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Die Politik bewegt die Märkte, während die fundamentalen Wirtschaftsdaten ein trübes Bild vermitteln.

Brexit- Es bleibt bis zur letzten Minute spannend

Handelskonflikt – Ein Deal, oder doch nicht?

Volkswirtschaft – Das Bild bleibt eingetrübt

 

Autor: Jan Nießen
Finanzmarkt aktuell per 18. Oktober 2019
Jan Nießen, Portfoliomanager

Jan Nießen

Die Politik bewegt die Märkte, während die fundamentalen Wirtschaftsdaten ein trübes Bild vermitteln. Aufgrund der Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien, sowie zwischen China und den USA verspricht der Herbst aufregend zu werden. Auf wen Investoren in dieser unruhigen Phase hoffen können lesen Sie in dieser Ausgabe von Finanzmarkt aktuell.

Brexit- Es bleibt bis zur letzten Minute spannend

Wer kennt das nicht? Je näher der Zeitpunkt rückt, zu dem eine Aufgabe erledigt sein muss, desto hektischer wird an dieser gearbeitet. Genau so ein Verhalten lässt sich derzeit bei den Verhandlungen um den EU-Austritt Großbritanniens erkennen. Nach über zweijährigen Diskussionen kam in den letzten Tagen Bewegung in die Thematik. Vor allem die britische Seite zeigte sich bemüht, den von Premierminister Boris Johnson versprochenen Brexit zum 31. Oktober diesen Jahres zu liefern. Während die Details unklar blieben, überschlugen sich die Meldungen über substantielle Fortschritte, die den Weg zu einer Einigung bereiten könnten. Unmittelbar profitieren konnten von diesen Meldungen vor allem europäische Finanztitel und die britische Währung, die gegenüber dem Euro an Boden gut machte. Doch bekanntlich gilt, dass ein Abkommen erst erzielt ist, wenn alle beteiligten Parteien zugestimmt haben. Und genau hier liegt das Problem. Trotz nächtelanger Gespräche bleibt unklar, ob die von der EU und Großbritannien erzielte Vereinbarung die Zustimmung des britischen Parlaments erhält. Dieses stimmt in einer Sitzung am Samstag darüber ab, ob es die Linie von Boris Johnson mitträgt. Es ist zu erwarten, dass dieser bis dahin noch einiges an Überzeugungsarbeit wird leisten müssen. So schwierig dieses politische Chaos auch zu durchblicken ist und so unklar der Ausgang der Verhandlungen scheint, lässt sich doch zumindest eine Erkenntnis daraus ziehen: Vorsicht ist weiterhin angebracht. Besonders Investitionen in britischem Pfund unterliegen aktuell starken Schwankungen und sind für konservativere Investoren wenig ratsam.

Handelskonflikt – Ein Deal, oder doch nicht?

Am Ende der letzten Woche war die Aufregung nicht nur wegen des Brexits groß. In den Handelskonflikt zwischen den USA und China, der mittlerweile seit vielen Monaten schwelt und zuletzt den Eindruck machte, dass sich die Fronten immer weiter verhärten, kam plötzlich Bewegung. Sowohl die chinesische Delegation, die Washington besuchte, als auch der amerikanische Präsident Trump sprachen von Fortschritten. Am Aktienmarkt sorgte dies für Begeisterung, die die Kurse steigen ließ und den schwachen Start in den Oktober vergessen machte. Doch wie so häufig in diesem Jahr hielt die Euphorie nur kurz. Als am Wochenende die Details der ausgehandelten, aber noch nicht unterschriebenen Vereinbarung veröffentlicht wurden, machte sich Ernüchterung breit. So wurden die strittigeren Themen, wie die Sanktionierung einzelner chinesischer Unternehmen durch die USA oder der Umgang mit geistigem Eigentum ausgespart. Stattdessen setzte man stärker auf Aspekte, in denen vorher schon grundsätzliche Einigkeit bestand, wie zum Beispiel den Kauf amerikanischer Agrarprodukte durch die chinesische Seite oder die Öffnung des chinesischen Marktes für amerikanische Finanzunternehmen. Nach der ersten Ernüchterungswelle folgte Mitte dieser Woche dann die zweite. Die Chinesen reagierten deutlich verschnupft auf die Ankündigung der USA, die Proteste in Hong Kong, die sich gegen die chinesische Regierung richten, zu unterstützen, und kündigten ihrerseits an, den genauen Umfang der landwirtschaftlichen Produkte, die erworben werden sollen, noch einmal zu überdenken. Dementsprechend hört sich die ganze Entwicklung am Ende dieser Woche schon wieder deutlich weniger nach Fortschritt an als es sieben Tage zuvor der Fall war. Somit scheint sich unsere Einschätzung, dass der Handelskonflikt ein längerfristiges Phänomen wird, zu bestätigen. Unter diesen Gesichtspunkten sollte auch bei der Portfolioaufstellung grundsätzlich weiter eine defensive Komponente berücksichtigt werden, da nachrichtengetriebene Kursgewinne aktuell auch immer wieder Phasen der Enttäuschung nach sich ziehen.

Volkswirtschaft – Das Bild bleibt eingetrübt

Neben den genannten politischen Ereignissen gaben die diesseits und jenseits des Atlantiks veröffentlichten Zahlen zur volkswirtschaftlichen Entwicklung den Anlegern zuletzt Grund zur Sorge. In den USA zeigten sich sowohl der Arbeitsmarktbericht als auch der ISM-Einkaufsmanagerindex, ein Frühindikator zur wirtschaftlichen Entwicklung, von ihrer schwachen Seite. Gleichzeitig setzte sich auch in Europa das seit einiger Zeit bekannte Bild von einer schwächeren Entwicklung im Industrie- und einem gleichzeitig robusten Dienstleistungssektor fort. Diese Gemengelage veranlasste in der Folge den Internationalen Währungsfonds dazu, seine Prognose für das globale Wirtschaftswachstum 2019 erneut auf nun 3% und somit das niedrigste Niveau seit der Finanzkrise zu senken. Während sich bei vielen der Eindruck durchsetzt, dass es wirtschaftlich nicht mehr rund läuft, dürfte die entscheidende Frage sein, wie die Zentralbanken auf diese Entwicklung reagieren. In diversen Schwellenländern sind diese Institutionen bereits durch Zinssenkungen der Wirtschaft beigesprungen, und auch in Europa und den USA gab es bei den letzten Sitzungen bereits Schritte in diese Richtung. Trotzdem sehen sich die EZB und die Fed immer höheren Erwartungen gegenüber, je schwächer das wirtschaftliche Umfeld wird. Sollten sich diese beiden Akteure entschließen, zusätzliche Liquidität zur Verfügung zu stellen, zum Beispiel durch eine Ausweitung der Kaufprogramme für Wertpapiere, oder weitere Zinssenkungen vornehmen, haben die Märkte trotz der schwächeren Fundamentaldaten noch Aufwärtspotential.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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