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Stürmisch - aber mit Chancen

16 Tweets in einer halben Stunde!
Trump positiv – Biden negativ?
Showdown zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich

 

Autor: Alexander Lukas
Finanzmarkt aktuell per 9. Oktober 2020
Alexander Lukas, CFA

Alexander Lukas

Die kommenden Wochen werden weiter von Unsicherheit geprägt sein. US-Wahlen, Brexit, COVID-19 – das sind die Themen, um die es sich im Herbst an den Finanzmärkten drehen dürfte und die somit auch Teil der heutigen Ausgabe von Finanzmarkt aktuell sind.

16 Tweets in einer halben Stunde!

Da hatte Donald Trump offenbar einiges nachzuholen. Der US-Präsident ist ja bekanntlich an COVID-19 erkrankt und konnte seinen Wahlkampf, bedingt durch einen Krankenhausaufenthalt, für kurze Zeit nicht fortsetzen. Nachdem er überraschend früh das Krankenhaus wieder verlassen und in das Weiße Haus zurückgekehrt war, polterte der Amtsinhaber auf Twitter sofort los und forderte mit etlichen in Großbuchstaben verfassten Tweets zum Wählen auf. Aussagen und Aufforderungen wie „Recht & Ordnung. Geht wählen!“ oder „Stärkstes Militär aller Zeiten. Geht wählen!“ muten für unsere Ohren skurril an, dürften seine Wählerschaft aber durchaus ansprechen. In den Wahlumfragen liegt der Noch-Präsident hinter dem Herausforderer Joe Biden. Das komplizierte Wahlsystem in den USA, bei dem nicht unbedingt die Zahl der Stimmen, sondern die Zahl der gewonnenen Wahlmänner der einzelnen Bundesstaaten entscheidend ist, macht es aber möglich, dass am Ende der neue Präsident der alte ist – auch wenn er insgesamt weniger Stimmen gewinnen konnte. Besondere Bedeutung kommt daher immer wieder bei Wahlen den sogenannten Swing States zu, also den Staaten, bei denen es höchst unsicher ist, ob die Demokraten oder die Republikaner gewinnen werden. Um die Sache weiter zu verkomplizieren, werden am 3. November auch beide Kammern des Kongresses neu gewählt – das Repräsentantenhaus vollständig, der Senat aber nur zu einem Drittel. Gut möglich also, dass am Ende der gewählte Präsident keine eigenen Mehrheiten im Kongress haben wird. Zudem hat Donald Trump vorsorglich schon mehrfach darauf hingewiesen, dass er unter Umständen das Wahlergebnis nicht anerkennen wird, weil er das Briefwahlsystem für illegitim hält. Ein Maximum an Unsicherheit also, was es uns deutlich erschwert, klare Implikationen der US-Präsidentschaftswahl für die Finanzmärkte abzuleiten.

Trump positiv – Biden negativ?

Wie wird das Wahlergebnis an den Aktienmärkten angenommen werden? Die letzten vier Jahre Trump-Präsidentschaft waren unter anderem aufgrund von Steuererleichterungen für Unternehmen und einer expansiveren Geldpolitik von steigenden Aktienkursen geprägt. Donald Trump hat zwar kein offizielles Wahlprogramm, seinen Äußerungen zufolge sollte sich seine Politik der letzten vier Jahre aber im Falle eines Sieges weiter fortsetzen: Steuergeschenke und „America First“. Dem Wahlprogramm Joe Bidens entnehmen wir, dass die Steuern für Unternehmen wieder ansteigen könnten. Ob dieses für die Aktienmärkte eher negative Thema aber ganz oben auf Bidens Agenda steht, muss abgewartet werden. Wahrscheinlicher ist, dass ein groß angelegtes Infrastrukturprogramm auf den Weg gebracht werden wird, was beide Kandidaten grundsätzlich möchten. Biden hat dabei einen Fokus auf erneuerbaren Energien. Da die Gestaltungsmöglichkeiten des zukünftigen Präsidenten eben auch von den Mehrheiten im Kongress abhängen, und diese wie beschrieben unsicher sind, bleiben auch die Auswirkungen auf die Finanzmärkte unklar. Wir schätzen, dass das Wahlergebnis allenfalls zu kurzfristigen Schwankungen an den Aktienmärkten führen wird und auch ein Präsident Joe Biden nicht per se negativ für die Aktienmärkte zu sehen ist. Sollte es zu einer Hängepartie nach der Wahl kommen und Trump die Wahl sogar anfechten, dürfte es aber zu temporär erhöhter Unsicherheit und fallenden Aktienmärkten kommen. Für uns wären das mögliche Kaufgelegenheiten, da die übrigen Rahmendaten positiv sind.

Showdown zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich

Seit Monaten hörten wir so gut wie nichts Neues vom Brexit. Nach dem Inkrafttreten des Austrittsabkommens und dem Beginn der Übergangsphase am 1. Februar 2020 hat das Coronavirus die Verhandlungen gelähmt. Bis zum Ende dieses Jahres müssen die Verhandlungen für die zukünftige Partnerschaft, die vor allem in Bezug auf Binnenmarkt und Zollunion kontroverse Standpunkte beinhaltet, abgeschlossen und in den Parlamenten ratifiziert sein. Doch danach sieht es nun, gut ein Vierteljahr vorher, überhaupt nicht aus, und eine Verlängerung der Übergangsphase ist ausgeschlossen. Boris Johnson pokert jedenfalls sehr hoch und droht mit dem Ende der Gespräche, sollten seine Positionen nicht ausreichend Gehör finden. Gibt es keine Einigung, folgt zum 31. Dezember 2020 der harte Brexit. Dieser könnte große ökonomische Belastungen für Europa mit sich bringen, vor allem bringt die aktuelle Situation aber eines: Unsicherheit. Ebenfalls zu Jahresbeginn sollte eigentlich auch der EU-Wiederaufbaufonds starten, ein 750 Mrd. Euro schweres Maßnahmenpaket, um vor allem die von der Coronakrise besonders getroffenen Mitgliedsstaaten zu unterstützen. Doch herrscht aktuell große Unsicherheit, ob der Start verschoben werden muss. Hintergrund sind nun Diskussionen um den Mechanismus zur Rechtsstaatlichkeit. Mit diesem sollen künftig EU-Finanzmittel ausgesetzt werden, wenn in Ländern wie zum Beispiel Polen oder Ungarn demokratische Werte abgebaut werden. Nicht nur die südeuropäischen Länder leiden unter COVID-19, auch die osteuropäischen, die mittlerweile ebenfalls stark vom Tourismus abhängen. Mit dem Herbst steigen die COVID-19-Neuansteckungen in vielen Regionen wieder an, auch in Deutschland. Wie erwartet, werden die Volkswirtschaften nun nicht sofort komplett geschlossen wie zu Beginn der Pandemie. Vielmehr gibt es punktuelle Maßnahmen. Dennoch drückt die Unsicherheit über die Ausmaße der nächsten Infektionswelle neben den vielen weiteren genannten Unsicherheitsfaktoren auf die Stimmung der Marktteilnehmer. Anleger sollten sich auf eine stürmische Herbstphase an den Kapitalmärkten einrichten, mittelfristig überwiegen in unseren Augen jedoch die Chancen.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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