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Während sich der US-Wahlkampf in den Endspurt begibt, setzen sich die Marathon-Verhandlungen um den Brexit fort.

250% Wachstum! US-Wähler stürmen an die Wahllokale.

Rücksetzer für Investitionen nutzen!

Gefahr einer kurzfristigen Korrektur, aber mittelfristig bleiben wir positiv.

 

Autor: Sascha Rehbein
Finanzmarkt aktuell per 23. Oktober 2020
Sascha Rehbein, CFA, Portfoliomanager

Sascha Rehbein

Während sich der US-Wahlkampf in den Endspurt begibt, setzen sich die Marathon-Verhandlungen um den Brexit fort. Überschattet werden diese beiden politischen Risiko-Events allerdings von der angespannten Gesundheitslage in Europa. Unsere Einschätzung dazu lesen Sie in der heutigen Ausgabe von Finanzmarkt aktuell.

250% Wachstum! US-Wähler stürmen an die Wahllokale.

Selten hat eine US-Wahl so stark polarisiert wie die diesjährige. Die Gesellschaft ist von Wahl zu Wahl zunehmend stärker gespalten worden, und die vergangenen dreieinhalb Jahre unter Präsident Trump haben erwartungsgemäß diesen Trend weiter beschleunigt. Seit Beginn seiner Präsidentschaft hat das Volk seinen Unmut in diversen Protestwellen auf die Straße gebracht, wie z.B. die „#MeToo“- und „Black Lives Matter“-Bewegungen gezeigt haben. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die Wahlmotivation unglaublich hoch ist. Es haben bereits über 37 Millionen Amerikaner ihre Stimme abgeben, dies entspricht in etwa 25% der erwarteten 150 Millionen Wähler. Gegenüber dem gleichen Zeitpunkt vor vier Jahren entspricht das aktuell einem Anstieg von über 250%! Natürlich ist dieser Umstand auch auf die angespannte Gesundheitslage zurückzuführen, da viele Wähler aus Sorge vor der Ansteckungsgefahr auf Briefwahl zurückgreifen. Die USA sind aktuell mitten in der dritten Corona-Welle, und diese verhindert eine weitere Öffnung der Wirtschaft. Daher erwarten wir nach der starken Erholungsbewegung der vergangenen drei Monate eine enttäuschende Entwicklung für das aktuell laufende Schlussquartal. Auch in Europa steht erneut das Coronavirus im Fokus der Politik. Aufgrund der gestiegenen Neuinfektionen sind in diversen Ländern neue Beschränkungen eingeführt worden. Dies geht einher mit einer erhöhten Auslastung der Intensivbetten in den Krankenhäusern, wobei in Deutschland die Lage noch relativ entspannt erscheint. Allerdings haben wir aus dem letzten halben Jahr einiges an neuen Erfahrungen dazugewonnen und werden somit zunehmend skeptischer – nicht nur für die europäische, sondern auch für die deutsche Wirtschaft. Natürlich werden die jeweiligen Politiker regionale Ausgangsbeschränkungen bevorzugen, aber ein Fortsetzen des aktuellen Trends läuft Gefahr, in umfangreiche Lockdowns zu münden.

Rücksetzer für Investitionen nutzen!

Dieser düstere Ausblick könnte den ein oder anderen bereits in Panik versetzen, aber wir raten, dies als Opportunität zu verstehen. Denn eine weitere wichtige Erkenntnis, nicht nur aus der Coronakrise, ist die Bereitschaft der Geldpolitik und mittlerweile auch von Seiten der Fiskalpolitik, massive Interventionen durchzuführen und somit die Wirtschaft zu stabilisieren. Das unterstützt die Kapitalmärkte. Für unsere Rentenportfolios bedeutet das, die Satellitenmärkte stärker zu favorisieren. Das heißt zum Beispiel bei allgemeiner Risikoaversion die aktiennahen Wandelanleihen zu erhöhen, da diese klassischerweise einen hohen Technologiefokus ausweisen und somit die Krisengewinner überzugewichten. Des Weiteren würden wir unser Engagement in Schwellenländeranleihen, insbesondere mit Fokus auf Asien, weiter ausbauen. Die asiatischen Länder haben im Kampf gegen das Coronavirus eine deutlich robustere Gegenwehr aufgezeigt, wie zuletzt die chinesischen Wachstumszahlen eindrucksvoll bewiesen haben. Aber auch im Rentenkernmarkt sehen wir Möglichkeiten, von potentiellen Rücksetzern zu profitieren. Die Europäische Union hat mit ihrem 750 Mrd. Euro schweren Rettungspaket ihre Bereitschaft zur Stabilität der Region unterstrichen und somit eine teilweise Vergemeinschaftung der Schulden durchgewinkt. Entsprechend empfehlen wir eine Beimischung südeuropäischer Staatsanleihen wie zum Beispiel aus Italien oder Spanien.

Gefahr einer kurzfristigen Korrektur, aber mittelfristig bleiben wir positiv.

Auch am Aktienmarkt gilt die gleiche Logik – Rücksetzer am Markt erhöht unseren Risikoappetit. Die umfangreichen geld- und fiskalpolitischen Interventionen haben eine V-förmige Erholung nach der ersten Coronawelle ermöglicht, und dieses Muster sollte sich aus unserer Sicht wiederholen. Unterstützend kommt hinzu, dass sich die Unternehmen in der aktuell laufenden Berichtssaison positiver zum Geschäftsausblick äußern. Auch die Analystenmeinungen scheinen sich zu drehen. Die Gewinnerwartungen sowohl für amerikanische als auch europäische Unternehmen werden zunehmend optimistischer gesehen. Auch von Seiten der Politik kann vorsichtiger Optimismus ausgemacht werden. Die Brexit-Verhandlungen wurden wieder aufgenommen und mit einer neuen Deadline per Mitte November versehen. Die EU hat zur Finanzierung des Hilfsprogramms erste Anleihen in Höhe von 17 Milliarden am Kapitalmarkt begeben – von Investoren wurden 233 Milliarden nachgefragt! Dieses hohe Investoreninteresse zeigt, dass die Angst vor einer zweiten europäischen Schuldenkrise quasi verflogen ist. In der US-Politik zeichnet sich ebenfalls ein vorsichtiges Annähern der Parteien hinsichtlich eines umfangreichen Hilfsprogramms ab. Zwar wird eine Abstimmung voraussichtlich erst nach den Wahlen stattfinden, aber eine Bereitschaft dem US-Konsumenten, unter die Arme zu greifen, ist hoch. Somit blicken wir natürlich sorgenvoll auf die dramatische Entwicklung der Neuinfektionszahlen, beabsichtigen gleichzeitig die Opportunitäten am Kapitalmarkt zu nutzen.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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