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Eine neue Erhebungsmethode in China hat die Fälle der mit dem Coronavirus Infizierten nochmals deutlich steigen lassen und die chinesische Führung dazu bewegt, ihre Erwartungen an eine Stabilisierung der Lage in den April zu verschieben.

Sorglosigkeit an den Aktienmärkten

Ein wenig Vorsicht sollte nicht schaden

Ausblick bleibt dennoch positiv

 

Autor: Jan Gengel
Finanzmarkt aktuell per 20. Februar 2020
Jan Gengel, CEFA, CIIA, Portfoliomanager

Jan Gengel

Eine neue Erhebungsmethode in China hat die Fälle der mit dem Coronavirus Infizierten nochmals deutlich steigen lassen und die chinesische Führung dazu bewegt, ihre Erwartungen an eine Stabilisierung der Lage in den April zu verschieben. Von wirklicher Entspannung kann daher noch keine Rede sein, und dennoch blenden die Marktteilnehmer die Risiken weitgehend aus und hoffen auf einen ähnlichen Verlauf wie im Jahr 2002 mit dem SARS-Virus. Unsere aktualisierte Einschätzung zu diesem Thema lesen Sie in dieser Ausgabe der Finanzmarkt aktuell.

Sorglosigkeit an den Aktienmärkten

Mit 13.795,24 Punkten markierte der deutsche Leitindex DAX am 17.2.2020 seinen neuen vorläufigen Höchststand. Auch seine amerikanischen Pendants, der Dow Jones oder der S&P 500, erreichten in dieser Woche wieder neue Allzeit-Hochs. Bei der Rallye an den Börsen könnten sich die Aktionäre, zu denen Sie hoffentlich auch gehören, eigentlich entspannt zurücklehnen, über die Gewinne freuen und von zukünftigen Preissteigerungen träumen. Diese erwarten wir durchaus auch, jedoch haben uns die vergangenen Tage aus mehreren Gründen ein wenig überrascht: Zum einen erwartet die chinesische Regierung den Höhepunkt der Epidemie nun erst Ende Februar, und eine wirkliche Stabilisierung der Lage gar erst im April. Dies ist deswegen für uns beunruhigend, da China aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr isoliert betrachtet werden kann, sondern jede Verzögerung im Land auch Auswirkungen auf die Handelspartner oder die global ausgerichteten Produktionsketten hat. So verwundert es auch nicht, dass die ersten Unternehmen ihre Ziele für das erste Quartal nach unten korrigieren und Sorgen vor weiteren Produktions- und Konsumausfällen äußern. Zum anderen zeigt sich auch eine sehr unterschiedliche Interpretation der Datenlage an den Märkten. Während Aktien haussieren, fallen zahlreiche Rohstoffpreise und spiegeln die Sorgen um eine rückläufige Nachfrage und nicht nur einen kurzfristigen Ausfall wider. Auch steigen der Goldpreis und mehrere Währungen, die als Fluchtort in Krisenfällen gelten, wie beispielsweise der US-Dollar oder der Schweizer Franken. Hinzu kommen die rückläufigen Renditen für erstklassige Anleihen, welche ebenfalls auf eine größere wirtschaftliche Unsicherheit und das notwendiger werdende Eingreifen der Zentralbanken hindeuten. So paradox es klingen mag, aber genau hier findet sich eine mögliche Erklärung für die Sorglosigkeit an den Aktienmärkten. Getreu dem Motto: „Im Zweifel werden es die Notenbanken schon richten!“ Im vergangenen Jahr hatten diese schließlich auch für ein Kursfeuerwerk gesorgt.

Ein wenig Vorsicht sollte nicht schaden

Auch wenn die Hoffnungen auf ein Einschreiten der Zentralbanken nicht ganz unbegründet sind – hatten diese doch jüngst ihre Bereitschaft signalisiert, im Notfall zu handeln –, teilen wir die Sorglosigkeit nicht in Gänze. Im Gegenteil sollten wir uns von kurzeitigen Rücksetzern nicht überraschen lassen. Möglich werden diese spätestens, wenn die ersten Konjunkturindikatoren für den Februar gemeldet werden und zeigen, wie sehr die Virus-Bedrohung auf der Stimmung lastet. Einen ersten Vorgeschmack hat bereits der ZEW-Index gegeben. Dieser gilt weniger als verlässlicher Wirtschaftssignalgeber, aber dafür als guter Stimmungsindikator der Finanzmärkte. Er verzeichnete nur leichte Rücksetzer und zeigte damit die Zwiespältigkeit an den Märkten zwischen steigenden Aktien und gleichzeitiger Nachfrage nach Absicherungsmöglichkeiten. Interessant werden daher die kommenden Konjunkturumfragen und dann natürlich nachfolgend die Meldungen zur wirtschaftlichen Entwicklung wie Konsum, Aufträgen oder Produktion. Unseres Erachtens werden wir nicht nur in China, sondern auch in Europa die Auswirkungen sehen. Selbst ohne den Coronavirus-Effekt zeigte sich hier zuletzt nur ein sehr schwaches Wachstum, so dass zumindest für Deutschland eine technische Rezession für das erste Quartal durchaus möglich ist. Und dann werden wir sehen, ob die Aktionäre weiterhin durch die aktuellen Ereignisse hindurchschauen oder doch die eine oder andere Sorgenfalte aufkommt.

Ausblick bleibt dennoch positiv

Wir sind derzeit noch zuversichtlich, dass mögliche Rücksetzer verkraftbar sein sollten und keine Abwärtsspirale in Gang setzen. Voraussetzung ist und bleibt, dass die Gesundheitsbedrohung zeitnah ihren Höhepunkt findet und keine weltweite Pandemie auslöst. Dann könnte sich ab dem zweiten Quartal die konjunkturelle Erholung fortsetzen, auf die zahlreiche Indikatoren im Januar noch hingedeutet haben. Auch dürften die seitens der chinesischen Notenbank und der Regierung ergriffenen Stützungsmaßnahmen ihre Wirkung vollends entfalten. An unseren hohen Aktienengagements würden wir daher grundsätzlich festhalten und lediglich Adjustierungen in der Aufstellung vornehmen.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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