt. Auch in Europa haben sich die Gewinnerwartungen weiter verschlechtert. Im Vergleich zu den USA aber auf niedrigerem Niveau. Auch können wir die vorsichtige Einschätzung durchaus nachvollziehen. Zu hoch ist die Ungewissheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung. In jedem Fall würden wir davon ausgehen, dass die Dynamik geringer sein sollte als in den USA. Darauf deuten auch die zuletzt veröffentlichten Wachstumseinschätzungen, welche nach dem Austrittsentscheid Großbritanniens deutlich gesenkt wurden. Die Märkte entwickelten sich dennoch positiv. Hoffnungen auf weitere EZB Maßnahmen waren der entscheidende Treiber. Aus unserer Sicht ein gefährliches Spiel, sodass wir bei unserer Empfehlung, Europa unterzugewichten, vorerst bleiben.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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