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„Sell in may…“ oder doch nicht?

Wirtschaft – Zweimal hinschauen bitte

Währungen – Ein Blick reicht, …

Aktienmarkt – Augenblick mal!

 

Autor: Alexander Lokat
Finanzmarkt aktuell per 18. Mai 2018
Alexander Lokat, Portfoliomanager

Alexander Lokat

„Sell in may…“ oder doch nicht? Das altbekannte Sprichwort, Aktien im Mai zu verkaufen und erst im September wieder in den Markt einzusteigen, wird wie stets in diesem Monat viel diskutiert, ist aber global nicht immer anwendbar. Zudem scheinen die Anleger trotz möglichen globalen Handelskrieges und der aktuellen Iran-Sanktionen eher wieder an die Aktienmärkte zurückzukommen. Lesen Sie in folgender Einschätzung unseres Hauses, warum das so ist und was wir für die kommenden Monate erwarten.

Wirtschaft – Zweimal hinschauen bitte

Die neueste Meldung zur Entwicklung des deutschen BIP Wachstums lag mit 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal unter den Erwartungen der Analysten, die eine Wachstumsrate von 0,4 Prozent erwartet hatten. Eine Enttäuschung? Unserer Meinung nach nicht, zieht man in Betracht, dass die Daten durch das schlechte Wetter, die starke Grippewelle in unserem Land und die Ferienzeit stark verzerrt wurden. Das Wachstum hat sich, wenn auch verlangsamt, weiter fortgesetzt und sollte im nächsten Quartal dafür deutlich positiver verlaufen. In den USA schwächen sich die Stimmungsindikatoren in der Breite weiter ab, allerdings sollte beachtet werden, dass dies auf sehr hohem Niveau stattfindet und für uns daher kein Alarmsignal ist. Positive Berichte über den Arbeitsmarkt und eine geringe Arbeitslosenquote wecken ihrerseits Hoffnung, dass die erwartete Lohndynamik bald einsetzt. Dass diese jedoch derzeit ausbleibt, könnte daran liegen, dass viele Arbeitslose in den USA gar nicht von der Arbeitsmarktstatistik erfasst werden und folglich noch kein Fachkräftemangel für die Wirtschaft besteht. Dies hat wiederum Auswirkungen auf die Inflationsrate, die besonders für die Notenbank und die nächsten Zinsschritte entscheidend ist. Neben den harten Zahlen sind die Nachrichten über geopolitische Ereignisse weiterhin im Fokus und können an den Kapitalmärkten täglich für Stimmungsschwankungen sorgen. Unseren Einschätzungen nach haben jedoch die Risiken eines globalen Handelskrieges nach den neuen Gesprächen zwischen den USA und China weiter abgenommen. Allerdings könnte es durch die Aufkündigung des Atomabkommens seitens der USA gegenüber dem Iran zu neuen globalen Spannungen kommen. Noch ist nicht abzuschätzen, inwieweit besonders europäische Unternehmen von diesem Schritt zukünftig beeinflusst werden.

Währungen – Ein Blick reicht, …

… um zu erkennen, dass sich der Euro gegenüber dem US-Dollar seit Mitte April in einer Schwächephase befindet. Seit Februar konnte sich die europäische Gemeinschaftswährung schon nicht mehr verteuern, ehe nun eine erste Abwärtsbewegung eingetreten ist. Für uns nicht verwunderlich. Zwar gibt es einige Meinungen, die die Kaufkraftparität als Argument heranziehen, um dem Euro eine weitere Stärke zuzuschreiben, allerdings sehen wir andere Faktoren als entscheidender an: Zum einen das unterschiedliche Zinsniveau zwischen deutschen und amerikanischen Staatsanleihen und zum anderen die anziehende Inflation in den USA. Zudem hat sich die politische Situation in den USA etwas beruhigt, und die Zustimmungsquoten für den amerikanischen Präsidenten nehmen derzeit wieder zu. In der Eurozone hingegen wirft der Ausgang der Wahl in Italien eine Menge Fragen auf und lastet weiterhin auf dem Euro. Die Schwäche des Euros, der die Exporte der europäischen Unternehmen wieder antreiben und einen Impuls für steigende Gewinne sein kann, sehen wir aber als positiv an.

Aktienmarkt – Augenblick mal!

Befand sich der DAX Mitte März, ausgelöst durch einen Flash-Crash im Februar, noch unter 12.000 Punkten, so hat er knapp acht Wochen später wieder die 13.000 Punktemarke hinter sich gelassen. Über zehn Prozent konnte der deutsche Leitindex in den letzten vier Wochen hinzugewinnen und das, obwohl die deutschen Unternehmen während der Berichtssaison nur ihre Pflicht erfüllt haben und über einen zu starken Euro klagten, der die Exporte belastet hatte. Die Entspannung des Währungspaares EURO/US-Dollar in den letzten Wochen ist daher ein Grund dafür gewesen, warum der DAX wieder steigende Kurse verzeichnen konnte. Man sollte allerdings beachten, dass die Gewinnschätzungen der Analysten für die nächsten 12 Monate seit Jahresanfang kaum erhöht wurden, so dass wir uns in der These bestätigt sehen, dass der DAX in den letzten Wochen vor allem ein charttechnisches Aufholpotential ausgenutzt hat. Aus diesem Grund sehen wir auch kurzfristig wieder die Möglichkeit größerer Marktschwankungen als wahrscheinlich an, bleiben aber mittelfristig davon überzeugt, dass deutsche und europäische Unternehmen aufgrund ihrer attraktiven Bewertung sehr interessant sind. In den USA hingegen war die Berichtssaison brillant. Zusätzlich bilden die geplanten Aktienrückkäufe der amerikanischen Unternehmen ein gutes Argument für weiterhin steigende Kurse. Die gute Stimmung an den Aktienmärkten konnte sich zuletzt auch auf die Schwellenländer übertragen, die zuvor eine etwas schwächere Entwicklung verzeichnet hatten. In nahezu allen Regionen haben sich die Gewinnschätzungen für die Unternehmen wieder positiv entwickelt, weshalb wir die Schwellenländer weiterhin als das attraktivste Investment ansehen.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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