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Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate – Ausblick auf die Marktentwicklung im nächsten Jahr

Konjunktur – globales Wachstum auf solidem Niveau

Aktien – die Märkte kennen nur zwei Stimmungen: euphorisch oder gleichgültig

Renten – an der Zentralbank führt kein Weg vorbei

 

Autor: Jan Nießen
Finanzmarkt aktuell per 15. Dezember 2017
Jan Nießen, Portfoliomanager

Jan Nießen

Zum Ende eines Jahres stellt sich traditionsgemäß die Frage, wie es in Erinnerung bleiben wird und welche Erwartungen wir an das nächste haben dürfen. Entsprechend dieser Überlegung lassen wir in der aktuellen Ausgabe die vergangenen zwölf Monate kurz Revue passieren und geben einen Ausblick darauf, welche Ereignisse die Marktentwicklungen im nächsten Jahr prägen könnten.

Konjunktur – globales Wachstum auf solidem Niveau

Wenn man an den Beginn des Jahres zurückdenkt, wird die Erinnerung an die vielen Unsicherheitsfaktoren wach, die großes Potential für Rückschläge beim gesamtwirtschaftlichen Wachstum zu bieten schienen: Einerseits waren die Augen auf den neuen US-Präsidenten gerichtet, den zum damaligen Zeitpunkt niemand ernsthaft einschätzen konnte, der aber mit großen Versprechungen in sein Amt gestartet war. Andererseits setzten die Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland – mit der akuten Gefahr politischer Verwerfungen – der Phantasie bezüglich negativer Auswirkungen keine Grenzen. Jetzt, fast ein Jahr später, nach dem alle Wahlen abgehalten wurden und sogar ein katalonisches Unabhängigkeitsreferendum überstanden ist, lässt sich sagen: Alles halb so schlimm! Zwar sind die Handlungen Donald Trumps immer noch schwer vorhersehbar, und gemessen an seinen Ankündigungen war es politisch für ihnkein besonders erfolgreiches Jahr, aber zumindest lässt sich aktuell für die Wirtschaft kein nachhaltiger Schaden erkennen. Dementsprechend positiv fällt auch das Fazit dieses Jahres aus: Nahezu alle Volkswirtschaften weltweit haben gute Wachstumszahlen vorgelegt, und vor allem die exportorientierten Nationen konnten stark vom ansteigenden Welthandel profitieren. Trotz dieses sogenannten Goldilocks-Szenarios, also einem leicht überdurchschnittlichen Wachstum bei niedriger Inflation und geringen Zinsen, scheint eine gewisse Vorsicht mit Blick auf das nächste Jahr angebracht. So enttäuschten die zuletzt veröffentlichten Konsumdaten vor allem für die größeren europäischen Länder, und auch die Produktionszahlen blieben hinter den Erwartungen zurück. In der Konsequenz bedeutet das eine wachsende Diskrepanz zwischen den realwirtschaftlichen Daten und den ermittelten Erwartungen zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung, welche z.B. durch den IFO-Index abgebildet werden, der im November mit 117,5 Punkten ein neues Rekordhoch erreichte. Hier erkennen wir ein gewisses Enttäuschungspotential, gehen aber trotzdem von einem soliden Wirtschaftswachstum für das nächste Jahr aus.

Aktien – die Märkte kennen nur zwei Stimmungen: euphorisch oder gleichgültig

Die Aktienmärkte erlebten ein (fast) perfektes Jahr. Zumindest wenn man den amerikanischen S&P 500 betrachtet, besteht noch die Chance, dass dieser, unter Berücksichtigung der Dividendenzahlungen, in allen zwölf Monaten des Jahres im Plus schließt. Doch auch die europäischen und deutschen Indizes ließen kaum Hoffnungen unerfüllt und hatten diverse (Allzeit-)Hochs zu bieten. Trotz der durch Gewinnmitnahmen begründeten Konsolidierung der letzten Monate und der bislang ausbleibenden Jahresendrallye lässt sich somit auch für den Aktienmarkt ein sehr positives Jahr verbuchen. Wenn man die Vorzeichen für 2018 betrachtet – z.B. die US-Steuerreform oder die angehobenen Gewinnschätzungen vieler Unternehmen – ließe sich die Geschichte von den immer weiter steigenden Aktienmärkten bedenkenlos fortschreiben. Doch wie schon bei der Konjunktur ist auch hier „nicht alles Gold, was glänzt“. Ob und in welcher Form es Donald Trump gelingt, die Reform der amerikanischen Unternehmenssteuern und weitere Vorhaben umzusetzen, scheint im Lichte der jüngsten Ereignisse, wie der Nachwahl in Alabama, wieder ungewisser geworden zu sein. Weiterhin zeigte sich 2017 ein neues Phänomen am Aktienmarkt: Die Anleger waren entweder euphorisch oder gleichgültig, und das bei geringer Schwankungsbreite. Negative Ereignisse bewegten die Märkte kaum und zogen somit nur geringe Kurskorrekturen nach sich. Obwohl diese Einstellung erheblichen Anteil am positiven Gesamtergebnis hat, wächst doch die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Stimmung irgendwann umkehrt und ein überraschendes Ereignis im nächsten Jahr zu Kursverlusten führen kann. Dementsprechend ist unser Bild für das nächste Jahr grundsätzlich positiv mit leichten Einschränkungen. Dank des erwarteten Wachstums bei den Unternehmensgewinnen und dem Anziehen des Welthandels, welches vor allem Aktien in den Exportnationen Deutschland und Japan zugute kommen dürfte, gehen wir von weiter steigenden Kursen an den Aktienmärkten aus, wobei größere Rücksetzer nicht auszuschließen sind.

Renten – an der Zentralbank führt kein Weg vorbei

An den Rentenmärkten führt natürlich auch in diesem Jahr kein Weg an den Zentralbanken vorbei, vor allem wenn man bedenkt, dass bis zum Jahresende noch einige Entscheidungen anstehen. Während allerdings weder die Ankündigungen der EZB, noch Janet Yellens letztes Statement als Präsidentin der US-Notenbank (Fed) die Märkte nachhaltig bewegt haben, bietet die Bank of Japan (BoJ) das größte Überraschungspotential. So dürfte der Ende der Woche veröffentlichte Konjunkturbericht weiteren Aufschluss darüber geben, ob die BoJ einen Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik vorbereitet, wie die letzten Äußerungen des Zentralbank-Präsidenten vermuten lassen. Unabhängig von der BoJ bieten die Reduzierung der Anleihekäufe durch die EZB im Januar nächsten Jahres und der Amtsantritt des neuen Fed-Präsidenten Jerome Powell im kommenden Februar an den Rentenmärkten alle Voraussetzungen für ein interessantes Jahr 2018, welches unserer Ansicht nach allerdings von erhöhter Unsicherheit geprägt sein dürfte.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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