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Sachwerte weiter attraktiv

Wirtschaftsaufschwung und Lieferengpässe treiben Preise an
Notenbankpolitik im Blickpunkt
Sachwerte im aktuellen Umfeld weiter attraktiv

 

Autor: Alexander Lukas
Finanzmarkt aktuell per 21. Mai 2021
Alexander Lukas, CFA

Alexander Lukas

Die Weltwirtschaft kommt mit Volldampf aus der Coronakrise, und durch die Lockerungen – nun endlich auch in Europa – wird die Erholung weiter angeschoben. Die Auftragsbücher der Unternehmen sind gut gefüllt. Aber jetzt werden die Rohstoffe knapp, und auf einmal steigen auch die Verbraucherpreise spürbar. Was das mit Zahnpasta zu tun hat, darum geht es unter anderem in der heutigen Ausgabe der Finanzmarkt aktuell.

Wirtschaftsaufschwung und Lieferengpässe treiben Preise an

Inflation ist der Anstieg des Preisniveaus. Für die Statistiker und Volkswirte ist die Inflationsrate eine recht abstrakte Zahl, abgeleitet aus einem Warenkorb voller Güter und Dienstleistungen, die der Durchschnittsverbraucher zum Leben benötigt. Laut gängiger Ökonomenmeinung ist eine leichte Inflation erwünscht. Die Europäische Zentralbank strebt eine Teuerung nahe bei, jedoch unterhalb von zwei Prozent an. Doch für den Konsumenten ist Inflation mehr ein Gefühl und ein Ausdruck der eigenen Lebensumstände, etwa weil der Supermarkteinkauf teurer geworden ist oder der Handwerker. In diesen Teilbereichen ist die Preissteigerung oftmals höher als zwei Prozent. Das Wort „Inflation“ löst zudem bei vielen ein ungutes Gefühl aus. Zu tief sind im kollektiven deutschen Gedächtnis die Bilder der Hyperinflation verankert, die im Jahr 1923 ihren Höhepunkt erreichte und zu einem weitgehenden Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft führte. In letzter Zeit häufen sich nun die Schlagzeilen, dass die Inflation wieder steigt. Sie könnte in Europa die Marke von nicht nur zwei, sondern sogar drei Prozent übersteigen, zumindest kurzfristig, so die EZB-Direktorin Isabel Schnabel. In den USA, wo die Wirtschaftserholung schon weiter vorangeschritten ist als in Europa, wurde eine Teuerungsrate von zuletzt über vier Prozent gemeldet. Das war der höchste Wert seit 13 Jahren. Uns wundert das angesichts der Knappheit vieler Rohstoffe wie Halbleiter, Stahl und Holz nicht. Die Preise hierfür steigen schon seit geraumer Zeit. Ein Preistreiber waren in den USA interessanterweise auch Gebrauchtwagen, da hier die Nachfrage besonders hoch ist. Grund dafür sind die weltweiten Chipengpässe, die zu Produktionsstörungen und Lieferunterbrechungen von Neuwagen geführt haben.

Notenbankpolitik im Blickpunkt

Der frühere Bundesbankpräsident Karl-Otto Pöhl verglich Inflation mit Zahnpasta: „Ist sie erst mal heraus aus der Tube, bekommt man sie kaum mehr rein. Das Beste ist, nicht zu fest auf die Tube zu drücken.“ Wir erwarten allerdings, dass die erhöhten Inflationsraten nur ein vorübergehender Effekt sind. Dieser ist zurückzuführen auf einen überraschend starken Nachfrageschub und Basiseffekten aufgrund der coronabedingten massiven Einschränkungen im Vorjahr. Vor einem Jahr, im ersten Lockdown, stand die Wirtschaft in vielen Regionen quasi still, die Nachfrage war eingebrochen, Rohstoffpreise kräftig gefallen. Sobald die Engpässe aber behoben sind und auch die Basiseffekte abebben, sollte sich die Inflation aus unserer Sicht wieder beruhigen. Das kann natürlich noch einige Quartale dauern. Aber es gibt auch deutlich mahnende Worte. Denn die Zentralbanken drücken fest auf die Tube, um im Bild zu bleiben, und das schon seit vielen Jahren. In Folge der Pandemie wurde das Tempo sogar noch deutlich erhöht. Nullzinspolitik und die gigantischen Anleihenkaufprogramme – all das muss und wird irgendwann von den Zentralbanken wieder zurückgeführt werden. Hierfür hat sich der Begriff „Tapering“ etabliert. Die US-Notenbank Fed hat hierfür bereits eine am Zustand des Arbeitsmarkts orientierte Richtschnur gegeben. Doch in welcher Weise und in welchem Tempo das Tapering in Europa geschehen wird, darüber herrscht noch weitestgehend Rätselraten. Die Notenbanker stehen vor dem Dilemma, dass sie einerseits die Geldstabilität gewährleisten müssen, andererseits aber das Zinsniveau niedrig halten wollen. Sollte die Höhe der Inflation also längerfristig kritische Niveaus erreichen, könnte sie entsprechende restriktive Maßnahmen ergreifen und somit die Wirtschaftserholung abschwächen.

Sachwerte im aktuellen Umfeld weiter attraktiv

Infolgedessen strahlt die Diskussionen über das Tapering in alle Anlageklassen aus. Von Aktien über Anleihen bis zu Edelmetallen und Immobilien: Viele Vermögenswerte haben von der ultralockeren Geldpolitik über Jahre hinweg sehr profitiert. Daher stellt sich im aktuellen Umfeld verstärkt die Frage, wie auf steigende Inflationsraten und befürchtete restriktive Geldpolitik der Notenbanken im Portfolio reagiert werden muss. Unsere Antwort ist zum Beispiel, den Anteil inflationsgeschützter Anleihen im Rentendepot zu erhöhen. Sachwerte wie Aktien sind ebenfalls weiter interessant. Wenn die Preise steigen, profitieren Unternehmen in der Regel davon. Dies gilt vor allem, wenn gleichzeitig die Wirtschaft brummt, wie wir es gerade sehen. Die Auftragsbücher in vielen Branchen sind jedenfalls wieder gefüllt, so dass die Lieferanten der Vorprodukte oftmals nicht hinterherkommen. Das zeigt sich auch in den Gewinnsteigerungen, die die Unternehmen aktuell aufweisen. Ein Großteil der US-Unternehmen hat den Corona-Einbruch aus dem Jahr 2020 schon längst hinter sich gelassen und ist wieder auf Wachstumskurs. Europäische Aktien hinken in ihrer Gewinnentwicklung zeitlich etwas hinterher. Aber auch diese weisen – mit dem Wirtschaftswachstum im Einklang – bereits eine deutliche Erholung auf. Bankaktien, zyklische Konsumwerte oder auch Rohstoff-Unternehmen sind derzeit einige unserer Favoriten. Letztere profitieren nicht nur vom Rohstoffhunger Chinas, sondern zunehmend von der globalen Wirtschaftserholung, den Infrastrukturprogrammen und den durch die Lieferengpässe stark gestiegenen Rohstoffpreisen.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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