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DAX nur noch wenige Prozentpunkte von seinem Allzeithoch entfernt.

Konjunktur: positive Frühindikatoren

Aktien: US-Märkte überhitzt

Renten: steigende Inflation vs. politische Risiken

 

Autor: Sascha Rehbein
Finanzmarkt aktuell per 3. März 2017
Sascha Rehbein, CFA, Portfoliomanager

Sascha Rehbein

„Nicht die Nachrichten machen die Kurse, sondern die Kurse machen die Nachrichten.“ Dieser Börsenweisheit von André Kostolany kann man mit Blick auf die jüngste Entwicklung der globalen Aktienmärkte durchaus etwas abgewinnen. Der US-Aktienindex „Dow Jones Industrial Average“ hat unglaubliche 12 Tage in Folge neue Rekordlevel erreicht, noch nie in der Geschichte in so kurzer Zeit um 2.000 Indexpunkte zugelegt und ist seit den US-Wahlen um über 15% angestiegen. Auch hierzulande ist der deutsche Leitindex DAX nur noch wenige Prozentpunkte von seinem Allzeithoch entfernt. Diese Superlative sind tatsächlich eine Nachricht wert! Aber woher kommt diese Euphorie an den Aktienmärkten? Wenn man die Begründung in den harten Zahlen und Fakten sucht, dann richten sich die Blicke schnell auf die Berichtssaison: Nach einer längeren Durststrecke konnten die US-Unternehmen tatsächlich wieder positive Umsatz- und Gewinnentwicklungen präsentieren, aber bei einem Anstieg im niedrigen einstelligen Prozentbereich wäre Euphorie kaum nachvollziehbar. Vielleicht helfen Konjunkturindikatoren, um die positive Stimmung zu rechtfertigen. Jedoch führen Wachstumsraten um die 2% auf beiden Seiten des Atlantiks sicherlich nicht zum Freudensprung. Offenbar ist der Markttreiber eher in den weichen Faktoren zu finden, wie zum Beispiel „Hoffnung“. Und der „Hoffnungsträger“ ist schnell ausgemacht: Donald Trump und seine offensive Fiskalpolitik. Trotz fehlender Detailinformationen zur zukünftigen Steuerreform, Handelspolitik und Deregulierung konnte der neue US-Präsident bei seiner ersten Rede vor dem US-Kongress die Kapitalmärkte in dieser Woche erneut entflammen. Allerdings werden wir zunehmend skeptisch, wie lange diese positive Stimmung an den Aktienmärkten noch anhalten kann. Die neue USRegierung gerät zunehmend unter Druck, inhaltlich zu liefern und muss für maßgebliche Gesetzesvorhaben im Senat mit den Demokraten zusammenarbeiten. Keine einfache Aufgabe und erhöhtes Enttäuschungspotential! Zusätzlich sind die US-Märkte durch den schnellen Anstieg bereits stark überhitzt – eine Korrektur ist dementsprechend gut vorstellbar. Somit empfehlen wir aktuell, Investitionen in den USA etwas hinauszuzögern und sich stärker auf Aktien aus den Schwellenländern und Europa zu konzentrieren.

Natürlich steht auch Europa vor Herausforderungen. Besonders die anstehenden Wahlen in Frankreich haben zuletzt für Nervosität an den Rentenmärkten gesorgt. Dies führte zur höchsten Renditedifferenz seit Ende 2012 zwischen deutschen Bundesanleihen und französischen Staatspapieren. Doch die aktuellen Umfragen aus Frankreich zeigen weiterhin geringe Chancen für einen Wahlsieg der Front National im zweiten Wahlgang im Mai. Einen Austritt Frankreichs aus der EU versehen wir selbst unter einer Präsidentin Le Pen mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit. Die EU-Mitgliedschaft ist in der französischen Verfassung verankert und eine Verfassungsänderung benötigt eine klare Mehrheit im Parlament. Genau dort fehlt Frau Le Pen die breite Basis, um bei den Parlamentswahlen im Sommer in beiden Kammern des Parlaments Mehrheiten zu erzielen. Im heutigen politischen Umfeld sollte man zwar nichts mehr ausschließen, aber einen sogenannten „FREXIT“ sehen wir als höchst unwahrscheinlich an. Für den mutigen Renteninvestor könnte somit eine taktische Positionierung in Frankreich interessant erscheinen. Wir empfehlen weiterhin, Chancen in Schwellenländeranleihen zu suchen und das Zinsrisiko zu reduzieren.

Denn das verbesserte Konjunkturumfeld kann kurzfristig zu einem moderaten Renditeanstieg bei Bundesanleihen führen. Frühindikatoren, wie zum Beispiel die bekannten Einkaufsmanger-Indizes, haben sich sowohl in den USA als auch in Europa in den vergangenen Monaten sukzessive verbessert und notieren auf hohen Niveaus. Die wirtschaftlichen Probleme in den Schwellenländern scheinen sich zu aufzulösen, und selbst von Seiten der Inflation zeigt sich Regung. Diese ist in Deutschland auf das höchste Niveau seit Dezember 2012 angestiegen und notiert, wie auch die europäische Inflation, mittlerweile über der EZB-Zielmarke von 2%. Diese positive Dynamik ist allerdings dem Ölpreispreisanstieg vor einem Jahr zuzuschreiben und sollte aus unserer Sicht nur noch kurzfristig anhalten. Denn wir erwarten keinen weiteren Auftrieb im Ölpreis, da zunehmend US-Ölproduzenten auf den Markt zurückkehren und die Produktionsmenge erhöhen. Somit sollte der Ölpreis durch die Angebotsausweitung gedeckelt bleiben. Sollte sich die Konjunktur analog zu den Frühindikatoren weiter verbessern, gleichzeitig aber die Inflation an Dynamik verlieren, wird es besonders spannend, wie lange EZB-Präsident Draghi seine expansive Geldpolitik fortsetzen wird.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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