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Donald Trump ist tatsächlich zum US-Präsidenten gewählt worden.

Trumponomics

Aktien: US-Unternehmen sollten von Trumpschen Vorhaben profitieren

Renten: Deutliche Renditeanstiege durch Trumpflation

 

Autor: Jens Herdack
Finanzmarkt aktuell per 18. November 2016
Jens Herdack,  CEFA, CIIA, Portfoliomanager

Jens Herdack

Donald Trump ist tatsächlich zum US-Präsidenten gewählt worden. Auch wenn wir die Möglichkeit eines Sieges im letzten „Finanzmarkt aktuell“ nicht mehr ausgeschlossen hatten, waren wir doch einigermaßen erstaunt über den Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen. Bereits vor dem Börsenstart in Europa wurde dementsprechend auch bei uns im Büro über die möglichen Konsequenzen für die von uns betreuten Portfolios diskutiert. Zumal die asiatischen Börsen mit deutlichen Kursrückgängen reagierten. War es richtig, die Kassequote nicht aufzubauen und stattdessen die US-Aktienquote auf erhöhtem Niveau zu belassen, weil ein Trump Sieg zu einem stärkeren US-Dollar führen müsste? Würde die Goldposition die erwartete Pufferwirkung zeigen? Was dann folgte, war bestimmt nicht von vielen Marktteilnehmern erwartet worden: Zunächst stieg der Goldpreis auf 1337 US-Dollar. Die Aktienbörsen in Europa eröffneten nur leicht im Minus und drehten im Tagesverlauf sogar ins Plus, während der Goldpreis zu fallen begann. Der US-Dollar zeigte sich zunächst entgegen unserer Erwartung schwächer. Dann jedoch begann er wie erwartet zu steigen. Auch die US-Aktienmärkte reagierten mit teils deutlichen Kursanstiegen. Insofern hat es sich gelohnt, weiter auf US-Aktien in Kombination mit dem US-Dollar zu setzen. Unsere Goldposition zeigte hingegen nur kurzzeitig die erhoffte Pufferwirkung.

Wie kann das sein? Wochenlang wurde an den Märkten über die Gefahr eines Trump-Sieges diskutiert und dann steigen die US-Aktien? Am Ende zählen bei der Unternehmensbewertung dann doch die nackten Zahlen. Und die Schätzungen für die Gewinne der US-Unternehmen fallen unter einem Präsidenten Donald Trump zunächst sehr positiv aus. Die von ihm geplante Unternehmenssteuersenkung von derzeit durchschnittlich 35% auf 15% würde den Gewinn der Unternehmen signifikant unterstützen. Seine geplanten massiven Infrastrukturprogramme erinnern an die Ronald- Reagan-Ära und würden die heimische Wirtschaft ebenfalls deutlich unterstützen. Dass die Refinanzierung dieser ganzen Ausgaben unklar ist und er ebenfalls über protektionistische Maßnahmen nachdenkt, gerät da in den Hintergrund. Zunächst einmal dürften insbesondere kleine und mittlere binnenwirtschaftlich orientierte Unternehmen profitieren. Deshalb konnte dieses Aktiensegment in den letzten Tagen bereits deutliche Kursgewinne verbuchen. Obendrein beruhigte sein gemäßigteres Auftreten nach der Wahl die Aktienmärkte.

An den Rentenmärkten sieht es dagegen anders aus. Hier zählt, dass Trump durch bloße Ankündigungen etwas geschafft hat, was die größten Notenbanken unter Aufwendung von hunderten Milliarden US-Dollar nicht vollbrachten. Sein Sieg hat dazu geführt, dass die Inflationserwartungen in Antizipation einer anziehenden US-Konjunktur deutlich gestiegen sind. Das wiederum führt zu steigenden Zinserwartungen und das wiederum zu fallenden Rentenkursen bzw. steigenden Renditen. So sprang die 10-Jahresrendite amerikanischer Staatsanleihen von ca. 1,8 auf 2,3 Prozent. Die Rendite vergleichbarer Bundesanleihen kletterte von nahe 0 auf fast 0,4 Prozent. Was wenig klingt, ist für den Rentenmarkt ein sehr deutlicher Anstieg. Zur Einordnung hilft ein Blick auf die Kursrückgänge bei 10-jährigen Bundesanleihen in Höhe von fast 3 Prozent. Natürlich ist der Anstieg der Inflationserwartungen nicht allein Donald Trump geschuldet. Wir hatten zuletzt darauf hingewiesen, dass ein Basiseffekt bei den Energiepreisen dazu führen würde, dass die Inflation und einhergehend die Schätzungen bis Jahresende anziehen würden. Trump hat diesen Effekt jedoch nochmal spürbar verstärkt. Was bei bestehenden Rentenpositionen belastet, bringt natürlich ein attraktiveres Renditeumfeld für Neuinvestitionen mit sich. Denn dass sich die Zinslandschaft durch einen Wahlsieg Trumps komplett dreht, ist nicht zu erwarten. Insofern können weiter steigende Renditeniveaus attraktive Einstiegsrenditen generieren.

Aktienseitig wird unser ohnehin positives Bild für US-Aktien durch mögliche Maßnahmen des neuen US-Präsidenten zusätzlich unterstützt. Auch im Hinblick auf vor uns liegende Stolpersteine in Europa, wie z.B. Wahlen in Frankreich oder das italienische Referendum, mit potentiell extremeren politischen Strömungen oder die Nachwirkungen des Brexit, erscheint es uns attraktiv, Positionen in US-Dollar zu halten. Denn auch aktuell hat sich wieder gezeigt, dass der US-Dollar eine gewisse Absicherungswirkung in Krisenzeiten zeigt. Das soll aber nicht heißen, dass europäische Unternehmen keine Opportunitäten aufweisen. Im Gegenteil: Die Gewinnschätzungen für eben jene wurden zuletzt wieder erfreulich angehoben. Gold muss vor dem Hintergrund steigender Realrenditen in den nächsten Wochen beweisen, dass es weiter als Absicherungsinstrument eingesetzt werden kann.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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