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Wie geht es nun weiter?

Bullen vs. Bären

Ist China eine Blaupause für den Rest der Welt?

Aktienmärkte oszillieren zwischen Hoffnung und Sorge

 

Autorin: Hannah Thielcke
Finanzmarkt aktuell per 30. April 2020
Hannah Thielcke, Portfoliomanagerin

Wie geht es nun weiter? Diese Frage beschäftigt derzeit uns alle. Zwischen ersten Lockerungen der Beschränkungen innerhalb Deutschlands, gleichzeitigen Warnungen vor einem erneuten Anstieg der Covid-19-Infektionen und weiterhin schlechten Wirtschaftsnachrichten, soweit das Auge reicht – diese Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell“ fasst die wichtigsten Ereignisse zusammen.

Bullen vs. Bären

In der Börsensprache ist oft von Bullen und Bären die Rede. Dabei verkörpert der Bulle den Optimisten und der Bär den Pessimisten. Diese gegensätzlichen Blickwinkel gibt es bei jedem Thema – ob privat, in der Wirtschaft oder Politik. Während unter den Virologen nach wie vor mahnende Stimmen die Überhand haben, sind an den Kapitalmärkten aktuell schon wieder die Bullen obenauf. Die Diskussion, ob wir uns aktuell nur in einer zwischenzeitlichen Verschnaufpause oder bereits in einer nachhaltigen Erholungsphase nach dem Höhepunkt der Coronakrise befinden, wird nun bereits seit Wochen geführt. Beide Lager haben starke Argumente: So stabilisieren sich in vielen Teilen der Welt mittlerweile die Infektionszahlen oder gehen teilweise bereits zurück. Die Ankündigungen erster Lockerungsmaßnahmen häufen sich und stimmen zuversichtlich, dass das Schlimmste nun überstanden ist. Regierungen wie Zentralbanken handelten bereits schnell und großzügig. Sie befinden sich nach wie vor im whatever-it-takes-Modus.

Gleichzeitig stellt sich mehr und mehr die Frage: Wird das ausreichen? Der Stillstand kompletter Volkswirtschaften rund um den Globus, der für Wochen und Monate anhält, kennt keine historischen Vorbilder. Vor allem deshalb ist die Lage für Ökonomen so schwer in volkswirtschaftlichen Prognosen ausdrückbar. Das zeigen auch die ständigen Korrekturen in den letzten Wochen. So gab das französische Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal 2020 um 5,4 Prozent nach, während die Schätzungen im Durchschnitt lediglich bei -3,6 Prozent gelegen hatten. Das BIP in den USA schrumpfte im gleichen Zeitraum um 4,8 Prozent. Damit findet der längste wirtschaftliche Aufschwung der US-Historie ein jähes Ende. Auch die ersten erschreckend niedrigen Zahlen der Frühindikatoren treffen nach und nach ein. So brach der ifo-Geschäftsklimaindex, ein Frühindikator für die Konjunkturentwicklung in Deutschland, im April auf ein historisches Tief ein. Das Verbrauchervertrauen in den USA verzeichnete ebenfalls einen Rekordrückgang. Auch der durch die Europäische Kommission veröffentlichte Indikator der wirtschaftlichen Einschätzung für Europa fiel auf 67 Prozent des langfristigen Durchschnitts und befindet sich damit auf Finanzkrisen-Niveau. Ein Blick in die Innenstädte in diesen ersten Tagen seit der Wiederöffnung bestätigt das Bild, dass Verbraucher sich zurückhaltend zeigen.

All diese Puzzleteile deuten darauf hin, dass die wirtschaftlichen Verluste bis Juni 2020 immens sein werden, da sind sich mittlerweile fast alle einig. Die wichtigere Frage ist jedoch: Wie sieht eine Erholungsbewegung aus? Sollten die Lockdowns weltweit länger andauern und zunehmend auch den internationalen Handel behindern, wird eine Beschleunigung des wirtschaftlichen Abschwungs und eine verlangsamte Erholungsbewegung auch durch erhöhte fiskal- und geldpolitische Maßnahmen nicht zu verhindern sein. Die Gefahr einer zweiten Infektionswelle schwebt dabei wie ein Damoklesschwert über uns.

Ist China eine Blaupause für den Rest der Welt?

In China ist in der Zwischenzeit gemäß den offiziell gemeldeten Daten nach einem kontinuierlichen Rückgang der Corona-Infektionszahlen der Übergang in eine neue Normalität angelaufen. Nahezu alle Produktionskapazitäten sind zu 100 Prozent Auslastung zurückgekehrt, die Bewegungsfreiheit wurde wiederhergestellt und Geschäfte sowie Restaurants haben geöffnet. Demgegenüber steht jedoch eine stockende Nachfrage. Chinesische Verbraucher zeigen sich weiterhin zurückhaltend und meiden insbesondere öffentlichen Personennah- und Flugverkehr. Auch die Investitionen hinken im Erholungstrend hinterher. Zusätzlich stagniert die internationale Nachfrage nach chinesischen Exportgütern. Diese Faktoren verhindern eine schnelle Erholung des Arbeitsmarktes und lasten auf der Konsumstimmung.

Die Sorge vor einer zweiten Welle treibt Regierung, private Verbraucher und Unternehmen gleichermaßen um. Daher werden viele Vorkehrungen getroffen, die das öffentliche und private Leben in rasanter Geschwindigkeit stark verändern – beispielsweise mit der Maskenpflicht auch in Deutschland mittlerweile Realität. Der Blick nach China zeigt uns, dass eine Rückkehr zu unserer zuvor gekannten Normalität ein weiter Weg sein wird. Dass die vielen neuen Regeln bald schon wieder der Vergangenheit angehören, wird immer unwahrscheinlicher. In den meisten anderen Schwellenländern ist das volle Ausmaß des Coronavirus aktuell noch viel weniger abschätzbar. Das Fehlen weitreichender Tests sowie der erschwerte Zugang zu Wirtschaftsdaten machen eine Einschätzung der Lage nahezu unmöglich. Wir raten daher weiterhin zur Vorsicht. Vor allem Staatsanleihen von Schwellenländern sind aus unserer Sicht im aktuellen Umfeld nicht attraktiv.

Aktienmärkte oszillieren zwischen Hoffnung und Sorge

Die Schwankung der täglichen Kursbewegungen an den Aktienmärkten, die bisher stark von der Entwicklung der Covid-19 Fallzahlen abhängt, geht zwar zurück, befindet sich jedoch nach wie vor im Krisenmodus. Seit mehreren Wochen pendeln die Märkte in einer Seitwärtsbewegung im Ringen zwischen Bären und Bullen. Letztere scheinen auf eine schnelle wirtschaftliche Erholung und lediglich kurzfristige Beeinträchtigungen zu setzen. Pessimisten weisen hingegen auf die radikalen Umbrüche hin, mit denen Unternehmen konfrontiert sind. Passenderweise kommt die Berichtssaison, in der Unternehmen das erste Quartal resümieren, nun zunehmend in Fahrt. Damit erhalten wir einen ersten Hinweis, wie sich die Coronakrise auf die Gewinne der Unternehmen auswirkt und sollten uns durchaus auf Überraschungen gefasst machen. In den USA enttäuschten bisher vor allem Energie- und Bankentitel. Branchenübergreifend schlagen bisher Gewinnrückgänge von 15 Prozent zu Buche. In diesem Zusammenhang prognostizieren Analysten Dividendenkürzungen oder sogar -streichungen bei rund 50 Prozent der Unternehmen, wobei insbesondere Branchen wie Banken, Industrie und zyklischer Konsum betroffen sein werden. Wir setzen daher weiterhin auf defensive Titel wie Pharma, Technologie, Telekommunikation und nicht-zyklischen Konsum. Insgesamt bleiben die Unternehmen mit ihren Prognosen für das kommende Jahr vorsichtig und korrigieren ihre Jahresausblicke weiter nach unten, da die Entwicklungen kaum abschätzbar sind. Die Unsicherheit bleibt also für die nähere Zukunft nicht nur im Privaten, sondern auch in Wirtschaft und Politik außergewöhnlich hoch.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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