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Neue Allzeithochs trotz Delta-Sorgen?

Kommen die nächsten Lockdowns?

Neue Allzeithochs trotz Delta-Sorgen?

Wie nachhaltig ist der Inflationsanstieg?

 

Autor: Sascha Rehbein
Finanzmarkt aktuell per 23. Juli 2021
Sascha Rehbein, CFA, Portfoliomanager

Sascha Rehbein

An den Kapitalmärkten ging es dieser Tage heiß her! Aufgeschreckt von der Ausbreitung der Delta-Variante, haben Wachstumssorgen die Aktien- und Rentenmärkte auf eine Achterbahnfahrt mitgenommen. Wie wir die aktuellen Bewegungen einschätzen und in unsere Portfolioentscheidungen einbeziehen, lesen Sie in der neuen Ausgabe von Finanzmarkt aktuell.

Kommen die nächsten Lockdowns?

Wenn man rein die Neuinfektionen in einzelnen Länder betrachtet, so kann einem wieder Angst und Bange werden. In Großbritannien ist die Dynamik besonders auffällig und wohl zu großen Teilen auf die vor kurzem stattgefundene Fußball-Europameisterschaft zurückzuführen. Aber auch bei den bisherigen Musterschülern in Südost-Asien, wie z.B. in Thailand oder Malaysia, verschärft sich die Lage zunehmend. Aus unserer Sicht ist der Blick allein auf die Neuinfektionszahlen mittlerweile jedoch zu kurz gegriffen. In der westlichen Welt sind die jeweiligen Impfprogramme relativ weit fortgeschritten. So ist in Großbritannien über die Hälfte der Bevölkerung vollständig geimpft, während die restlichen großen europäischen Länder sowie die USA nur knapp unter der 50er Marke liegen. Zusätzlich kann man die Genesenen hinzurechnen und berücksichtigen, dass die gesundheitlich Schwächsten zu großen Teilen den Impfschutz erhalten haben. Somit erklärt sich, warum in Großbritannien trotz des massiven Anstieges der Neuinfektionen die Situation in den Krankenhäusern im Vergleich zur vorherigen Infektionswelle deutlich entspannter ist. Umfangreiche neue Lockdowns in Europa und den USA, die das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben erneut massiv beeinträchtigen, sind somit nicht unser Basisszenario. Das Lockdown-Szenario und somit aus unser Sicht ein Randrisiko könnte allerdings mit einer neuen Mutation eintreten, die im schlimmsten Fall den aktuellen Impfschutz unterminiert.

Neue Allzeithochs trotz Delta-Sorgen?

Auch der Aktienmarkt scheint in großen Teilen unser Einschätzung zu folgen, da die Delta-Ängste nur von kurzer Dauer waren und der zwischenzeitliche Kurseinbruch von einer starken Gegenbewegung abgelöst wurde. Die aktuell laufende Berichtssaison sollte hierfür mitverantwortlich sein. In den USA haben mittlerweile knapp 20% der Unternehmen berichtet, und man kann bereits ablesen, dass sich der positive Trend der Vorquartale weiter fortsetzt. Insbesondere die Gewinnüberraschungen stechen hierbei erneut hervor und bestätigen somit unsere optimistische Aktienmarkteinschätzung. Trotz der hohen Bewertungen, z.B. ablesbar am Kurs-Gewinn-Verhältnis, bevorzugen wir weiterhin US-Engagements und hierbei insbesondere den Technologiesektor. Die Innovationskraft und Margenstärke sind nur zwei von einer Vielzahl von Argumenten, die für diesen Sektor sprechen. In der aktuellen Berichtssaison haben wir beobachtet, dass viele Unternehmenslenker zunehmend über einen Preisanstieg von Rohstoffen und Vorprodukten klagen. Dies betrifft insbesondere Unternehmen, welche geringe Margen erzielen und steigende Kosten nicht an ihre Kunden weitergeben können, was unsere Präferenz für den Technologiesektor ebenso unterstreicht.

Wie nachhaltig ist der Inflationsanstieg?

Nicht nur die Unternehmenslenker spüren den Preisanstieg – auch die Konsumenten, insbesondere in den USA. Die Verbraucherpreise sind dort zuletzt um 5,4 Prozent angestiegen und schüren Ängste eines langanhaltenden Überschießens der Inflation. Ein genauer Blick hilft, um hierfür ein besseres Verständnis zu entwickeln: Für den heftigen Anstieg sind maßgeblich drei Segmente verantwortlich. Die Energiepreise sind im Vergleich zum Vorjahr um knapp 25% angestiegen. Das wundert allerdings nicht, da vor einem Jahr der Ölpreis einen massiven Preisrutsch erlebt hat. Das zweite Segment geht auf die Wiedereröffnung der US-Wirtschaft zurück. Übernachtungen, Flüge und Bekleidungsartikel sind wieder stark nachgefragt und steigen dementsprechend im Preis. Das dritte Segment geht auf Probleme der Automobilproduktion zurück. Aufgrund eines Mangels an Halbleiterchips mussten die Autobauer ihre Produktionskapazitäten drastisch reduzieren und konnten somit die hohe Nachfrage der Konsumenten nicht bedienen. Diese sind dementsprechend auf Gebrauchtwagen umgestiegen und haben die Preise um zuletzt 45% ansteigen lassen! Diese Sonderfaktoren sind maßgeblich auf die Corona-Krise zurückzuführen und aus unserer Sicht keine strukturellen oder nachhaltigen Preistreiber. Die Notenbanker schließen sich dieser Einschätzung an, so dass die US-Notenbank Fed ihren geldpolitischen Normalisierungskurs vorsichtig fortsetzen und voraussichtlich um den Jahreswechsel herum ihr Anleihekaufprogramm schrittweise reduzieren wird. Die EZB hat hingegen auf der gestrigen Sitzung quasi bestätigt, dass die expansive Geldpolitik sich noch über die kommenden Jahre fortsetzen wird. Ihr neues Inflationsziel, welches ein phasenweises Überschießen der Inflation zumindest zwischenzeitlich toleriert, wird der EZB erlauben, langfristig die Zinsen auf dem aktuellen Niedrigzinsniveau zu halten. Die Renditen der deutschen Bundesanleihen haben ihren Abwärtstrend somit weiter fortsetzen können. Wir präferieren im Umfeld von negativen Renditen weiterhin Kreditrisiken gegenüber Zinsrisiken und empfehlen Unternehmensanleihen von niedriger Bonität. In einem globalen Wachstumsumfeld sollten sich fundamentale Kennzahlen dieser Unternehmen deutlich verbessern und zu Kurssteigerungen führen.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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