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Das Eurokrisen-Gespenst ist zurück und sorgt für große Sorgenfalten unter der Anlegerschaft.

Eurokrise 2.0?

Konjunktur – Stimmung trübt sich ein

Aktienmarkt – Selektiv bleiben!

 

Autor: Johannes Flieckenschildt
Finanzmarkt aktuell per 1. Juni 2018
Johannes Flieckenschildt, Portfoliomanager

Johannes Flieckenschildt

Das Eurokrisen-Gespenst ist zurück und sorgt für große Sorgenfalten unter der Anlegerschaft. Dazu kommen weiter rückläufige Frühindikatoren in Europa. Gibt es also außer den sommerlichen Temperaturen wenig Grund zur Heiterkeit für die Anleger?

Eurokrise 2.0?

Für viele werden sich die Folgen der aktuellen politischen Entwicklung in Italien wie ein Déjà-vu anfühlen. Denn die Kombination aus Unsicherheit über den Ausgang möglicher Neuwahlen und Angst vor den angekündigten Maßnahmen der derzeit starken populistischen Parteien ist Gift für die Finanzmärkte. Bereits ab 2010 sorgten die hohen Schuldenstände der südeuropäischen Länder wie Griechenland und Italien für Stress bei den Investoren, was schließlich in der sogenannten „Eurokrise“ mündete. Dass sich das Schuldenproblem dieser Länder seitdem nicht wirklich gelöst hat, sondern die Symptome durch das Agieren der Europäischen Zentralbank (EZB) lediglich gelindert wurden, sah man deutlich in dieser Woche, als das Thema im Zuge der politischen Turbulenzen wieder in den Fokus der Anleger rückte. Der Renditeaufschlag, den Investoren fordern, um italienische Staatsanleihen zu halten, schoss in die Höhe. Nach wie vor weist Italien nämlich eine Staatsverschuldung von über 130 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf. Als Vergleich: Deutschlands Verschuldung zum BIP liegt bei knapp der Hälfte. Trotz aller Sorgen wäre es jedoch vorschnell, die nächste Eurokrise auszurufen. Zum einen sind die Sorgen der Finanzmärkte derzeit hauptsächlich auf Italien konzentriert. Zum anderen sollte der Möglichkeitsrahmen der EZB nicht unterschätzt werden. Denn schon während der Eurokrise konnte die EZB die Finanzmärkte beruhigen.

Konjunktur – Stimmung trübt sich ein

Abgesehen von den politischen Risiken aus Südeuropa treiben die Anleger und die EZB die zurückgehenden Frühindikatoren für die Konjunktur in Europa um. Überraschend positiv war zwar mit 2,5 Prozent das tatsächliche Wirtschaftswachstum der Eurozone im ersten Quartal. Nur deutet die anhaltende Eintrübung der Stimmung bei den Unternehmenslenkern, die sich in den Frühindikatoren widerspiegelt, darauf hin, dass keine weitere Wachstumssteigerung bevorsteht. Zumal das aufgeflammte „Italien-Risiko“ noch nicht in den aktuellen Unternehmensumfragen abgebildet ist, so dass eine weitere Eintrübung nicht ausgeschlossen werden kann. Aus unserer Sicht wird die EZB vor diesem Hintergrund den expansiven geldpolitischen Impuls aufrechterhalten, so dass die erste Erhöhung des Leitzinses wohl frühestens im Sommer nächsten Jahres vollzogen wird. Voraussetzung dafür ist selbstverständlich, dass die Probleme in Italien keinen Flächenbrand in Europa entfachen. Besseres lässt sich über die wirtschaftliche Entwicklung in den USA berichten. Die aktuellen Einzelhandelsumsätze belegen, dass die Kauflaune der Amerikaner ungebrochen ist. Das ist insofern positiv und wichtig, als das amerikanische Wachstum zu einem großen Teil vom Konsum abhängig ist. Dazu kommt, dass in den kommenden Quartalen die höheren Staatsausgaben und die Steuererleichterungen ihre positive Wirkung weiter entfalten sollten. Langfristig kann die höhere Staatsschuldenlast aber ohne Frage auch bei den Amerikanern zu wirtschaftlichen Problemen führen.

Aktienmarkt – Selektiv bleiben!

Abgeleitet aus der starken US-Volkswirtschaft lässt sich verstehen, warum es um die US-Unternehmen so gut bestellt ist. Der Staat senkt die Steuern, die Bürger konsumieren, und der Präsident versucht, „bessere Deals“ für heimische Unternehmen im internationalen Handel herauszuschlagen. Dass Letzteres Risiken für die Weltwirtschaft birgt, haben wir an dieser Stelle schon das ein oder andere Mal erwähnt und wird durch die neuen Zölle gegen verschiedene Handelspartner noch einmal untermauert. Trotz dieser fundamentalen Stärke der US-Unternehmen muss man aber darauf hinweisen, dass sie eher hoch bewertet sind. Anders sieht das in Europa aus. Ein Grund für die niedrigere Bewertung europäischer Unternehmen ist sicherlich, dass die fundamentale Verfassung nicht mit der seiner amerikanischen Pendants mithalten kann. Deswegen sehen wir es im aktuellen Umfeld als sinnvoll an, ein wenig die Handbremse anzuziehen und bei der Aktienauswahl sehr selektiv vorzugehen. Zudem schätzen wir das Chancen- und Risikoprofil des japanischen Aktienmarktes als attraktiv ein, so dass er aus unserer Sicht ein interessanter Bestandteil für ein breit aufgestelltes Wertpapierportfolio ist.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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