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Zweistellige Kursverluste seit Jahresanfang, Tagesbewegungen von teils über Minus drei Prozent.

Konjunktur: Sorgen halten sich hartnäckig.

Renten: Unternehmensanleihen wieder mit attraktiven Aufschlägen.

Aktien: Gewinnrezession belastet.

 

Autor: Jan Gengel
Finanzmarkt aktuell per 22. Januar 2016
Jan Gengel, CEFA, CIIA, Portfoliomanager

Jan Gengel

Was für ein Desaster! In einem guten alten Westernstreifen wäre auch die Beschreibung „Blutbad“ für die Marktverwerfungen treffend gewesen. Zweistellige Kursverluste seit Jahresanfang, Tagesbewegungen von teils über Minus drei Prozent – selbst am amerikanischen Aktienmarkt, der sich normaler Weise ein wenig besonnener in stressigen Bewegungen zeigt. Und das ganz aus dem Nichts heraus, denn ein wirklich neues Ereignis dafür gab es nicht, und die kolportierten Begründungen wirken alt und längst bekannt. Die angeführten Wachstumssorgen um China haben sich nicht erhöht. Das gemeldete Bruttoinlandsprodukt war – wen wundert’s – mit 6,9% fast eine Punktlandung auf dem Regierungspfad. Der chinesische Konsum zeigt sich wieder freundlicher, und die Stimmungsindikatoren haben sich in der Breite sogar verbessert. Die zweite gern genommene Begründung ist die Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank (Fed) und die Sorge vor weiteren Schritten, welche das Wachstum bremsen könnten. Hierüber müssen wir uns verwundert die Augen reiben: Denn der drastische Preisverfall an den Rohstoffmärkten geht auch an den USA nicht völlig spurlos vorbei. Die Inflationserwartungen sind genauso wie in Europa gesunken und verschaffen der Fed genügend Spielraum, weitere Schritte in Ruhe zu planen und nicht voreilig den Wachstumspfad zu gefährden. Hier hat sich die Situation also eher zu Gunsten der Aktienmarktentwicklung gewandelt und kann als Begründung nicht gelten. Es bleiben die Befürchtungen vor einer Abschwächung der Weltwirtschaft. Ohne sarkastisch wirken zu wollen: Darüber diskutieren wir seit über einem Jahr und verstärkt dürften sie sich zuletzt eigentlich nicht haben. Im Gegenteil hat sich in Europa, wo die Preisausschläge sehr intensiv waren, die Mehrheit der Konjunkturindikatoren verbessert. So deuten die aus unserer Sicht wichtigsten sogar auf eine Wachstumsbeschleunigung hin. Auch haben sich die europäischen Exportzahlen nochmals erhöht und den Handelsbilanzüberschuss auf ein Rekordniveau steigen lassen. Von einer nachlassenden weltwirtschaftlichen Nachfrage ist hier noch nichts zu sehen. Also ist eigentlich alles gut, und die Märkte reagieren über? Leider nein. Was wir konstatieren müssen, ist eine abermalige Abschwächung auf Unternehmensebene mit Blick auf die gemeldeten Gewinne und die Perspektiven. In den USA ist sogar schon die Rede von einer sogenannten Gewinnrezession. Sicherlich sorgen die dortigen rohstoffnahen Industrien für sehr intensive Belastungen, aber auch ohne diese verbleibt ein Minus. Was aus unserer Sicht jedoch schwerer wiegt, sind die gesunkenen Schätzungen für die kommenden Quartale. Und diese Skepsis zeigt sich ebenso in Europa. Aktienpreisentwicklungen spiegeln in hohem Maße Erwartungen an zukünftige Entwicklungen wider. Schwache Ausblicke wirken daher umso schwerwiegender. Fraglich bleibt, wie weit sich diese noch verschlechtern können. In unserem Hauptszenario gehen wir nicht von einer Rezession in den USA und Europa aus. Jedoch von weiteren rezessiven Tendenzen in den rohstoffexportierenden Schwellenländern und damit von einem insgesamt schwachen Weltwirtschaftswachstum. In diesem Umfeld sind auch mal rückläufige Gewinne nichts ungewöhnliches, sollten jedoch nicht dauerhaft sein. Die derzeitige Korrektur ist daher zwar schmerzhaft, sorgt aber auch wieder für eine Normalisierung der Bewertungsniveaus der Unternehmen an die derzeitige Gewinnsituation. Unseren Anlegern empfehlen wir strategisch, die günstigeren Niveaus zum Kaufen zu nutzen, auch wenn kurzfristig ein wenig Vorsicht und damit eine erhöhte Kassehaltung mehr als angebracht ist, denn die hohen Schwankungen sollten vorerst bleiben.

Für die mittelfristig positive Perspektive kommt ein aus der jüngsten Vergangenheit entscheidender Aspekt hinzu. Die expansive Haltung der EZB. Diese hat sich zuletzt sehr stark an den langfristigen Inflationserwartungen orientiert und jede Maßnahme mit möglichen Deflationsgefahren begründet. In den vergangenen Monaten haben sich die Preisentwicklungen nicht wie erwartet beschleunigt. Im Gegenteil sind die Gefahren für wieder sinkende Inflationszahlen gestiegen. Vorsichtig interpretiert sollte die EZB damit zumindest genauso expansiv bleiben, aus unserer Sicht sogar noch eine Schippe oben drauf legen. Dies sollte nicht nur die Aktienmärkte wieder beruhigen, sondern auch den Rentenmarkt stützen. Und hier ist insbesondere bei Anleihen mit Risikoprämien, wie beispielsweise Unternehmensanleihen, eine Normalisierung dringend erforderlich. Durch das negative Marktumfeld haben sich die Renditeaufschläge auf teils rezessive Niveaus erhöht und überzeichnen unseres Erachtens die mit der Anlage verbundenen Risiken. Anders ausgedrückt hat diese Anlageklasse in den ersten Handelstagen des Jahres deutlich an Attraktivität gewonnen und sollte gegenüber erstklassigen Staatsanleihen und Pfandbriefen bevorzugt werden.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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