Aktien: Ist die Party jetzt vorbei?

Zinssenkungen: aus 6 mach‘ 1?

Aktien: Ist die Party jetzt vorbei?

 

 

Autor: Daniel Schär
Finanzmarkt aktuell per 26. April 2024
Daniel Schär, Direktor Leiter Portfoliomanagement

Daniel Schär

Erstmals seit vielen Monaten haben die Kapitalmärkte einen Gang heruntergeschaltet, und die Stimmung unter Kapitalmarktteilnehmenden hat sich eingetrübt. Was die Auslöser sind, und wie wir das aktuelle Umfeld an den Börsen einschätzen, lesen Sie in der neuesten Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell“.

Zinssenkungen: aus 6 mach‘ 1?

Zum Jahresende 2023 kannte die Euphorie unter den Volkswirtinnen und Volkswirten kaum Grenzen. Dynamisch sinkende Inflationsraten beflügelten die Hoffnung auf schnelle und deutliche Zinssenkungen im Jahr 2024. In den USA wurden sogar sechs Zinssenkungen von je 0,25 Prozentpunkten erwartet. Nachdem nun ein Drittel des neuen Jahres hinter uns liegt, fällt die Bilanz ernüchternd aus, und es macht sich Enttäuschung breit. Der Rückgang der Inflationsraten hat deutlich an Dynamik verloren. Schaut man in den USA nur auf die letzten drei Monate, so kann man überrascht feststellen, dass die Inflation sogar wieder ansteigt und mit 3,5 Prozent auf Jahresbasis ein Niveau erreicht hat wie zuletzt im Spätsommer 2023. Hinzu kommt, dass sich die Wirtschaft in den USA gut entwickelt und die Wachstumserwartungen in diesem Jahr nach oben angepasst wurden. Die Entwicklungen engen den Spielraum der US-Notenbank deutlich ein. In diesem Umfeld deutliche Zinssenkungen durchzuführen, wäre grob fahrlässig. Erste Stimmen diskutieren gar wieder über Zinserhöhungen. Der Konsens erwartet nur noch einen Zinssenkungsschritt in diesem Jahr. Die aktuelle Markterwartung ist in unseren Augen deutlich realistischer als die sechs Zinsschritte zu Jahresbeginn. Wir hatten die Euphorie nie geteilt und immer von einem Zinsplateau und nicht von einem Gipfel gesprochen, der nach dem Hoch steil bergab geht. Im Euroraum besteht aufgrund des schwächeren Wirtschaftswachstums dagegen für die Europäische Zentralbank mehr Spielraum, sowohl früher als auch deutlicher zu agieren. Zwar hellt sich auch hier das Wirtschaftsbild langsam auf, wie die aktuellen Umfragen unter Einkaufsmanagern signalisieren, die Dynamik der Konjunkturentwicklung ist aber weiterhin schwach. In Europa wird für 2024 ein Wirtschaftswachstum von unter 1 Prozent, in Deutschland sogar unter 0,5 Prozent erwartet. Wir rechnen im Juni mit dem Beginn der Zinssenkungen im Euroraum und zwei weiteren Schritten im zweiten Halbjahr. Die US- und die Europäische Notenbank haben gemein, dass sie sich in einem sehr fragilen Umfeld bewegen. Die Sorge vor einem Zurückkehren hoher Inflationsraten analog der 70er Jahre ist hoch. Vorsichtiges Fahren auf Sicht ist angeraten.

Aktien: Ist die Party jetzt vorbei?

Der Aktienmarkt kannte in den vergangenen Monaten nur eine Richtung – aufwärts. Die Aussicht auf baldige Zinssenkungen gepaart mit einer sich stabilisierenden Wirtschaft und viel Phantasie um das Thema Künstliche Intelligenz waren der ideale Nährboden für Kurssteigerungen und neue Höchststände. Neue geopolitische Spannungen in Nahost sowie das Ausbleiben schneller Zinssenkungen haben nun jedoch die Stimmung eingetrübt und die lange überfällige Konsolidierung an den Aktienmärkten eingeleitet. Wir sind jedoch der Meinung, dass es sich nur um eine vorübergehende Phase schwacher Börsen handelt. Zu stark sind nach wie vor die fundamentalen Daten, die die Unternehmen berichten. Wir befinden uns aktuell mitten in der Berichtssaison zum ersten Quartal 2024. Bisher sind die veröffentlichten Daten zur Gewinn- und Umsatzentwicklung besser als ursprünglich von Analysten erwartet. Für das Gesamtjahr 2024 wird für internationale Aktien weiterhin ein Wachstum der Unternehmensgewinne von 9 Prozent erwartet, was im historischen Vergleich überdurchschnittlich ist. Wir würden folglich nicht dem alten Börsenspruch „Sell in May and go away“ folgen. Für diejenigen, die sich fragen, ob es sich aktuell noch zu investieren lohnt oder ob man doch lieber noch etwas warten sollte, haben wir einmal nachgerechnet: Hätte man seit 1971 jedes Jahr mit viel Glück 1.000 Euro in den MSCI-World-Aktienindex zum Jahrestiefstkurs investiert, hätte man im Durchschnitt eine Rendite von 7 Prozent p.a. erzielt. Hätte man hingegen jedes Jahr zum Jahreshöchstkurs investiert läge die Rendite bei 6,5 Prozent p.a. Viel wichtiger als die Spekulation auf den optimalen Einstiegszeitpunkt ist somit die Entscheidung, regelmäßig und langfristig zu investieren.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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