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Amerika steht weiterhin im Spannungsfeld zwischen soliden Wirtschaftsdaten und politischer Unsicherheit.

Volkswirtschaft: Politische Unsicherheit in Amerika

Renten: Europäische Zentralbank bleibt expansiv

Aktien: Höchste Zeit für eine Konsolidierung?

 

Autor: Sören Wiedau
Finanzmarkt aktuell per 16. Juni 2017
Sören Wiedau, CEFA, Portfoliomanager

Sören Wiedau

Amerika steht weiterhin im Spannungsfeld zwischen soliden Wirtschaftsdaten und politischer Unsicherheit. Die mit Spannung erwartete Anhörung des von US-Präsident Donald Trump entlassenen früheren FBI-Chefs James Comey brachte keine neuen Erkenntnisse. Comey bezichtigte den US-Präsidenten öffentlich der Lüge, doch für ein Amtsenthebungsverfahren wegen Justizbehinderung dürften seine Aussagen wohl nicht ausreichen. Trotzdem wird der Druck auf den US-Präsidenten weiter anhalten. So haben erst kürzlich zwei Generalstaatsanwälte gegen den USPräsidenten Klage wegen Korruption eingereicht. Angeblich sollen ausländische Zahlungen an Trumps Unternehmensgruppe erfolgt sein, die gegen die US-Verfassung verstoßen. Auch der mögliche Einfluss Russlands auf den Wahlkampf im vergangenen Jahr könnte wieder für Aufregung sorgen. Vor diesem Hintergrund ist es fraglich, ob Trump seine angekündigten „massiven“ Steuersenkungen und die Auflegung von Infra­struktur­pro­­grammen zeitnah umsetzen kann. Abgesehen von diesen politischen Ereignissen sehen wir die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft aber auf einem gesunden Pfad. Vor allem die gute Lage am Arbeitsmarkt sollte den privaten Konsum stützen und sich positiv auf die Wirtschaft auswirken. Die wirtschaftliche Erholung nahm die US-Notenbank zum Anlass, die Zinsen um 0,25% anzuheben. Gleichzeitig signalisierte sie einen weiteren Zinsschritt noch in diesem Jahr. Damit setzt die amerikanische Notenbank ihre Normalisierung der Geldpolitik behutsam fort.

In Europa sorgt die politische Entwicklung in Frankreich für gute Stimmung. Die Partei des französischen Präsidenten Macron erzielte in der ersten Runde der Parlamentswahlen mit rund 33% der landesweiten Stimmen einen klaren Sieg. Sollte sich der Trend im zweiten Wahlgang kommenden Sonntag bestätigen, würde seine Partei "La Republique en marche" die absolute Mehrheit erreichen. Macron hätte dann gute Chancen, seine Pläne und tiefgreifenden Reformen umzusetzen und Frankreich wieder auf Kurs zu bringen. Mit großer Spannung wurden auch die vorgezogenen Parlamentswahlen in Großbritannien erwartet. Zwar bleibt die konservative Partei von Premierministerin Theresa May die stärkste Kraft, allerdings hat sie die absolute Mehrheit und damit den gewünschten Rückhalt für ihre Politik verloren. Trotz der starken Verluste der Konservativen will Theresa May Premierministerin bleiben und eine neue Regierung bilden. Aus unserer Sicht dürfte es die geschwächte britische Regierung in den Brexit-Verhandlungen schwer haben, ihre harten Verhandlungspositionen aufrecht zu halten.

Die Rendite der 10-jährigen deutschen Staatsanleihen bewegte sich in den letzten Tagen seitwärts. Die EZB hält an ihrer lockeren Geldpolitik weiter fest. Bei ihrem Ausblick wurde die Formulierung, dass die Zinsen bei Bedarf auf ein niedrigeres Niveau gesenkt werden könnten, gestrichen. Bekräftigt wurde hingegen, dass die Leitzinsen noch für längere Zeit und weit über das Ende der Anleihekäufe hinaus auf dem aktuellen Niveau bleiben sollten. Zudem sieht die Notenbank nun auch die Wachstumsrisiken als ausgeglichen an. Außerdem wurde die Inflationsprojektion nach unten hin angepasst. Angesichts der immer noch niedrigen Kerninflation in der Eurozone erwarten wir, dass die EZB beim Ausstieg aus ihrer lockeren Geldpolitik vorsichtig vorgehen wird.

Der deutsche Aktienmarkt (DAX) konnte die politischen Ereignisse sowie den Rückgang bei den Technologiewerten bisher gut verkraften und verzeichnete sogar ein neues Allzeithoch. Es zeigt sich, dass sich die Marktteilnehmer momentan eher auf harte Fakten wie Konjunktur, Geldpolitik und Unternehmensresultate konzentrieren. Und hier sieht es für den deutschen als auch für den europäischen Aktienmarkt erfreulich aus. Die Konjunkturerholung in der Eurozone und die hohen Wachstumszahlen in den Schwellenländern unterstützen die Unternehmensgewinne und rechtfertigen zum Teil die höheren Bewertungen. Allerdings sollten sich die Aktienmärkte nicht auf ihren Vorschusslorbeeren ausruhen. Nach wie vor herrscht politische Unsicherheit. Brexit-Verhandlungen, mögliche Neuwahlen in Italien und das unberechenbare Sorgenkind Donald Trump können jederzeit die Märkte beeinflussen. Auch die charttechnische Lage des DAX hat sich kurzfristig eingetrübt. Nach der starken Kursentwicklung befindet sich der DAX in einem überkauften Zustand. Investoren haben ihre Aktienbestände weiter ausgebaut und sind insbesondere in Aktien des Euroraumes übergewichtet. Es sollte daher nicht verwundern, wenn sich die Aktienmärkte auch mal eine Verschnaufpause gönnen. Eine solche Konsolidierung – innerhalb des von uns präferierten langfristigen Aufwärtstrends – halten wir für eine gute Einstiegs- bzw. Nachkaufmöglichkeit.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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