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Die Sommerhitze der vergangenen Wochen ging an den Finanzmärkten mit einer Richtungslosigkeit einher, aus der sich aktuell nur schwer ein klarer Trend ableiten lässt.

Volkswirtschaft: Die amerikanische Regierung kauft sich Wachstum

Berichtssaison: Gute Zahlen in Europa und sehr gute in den USA

Handelskonflikt: Der Beruhigung folgt neue Unruhe

 

Autor: Jan Nießen
Finanzmarkt aktuell per 3. August 2018
Jan Nießen, Portfoliomanager

Jan Nießen

Die Sommerhitze der vergangenen Wochen ging an den Finanzmärkten mit einer Richtungslosigkeit einher, aus der sich aktuell nur schwer ein klarer Trend ableiten lässt. Trotz alledem bieten Wachstumszahlen aus den USA, die aktuelle Berichtssaison der Unternehmen und der immer wieder aufkeimende Handelskonflikt genug Potential für einen spannenden August.

Volkswirtschaft: Die amerikanische Regierung kauft sich Wachstum

4,1%! Dieses annualisierte, also „auf das Jahr hochgerechnete“, Wachstum des Bruttoinlandsproduktes vermeldeten die USA im zweiten Quartal 2018. Eine Zahl, von der Volkswirtschaften weltweit, mit einigen wenigen Ausnahmen, nur träumen können. Während Präsident Donald Trump sich für dieses Ergebnis feiern lässt, stellt sich die Frage, wie eine solche Entwicklung möglich sein kann. Vor allem vor dem Hintergrund, dass in Europa zunehmend Stimmen laut werden, die eine rückläufige Dynamik bei der wirtschaftlichen Entwicklung beobachten. Um diese Diskrepanz zu erklären, lohnt ein genauerer Blick darauf, wie diese Zahl zustande gekommen ist. Hier fällt auf, dass die Staatsausgaben in den USA in den letzten Quartalen deutlich angestiegen sind und somit einen maßgeblichen Anteil an der positiven Entwicklung haben. An diese Feststellung schließt sich die Überlegung an, welche Auswirkungen eine solche Ausgabenpolitik hat. Kurz- bis mittelfristig kann Präsident Trump sich weiter auf die Fahnen schreiben, dass er die heimische Wirtschaft ankurbelt und somit vielleicht für seine Parteifreunde noch wichtige Stimmen für die Kongresswahl im November gewinnt. Betrachtet man allerdings die langfristigen Effekte, trübt sich das ganze Bild deutlich ein. Da das Geld für höhere Staatsausgaben auch in den USA nicht vom Himmel fällt, müssen die Schulden erhöht werden, um eine solche Politik zu finanzieren. Dies strapaziert das durch die Steuerreform eh schon in Mitleidenschaft gezogene Haushaltsbudget weiter und dürfte somit künftige Präsidenten und Generationen von Amerikanern nachhaltig beschäftigen.

Berichtssaison: Gute Zahlen in Europa und sehr gute in den USA

Der Gesamtwirtschaft taten es die amerikanischen Unternehmen gleich. Auch wenn bislang erst gut die Hälfte der Unternehmen berichtet hat, deutet vieles auf eine erneut sehr gute Berichtssaison hin. Wie schon beim Wirtschaftswachstum ist auch hier der amerikanische Staat, genauer gesagt Präsident Trump, nicht ganz unbeteiligt. Die gut laufenden Geschäfte der Unternehmen werden durch die zum Jahresbeginn in Kraft getretenen Steuererleichterungen unterstützt und beflügeln die Ergebnisse somit zusätzlich. Im Vergleich dazu sind die Zahlen, welche die europäischen Unternehmen in den vergangenen Tagen veröffentlicht haben, zwar weniger spektakulär, aber bieten bislang keinen Grund zur Beunruhigung. Auch wenn nicht alle Unternehmen den Erwartungen gerecht wurden, steht unter dem Strich ein ordentliches Wachstum sowohl bei den Gewinnen als auch beim Umsatz. Ein Sonderthema zeigte sich in den letzten Tagen im Technologiesektor: Nachdem dieser für viele Monate der Liebling aller Marktteilnehmer war, zeigte der amerikanische Nasdaq-Aktienindex, in dem die großen US-Technologieunternehmen zusammengefasst sind, zuletzt leichte Korrekturbewegungen. Ausgelöst wurden diese durch einige Quartalsberichte aus dem Sektor, die schwächer ausfielen als erwartet. In der Folge ging die Sorge um, dass uns jetzt ein Ende des Technologie-Booms bevorstehen könnte. Diese Gedanken haben sich aktuell aber schon wieder ein wenig zerstreut, nachdem die zuletzt veröffentlichten Unternehmensergebnisse ein deutlich positiveres Bild malten. Demensprechend scheint sich der Index nun, nach einer zwischenzeitlichen Konsolidierung, wieder zu stabilisieren und könnte die kurzzeitige Abwärtsbewegung überwinden.

Handelskonflikt: Der Beruhigung folgt neue Unruhe

Neue Nachrichten gab es in den vergangenen Tagen mal wieder vom Handelskonflikt. Nachdem in der letzten Woche ein Treffen zwischen dem Präsidenten der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker und Donald Trump überraschend positiv verlaufen war, schien sich die Lage zunehmend zu beruhigen. Hiervon profitierten besonders die Aktien der Automobilhersteller und -zulieferer, die aus Angst vor Handelsbarrieren in den Wochen zuvor stark unter Druck geraten waren. Als dann zusätzlich noch die Meldung die Runde machte, dass Amerikaner und Chinesen ebenfalls wieder zu Verhandlungen bereit wären, sah es danach aus, als könnte das globale Schreckgespenst Handelskrieg nun endgültig verscheucht werden. Seit Mittwochmorgen wissen wir allerdings, dass diese Freude verfrüht war. Aus Kreisen der amerikanischen Regierung heißt es nun, dass weiterhin Zölle auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar angedacht seien und diese zusätzlich nicht wie bisher angekündigt zehn, sondern bis zu 25% betragen könnten. Es ist weiterhin nicht abzusehen, in welche Richtung sich die Spirale der gegenseitigen Drohungen drehen wird. Sicher scheint nur, dass uns das Thema noch eine Weile beschäftigen wird. Zumal auch die Zölle gegen die europäische Autoindustrie nicht endgültig vom Tisch, sondern nur bis auf weiteres verschoben sind.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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