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China dominiert das Marktgeschehen

Hohe Einkommen im Visier der chinesischen Regierung

Divergierende Notenbankpolitik

Weiter, immer weiter

 

Autor: Bastian Ernst
Finanzmarkt aktuell per 20. August 2021
Bastian Ernst, Portfoliomanager

Bastian Ernst

Nachdem die chinesische Regierung den heimischen Aktienmarkt durch regulatorische Eingriffe auf Talfahrt geschickt hat, geraten die Börsen nun weltweit zunehmend ebenfalls unter Druck. Unsere Einschätzung der gegenwärtigen Situation lesen Sie in der neuen Ausgabe von Finanzmarkt aktuell.

Hohe Einkommen im Visier der chinesischen Regierung

Lange Zeit setzte die chinesische Regierung darauf, ein möglichst hohes Wirtschaftswachstum zu erzielen. Allerdings konnte bisher lediglich ein kleiner Teil der Bevölkerung überproportional von diesem Wachstum profitieren. So liegt die Einkommensungleichheit in China auf einem vergleichbaren Niveau mit den USA und deutlich oberhalb der Europas. Nun versuchen die Regierungsverantwortlichen in Peking, dieses Problem zu lösen und die gesamte Bevölkerung profitieren zu lassen. In der Sitzung der Finanz- und Wirtschaftskommission seiner Partei versprach Staatspräsident Xi Jinping am Dienstag, dass man „exzessiv hohe Einkommen“ künftig regulieren und vernünftig anpassen werde und reiche Unternehmen dazu animiere, mehr an die Gesellschaft zurückzugeben. Die chinesische Führung fordert damit eine Umverteilung von Vermögen, eine Systemfrage scheint jedoch unwahrscheinlich. Der Beschluss der kommunistischen Partei besagt, dass man die Bevölkerung weiterhin ermutigen wolle, durch harte Arbeit und Innovation reich zu werden. Jedoch sollen diese Erfolgreichen verstärkt dabei helfen, dass auch andere reich werden. Konkrete Maßnahmen hat die chinesische Regierung bisher nicht verkündet. Im Raum stehen allerdings die Einführung einer Erbschaftssteuer, einer Kapitalertragssteuer sowie einer Besteuerung von Immobilienerträgen. Erste Unternehmen sind dem Aufruf bereits gefolgt. So gab der Internetkonzern Tencent am Mittwoch bekannt, umgerechnet rund 130 Millionen Euro für Bildungsprojekte, Gesundheitsförderung sowie die Förderung ländlicher Regionen zu spenden. In Folge der Nachrichten setzten chinesische Aktien ihren Negativtrend fort, und auch Aktien einiger Branchen in den entwickelten Volkswirtschaften reagierten mit roten Vorzeichen. Besonders betroffen sind Hersteller von Luxusartikeln sowie Autos. Diese erzielen einen Großteil ihrer Umsätze im Reich der Mitte und profitierten in den vergangenen Jahren vom gestiegenen Wohlstand der chinesischen Konsumenten. Da derzeit unklar ist, welche konkreten Auswirkungen die geplanten Maßnahmen haben werden, verkauften die Investoren diese Aktien. Sofern die Maßnahmen der chinesischen Regierung dazu führen, dass die obere Mittelschicht wächst, könnten diese Unternehmen jedoch gar profitieren.

Divergierende Notenbankpolitik

Während sich die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve (FED) darauf vorbereitet, ihre ultralockere Geldpolitik zu verlangsamen, steht die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin auf dem geldpolitischen Gaspedal. Die FED diskutiert derzeit intensiv über den Zeitplan für eine geldpolitische Normalisierung. Diese „Tapering“-Diskussionen werden vom Markt eng verfolgt, führten sie letztmalig im Jahr 2018 doch dazu, dass die Kapitalmärkte deutlich korrigierten. Wir erwarten nicht, dass die Fed bereits im laufenden Jahr eine Reduktion ihrer Anleihekäufe vornehmen wird, sondern erst Anfang 2022 hiermit beginnt. Eine Anhebung der Leitzinsen scheint erst in den Jahren 2023 bis 2025 realistisch. Die EZB dagegen hat jüngst ihre Strategie überprüft und dabei ihr Inflationsziel angepasst. So zielt sie künftig, ähnlich wie bereits die US-Notenbank FED, darauf ab, nur „im Durchschnitt“ eine Inflation von unter 2 % zu erreichen. Das bedeutet, dass kurzfristig ein Über- oder Unterschießen der Inflation toleriert wird. Damit wurde auch Klarheit geschaffen, dass eine Leitzinserhöhung in der Eurozone in weitere Ferne gerückt ist und Zinsen noch auf längere Zeit niedrig bleiben werden. Nicht adressiert hat die EZB jedoch, wie sie mit ihren Kaufprogrammen verfahren wird. Wir erwarten, dass das in der Covid-19-Krise eingeführte Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) in das reguläre Kaufprogramm überführt werden dürfte. Anders als die FED wird die EZB ihre Anleihekäufe damit vorerst weiter fortsetzen.

Weiter, immer weiter

Die Unternehmen mussten im vergangenen Jahr einen Rückgang ihrer Gewinnmargen hinnehmen, nachdem sie diese zuvor Jahr für Jahr steigern konnten. Die abgelaufene Berichtssaison für die Ergebnisse im zweiten Quartal hat gezeigt, dass die Unternehmen nicht nur ihre Umsätze nach den Rückgängen im Covid-19-Jahr wieder steigern konnten, sondern insbesondere auch ihre Gewinnmargen wieder ausbauen konnten. Angesichts gestiegener Preise für Vorprodukte und globaler Lieferengpässe bei wichtigen Bauteilen stehen die Unternehmen jedoch vor der Herausforderung, die steigenden Kosten an ihre Kunden weiterzugeben, um erneut rückläufige Gewinnmargen zu vermeiden. Dies zeigt sich auch daran, dass die Stichworte „Inflation“ und „Lieferengpass“ in den Aussagen der Unternehmen bei Vorlage der Quartalszahlen so häufig fielen wie nie zuvor. Analysten sind jedoch optimistisch, dass die Unternehmen in der Lage sein werden, die nötigen Preiserhöhungen durchzusetzen. So ist damit zu rechnen, dass das Gros der Unternehmen trotz höherer Inputkosten und Lieferengpässen 2021 einen neuen Rekord hinsichtlich ihrer Gewinnmargen vermelden kann. Dies wird aber nicht für alle Unternehmen gelten. Der Selektion kommt im aktuellen Marktumfeld eine besondere Bedeutung zu. Wir präferieren Unternehmen, welche aufgrund ihrer Marktpositionierung eine hohe Preismacht aufweisen und steigende Kosten in Form von Preiserhöhungen weitergeben können.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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