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In den letzten Tagen sorgte die Aufregung um den Welthandel für zunehmende Schwankungen an den Finanzmärkten und verunsicherte viele Anleger.

Trump meldet sich zu Wort…

…verschreckt damit Aktienkäufer…

…kann aber die Anleihemärkte nicht nachhaltig aus der Ruhe bringen.

 

Autor: Jan Nießen
Finanzmarkt aktuell per 17. Mai 2019
Jan Nießen, Portfoliomanager

Jan Nießen

In den letzten Tagen sorgte die Aufregung um den Welthandel für zunehmende Schwankungen an den Finanzmärkten und verunsicherte viele Anleger. Wie die Ereignisse einzuordnen sind und welche Schlüsse sich daraus ziehen lassen, lesen Sie in dieser Ausgabe von Finanzmarkt aktuell.

Trump meldet sich zu Wort…

„Du mußt verstehn! Aus Eins mach‘ Zehn…“ beginnt das Hexeneinmaleins in Goethes Faust I, und so ähnlich verhält es sich aktuell auch mit Donald Trump. Statt wie angekündigt einen Deal nach dem anderen abzuschließen, eröffnet der amerikanische Präsident immer wieder neue Fronten und vervielfacht somit die Anzahl der Risiken für die Finanzmärkte. Doch der Reihe nach: Zum Ende der vorletzten Woche herrschte durchweg positive Stimmung, da allgemein davon ausgegangen wurde, dass eine Einigung in dem zwischen den USA und China seit Monaten schwelenden Handelskonflikt nur noch reine Formsache sei. Diese trügerische Ruhe verflüchtigte sich allerdings schlagartig, als Trump in einem Beitrag auf Twitter erklärte, die chinesische Seite versuche bereits beschlossene Punkte nachzuverhandeln und er sehe sich somit gezwungen, die Zölle auf aus China importierte Waren drastisch anzuheben. Mit dieser Aussage erwischte er viele Akteure an den Finanzmärkten kalt. Selbst die Anleger, die anfangs noch Ruhe bewahrten, verfielen spätestens nach der Ankündigung chinesischer Gegenmaßnahmen in eine Ausverkaufsstimmung, welche die Kurse am Montag stark ins Minus drückte. Doch als wäre ein eskalierender Handelskonflikt nicht genug, drohte schon für nächsten Samstag weiteres Ungemach, da eine Entscheidung der USA ausstand, ob aus der EU importierte PKW die nationale Sicherheit gefährden und somit ebenfalls mit Einfuhrzöllen zu belegen seien. Zumindest in diesem Fall wurde die ausstehende Frist vorläufig für sechs Monate verlängert. Dies ist zwar einerseits positiv, da der Welt eine weitere Auseinandersetzung erstmal erspart bleibt, andererseits ist die Unsicherheit somit für mindestens ein weiteres halbes Jahr hoch. Zusätzlich zu diesen beiden medienwirksamen Themen steht noch ein weiterer nicht zu vernachlässigender Punkt auf der Agenda. Nachdem die USA bereits vor einiger Zeit aufgrund des Streits um das iranische Atomprogramm Sanktionen verhängt hatten, fallen die bislang geltenden Ausnahmeregelungen nun weg. Hierdurch könnten weitere Länder gezwungen sein, auf Ölimporte aus dem Land zu verzichten. Bemerkenswert ist, dass diese Situation zunehmend von militärischem Säbelrasseln in der Region begleitet wird und somit die Sorgen um eine weiteren Verschärfung des Konfliktes wachsen. Insgesamt also eine ungemütliche Gemengelage, die von der anderen Seite des Atlantiks nach Europa schwappt und dabei gleichzeitig hierzulande relevante Themen wie den Brexit oder die europäische Parlamentswahl aus den Schlagzeilen verdrängt.

…verschreckt damit Aktienkäufer…

Nachdem die Aktienmärkte weltweit in diesem Jahr nur eine Richtung kannten, haben viele Anleger nun die Chance genutzt und Gewinne realisiert. Die beeindruckende Kursrally, die wir in den ersten gut vier Monaten gesehen haben, hat die meisten Verluste aus 2018 ausgeglichen, und somit bot die aufkommende Unsicherheit eine Gelegenheit, sich zurückhaltender zu positionieren. So verständlich diese Reaktion ist, lässt sie doch die Frage offen, wie die nächsten Monate angegangen werden sollten. Wir sind der Ansicht, dass das solide konjunkturelle Bild und die fairen Bewertungen mit Blick über die Handelskonflikte hinaus weiterhin Potential für amerikanische Aktien bieten. Dieser Eindruck wird auch durch die aktuellen Quartalsberichte der Unternehmen unterstrichen, die sowohl bei Gewinnen als auch bei Umsätzen, entgegen den Erwartungen, ein positives Wachstum verzeichnen konnten. Trotzdem sollte die Ausrichtung nicht mehr so offensiv ausfallen wie zuletzt, sondern zyklische Titel durch defensivere Werte ergänzt werden, um die Schwankungsanfälligkeit des Portfolios zu reduzieren. Gleiches gilt für Europa. Auch hier fallen die Berichte der Unternehmen für das erste Quartal 2019 überraschend positiv aus. Gleichzeitig können die oben genannten Risiken sich jederzeit Bahn brechen und für unangenehme Überraschungen sorgen.

…kann aber die Anleihemärkte nicht nachhaltig aus der Ruhe bringen.

Die an den Aktienmärkten herrschende Aufregung ließ sich bei den Anleihen nur teilweise beobachten. So zeigten im Segment der Unternehmensanleihen sowohl die Titel höherer als auch niedrigerer Qualität kaum eine Reaktion. Anders sah dies bei den Staatsanleihen aus: Die 10-jährigen Bundesanleihen, die schon seit einiger Zeit mit einer negativen Rendite notieren, verstärkten die Abwärtsdynamik in den letzten Monaten nochmals und liegen nur wenige Basispunkte von ihrem absoluten Renditetief im Sommer 2016 entfernt. Verantwortlich dürften hierfür neben dem Handelskonflikt die insgesamt gestiegene politische Unsicherheit, sowie das seit letztem Sommer schwächere Wachstum in der Eurozone sein. Dagegen hatte die Ausweitung der Risikoaufschläge bei italienischen Papieren eher innenpolitische Gründe. Die Unruhe in der Regierung, die zu Neuwahlen führen könnte, und der wieder verschärfte Konfrontationskurs mit der EU bezüglich des Haushaltsdefizits, dürften viele Anleger an der Stabilität des Landes zweifeln lassen. Dementsprechend gilt bei Anleihen, ähnlich wie am Aktienmarkt, dass eine gewisse Zurückhaltung angebracht ist, sich aber bei der Auflösung des einen oder anderen Konfliktherdes attraktive Einstiegsniveaus bieten.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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