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Der digitale Euro kommt – aber bitte nicht erst in fünf Jahren!

Wirtschaft & Trends
März 2021

 

Autor: Jan Gengel
Jan Gengel ist Direktor der Weberbank und seit 2006 als Portfoliomanager im Bereich Vermögensverwaltung verantwortlich für das Rentenmanagement und die Kapitalmarktanalyse des Hauses. Als gelernter Bankkaufmann werden seine beruflichen Erfahrungen durch die akademischen Abschlüsse als Diplom-Volkswirt der Humboldt Universität zu Berlin, Certified European Financial Analyst (CEFA) und Certified International Investment Analyst (CIIA®) abgerundet.

Jan Gengel

Wenn wir der menschlichen und wirtschaftlichen Tragödie der Viruspandemie auch nur eine gute Sache abgewinnen möchten, dann ist es meiner Ansicht nach der Fortschritt der Digitalisierung. Wir beschäftigen uns seit Jahren mit dem digitalen Wandel und diskutieren über Themen wie die Industrialisierung 4.0. Die uns auferlegten Einschränkungen wirken jedoch wie ein gigantischer Beschleuniger. Mittlerweile sind nahezu alle Bereiche unseres Lebens und Handelns erfasst, auch die Art und Weise, wie wir zahlen. Spätestens seitdem die bisher bekannteste Digitalwährung – der Bitcoin – im vergangenen Jahr wieder erstaunliche Wertzuwächse erfahren und sich in zwölf Monaten mehr als verdreifacht hat, ist die Diskussion über einen digitalen Euro erneut entflammt.

Die Privatwirtschaft ist hier schon deutlich weiter. Neben den eher als Spekulationsobjekt statt Währungsersatz anzusehenden Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum steht vor allem der von Facebook entwickelte „Stable­coin“ Diem (ehemals Libra) im Fokus, der noch in diesem Jahr starten soll. China ist bei der Entwicklung einer digitalen Währung sogar bereits in der Erprobungsphase angelangt. Dafür wird derzeit in vier Städten, beispielsweise in Shenzhen, der Einsatz mit dem Ziel getestet, zu den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking einsatzbereit zu sein. China könnte damit eines der ersten Länder sein, die eine regulierte Digitalwährung in Umlauf bringen. In Europa sind wir dagegen noch im Frühstadium der Entwicklung. Die Europäische Zentralbank prüft in Kooperation mit der Europäischen Kommission Einsatz- und Umsetzungsmöglichkeiten eines digitalen Euro.

Doch was bedeutet eigentlich digitaler Euro? Gemäß der Beschreibung der EZB soll auch dieser ein normaler Euro sein, wie Münzen und Banknoten, aber in elektronischer Form. Im entscheidenden Unterschied zu Kryptowährungen soll er ebenfalls vom Eurosystem ausgegeben und reguliert werden und damit die gewohnte Sicherheit bieten. Der digitale Euro soll Bargeld nicht ersetzen, sondern ergänzen und Haushalten und Unternehmen als zusätzliche Zahlungsmöglichkeit zur Verfügung stehen. Zahlungen sollen durch ihn schneller, preiswerter und einfacher werden. Außerdem soll er unsere Unabhängigkeit von Zahlungsmitteln gewährleisten, die nicht im Euroraum ausgegeben werden, und damit unsere finanzielle Souveränität und Stabilität sichern – aus meiner Sicht ein besonders wichtiger Aspekt. Nur so können wir von der digitalen Währung auch unseren gewohnten Schutz der Privatsphäre erwarten. Dagegen ist gerade in China die Befürchtung noch größerer Kon­trolle durch eine Nachverfolgung der digitalen Zahlungsströme und deren Missbrauch hoch.

Ernüchternd wirkt jedoch der zeitliche Rahmen. Christine Lagarde, die Präsidentin der EZB, zeigte sich hoffnungsvoll, nicht mehr als fünf Jahre für die Einführung zu benötigen – im Digitalzeitalter eine Ewigkeit. Der Euro hat sich seit seiner Einführung als wichtige und stabile Währung etabliert, konnte jedoch leider als Reservewährung bisher nicht zum US-Dollar aufschließen. Umso wichtiger wäre es aus meiner Sicht, bei der Entwicklung und Einführung einer digitalen Währung Vorreiter und nicht Nachzügler zu sein und die Digitalisierung und Unabhängigkeit Europas zu fördern. Sehr erfreulich ist es, dass wir uns nicht mehr die Frage stellen müssen, ob wir eine Digitalwährung erhalten, sondern nur noch, wann.

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