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Während draußen noch die Sonne scheint, zeigen sich an den Aktienmärkten bereits die ersten Herbststürme.

Die Aktienmärkte zeigen Korrekturbewegungen – die Hoffnung liegt auf der Berichtssaison

Italien reicht einen Haushaltsentwurf ein – die Anspannung bleibt trotzdem bestehen

Investoren meiden die Schwellenländer – der brasilianische Index trotzt dem Trend

 

Autor: Jan Nießen
Finanzmarkt aktuell per 19. Oktober 2018
Jan Nießen, Portfoliomanager

Jan Nießen

Während draußen noch die Sonne scheint, zeigen sich an den Aktienmärkten bereits die ersten Herbststürme. Neben fundamentalen Faktoren ist hierfür auch die weiterhin unübersichtliche politische Lage in verschiedenen Regionen der Welt verantwortlich. Mehr über die Auswirkungen, die diese Konstellation auf die Märkte hat, lesen Sie in der neuen Ausgabe der Finanzmarkt aktuell.

Die Aktienmärkte zeigen Korrekturbewegungen – die Hoffnung liegt auf der Berichtssaison

Nachdem sich die europäischen Aktienmärkte im Sommer in einem mehr oder weniger gemütlichen Seitwärtsband eingerichtet hatten und der amerikanische S&P 500 Index weiter neue Allzeithochs erreichte, wurde es zum Ende der letzten und zum Anfang dieser Woche auf einmal ungemütlich. Zu groß war der Druck durch die schlechten Nachrichten von verschiedenen Seiten, und auf einmal stand die Frage im Raum, ob Aktien angesichts der gestiegenen Zinsen in den USA überhaupt noch attraktiv sind. Genau in diese Phase der gestiegenen Verunsicherung fällt der Start der Berichtssaison, die in den ersten Tagen traditionell von den Veröffentlichungen der amerikanischen Banken dominiert wird und von der sich nicht wenige Akteure an den Finanzmärkten nun eine Stabilisierung der Kurse erhoffen. Bislang scheint sich diese Hoffnung zumindest teilweise zu erfüllen. Nachdem die US-Banken bislang mit ihren Zahlen durchweg positiv überraschten, stabilisierten sich auch die Kurse wieder. Trotzdem scheint es so, als könnte mit dem Ende des Sommers auch das vorläufige Ende der immer neuen Allzeithochs gekommen sein, und somit ist eine weitere Korrektur­bewegung nicht auszuschließen. Unabhängig von der erhöhten Volatilität bleiben die fundamentalen Daten nach wie vor gut, weshalb Aktien als Anlageklasse auch weiterhin attraktiv bleiben. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Blick auf den Rentenmarkt. Dieser konnte, wider Erwarten, nicht deutlich von der Konsolidierung im Aktiensegment profitieren, sondern zeigte größtenteils stabile Renditen.

Italien reicht einen Haushaltsentwurf ein – die Anspannung bleibt trotzdem bestehen

Mitternacht am 15. Oktober 2018. Das war die Frist, die es für die italienische Regierung einzuhalten galt, um einen Haushaltsentwurf bei der EU-Kommission in Brüssel einzureichen. Dies ist geschehen, und trotzdem bleibt die Lage angespannt. Offenbar sind die Investoren nach wie vor skeptisch, ob der EU-Kommission die Nachbesserungen reichen, die die Regierung in Rom vorgenommen hat. So bleiben die Risikoaufschläge hoch, die für italienische Staatsanleihen gezahlt werden. Dieser Zustand könnte auch noch einige Wochen bestehen bleiben, zumindest so lange, bis die EU die Prüfung des Vorschlages abgeschlossen hat und eine Entscheidung zum weiteren Vorgehen verkündet. Wie dieses aussehen könnte, schien zuletzt völlig unklar. Allerdings äußerten sich erste EU-Vertreter bereits skeptisch, und so setzt sich bei vielen Kommentatoren die Ansicht durch, dass auch eine Ablehnung des Haushaltes eine realistische Option ist. Die Folgen einer solchen Entscheidung wären sicherlich weitere Verwerfungen an den europäischen Kapitalmärkten, die besonders Aktien von Banken in Mitleidenschaft ziehen könnten. Bislang, und das ist der positive Aspekt, scheint aber eine Ansteckung der Unruhe auf die restlichen Länder der Eurozone auszubleiben. Dementsprechend blieb eine deutliche Ausweitung der Risikoprämien anderer europäischer Staatsanleihen bislang aus. Dies lässt den Schluss zu, dass der Markt weiterhin davon ausgeht, dass eine einvernehmliche Lösung gefunden wird.

Investoren meiden die Schwellenländer – der brasilianische Index trotzt dem Trend

Für Diskussionen haben in den letzten Wochen auch die Schwellenländer gesorgt. Nachdem Investitionen in diesen Regionen zum Anfang des Jahres noch eine attraktive Beimischung zum Portfolio darstellten, zogen sich zuletzt immer mehr Investoren aus diesem Segment zurück. Die Gründe waren vielfältig und beinhalteten neben dem bereits erwähnten Zinsanstieg in den USA auch den steigenden Ölpreis, die Zuspitzung des Handelskonfliktes zwischen den USA und China und die Sorgen vor einer Verlangsamung des Wachstums. Dieser Gemengelage konnten auch ordentliche Wirtschaftsdaten und nach wie vor intakte Gewinn­erwar­tungen der Unternehmen nichts entgegensetzen. Der einzige Lichtblick, zumindest bezogen auf seinen Aktienindex, ist momentan Brasilien. Nachdem der populistische, aber wirtschaftsfreundliche Kandidat in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen deutlich mehr Stimmen auf sich vereinen konnte als erwartet, stieg der heimische Leitindex Bovespa deutlich. Gerade hier bleibt aber Vorsicht geboten, da besonders eine politisch getriebene Börse ihre Richtung auch schnell wieder ändern kann. Doch die Entwicklung der Aktienkurse ist nicht alles, und so lohnt auch hier, wie schon in Europa und den USA, ein Blick auf die Rentenmärkte, um eine bessere Einschätzung der Situation zu bekommen. Dabei zeigt sich, dass die Risikoprämien auf Staatsanleihen der Schwellenländer, welche ein guter Gradmesser für die Besorgnis im Markt sind, zumindest in den letzten Tagen relativ konstant blieben. Ob dies jedoch bedeutet, dass der Abwärtstrend bald durchbrochen wird oder noch anhält, lässt sich aktuell nicht abschließend beurteilen. Somit ist auch bei den Schwellenländern weiterhin erhöhte Aufmerksamkeit geboten.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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