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Rückkehr zur Normalität

Bis der letzte Vorhang fällt

A little less conversation

Wenn der Staub sich legt

 

Autorin: Hannah Thielcke
Finanzmarkt aktuell per 18. September 2020
Hannah Thielcke, Portfoliomanagerin

Hannah Thielcke

Zurück zum normalen Wahnsinn – nach der durch Corona verordneten Zwangspause widmet sich die Welt nun vermehrt wieder altbekannten Themen. Diese Ausgabe von Finanzmarkt aktuell fasst die jüngsten Entwicklungen für Sie zusammen.

Bis der letzte Vorhang fällt

…ist es wohl nun nicht mehr lang. Nach mehreren ungewollten Zugaben kann sich das Publikum nun auf ein turbulentes Finale der Serie „Brexit“ einstellen. Nachdem Boris Johnson zuletzt mit dem Vorschlag zum neuen Binnenmarktgesetz nicht nur innerhalb der Europäischen Union (EU) für Empörung gesorgt hatte, steht auch in den USA das mit Großbritannien verhandelte Freihandelsabkommen auf dem Spiel. Der Gesetzentwurf hebelt die mit der EU vereinbarten Regelungen zu Nordirland aus und würde laut EU so einen Vertragsbruch bedeuten. Die Fronten verhärten sich zunehmend und ein „harter Brexit“ wird somit immer wahrscheinlicher. Die dann erschwerten Handelsbedingungen würden die britische Wirtschaft noch stärker belasten als aktuell bereits zu beobachten ist.
Auch zwischen China und den USA bleibt der Handel Streitthema Nummer eins. Während die Verhandlungen auf der Arbeitsebene durchaus als konstruktiv angesehen werden, schaukelt sich die Rhetorik auf politischer Ebene erneut auf. Präsident Trump und Herausforderer Biden tragen ihren Wahlkampf unter anderem auf dem Rücken Chinas aus – keiner von beiden möchte es in Bezug auf China an vermeintlich notwendiger Härte mangeln lassen. So muss man auch in den kommenden Wochen mit weiteren Wortgefechten rechnen. Auch die Welthandelsorganisation (WTO) kann die Situation nicht beruhigen: Sie erklärte US-Zölle auf chinesische Waren zwar für illegal, besitzt jedoch dagegen keinerlei Handhabe. Zudem ist die im Falle einer Berufung zuständige Instanz der WTO derzeit handlungsunfähig, da durch eine Blockade der USA einige Richterposten nicht nachbesetzt werden konnten.
Die Globalisierung und das Streben nach Freihandel, auf dem unser Wohlstand zu großen Teilen fußt, befinden sich nun schon länger in einer Krise, die durch Covid-19 und die Unterbrechungen globaler Lieferketten noch verstärkt wurde.

A little less conversation

…a little more action, please! Das dachten sich einige Kapitalmarktteilnehmer sicher nach der Sitzung der US-Notenbank (Fed) am Mittwochabend. Nachdem sich die Notenbankentscheidungen zu Anfang der Krise förmlich überschlugen, ist mittlerweile wieder mehr Ruhe eingekehrt. So zeigen die Märkte nun leichte Entzugserscheinungen, wenn die Notenbanken – wie gestern die Fed – lediglich ihren Ausblick leicht anpassen und die bisher angekündigten Maßnahmen bestätigen. Auch daran wird der Markt sich in den kommenden Monaten wieder gewöhnen müssen: Die Zeit immer neuer Superlative scheint nun vorbei. Das nervöse Zittern im Markt nimmt demnach immer mal wieder zu, wenn die Erwartungen der Marktteilnehmer unter- oder übertroffen werden. Die Kursschwankungen sind demnach im Vergleich zum langfristigen Durchschnitt noch deutlich erhöht. Ein positiver Trend hin zu ruhigeren Fahrwassern bleibt mittelfristig dennoch erkennbar. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Risiken des Coronavirus für Mensch und Wirtschaft im Zeitablauf immer besser abzuschätzen sind. So sehen wir zwar aktuell in Europa insbesondere in Spanien eine zweite Welle mit deutlich höheren Infektionszahlen, die jedoch einen deutlich anderen Charakter aufweist. Die Krankheitsverläufe der mit Covid-19 Infizierten sind meist milder, da sie im Durchschnitt jünger sind, was zu einem starken Rückgang der Krankenhausaufenthalte führte. Zudem wurden die Testraten deutlich hochgefahren, mehr Fälle werden erkannt und die Behörden können schneller reagieren. Daher sehen wir hier aktuell kein erhöhtes Risiko erneuter flächendeckender Lockdowns.

Wenn der Staub sich legt

Das Ende der Lockdowns liegt nun in vielen Ländern einige Monate zurück und Unternehmen, Analysten sowie Volkswirte können nun eine erste Bestandsaufnahme der Schäden vornehmen. Im Auge des Sturms waren im März viele vom Schlimmsten ausgegangen. Mittlerweile zeigt sich, dass Unternehmen größtenteils besser als erwartet durch die Krise gekommen sind – der große Insolvenz-Tsunami blieb bisher aus. Die Kreditausfallraten sind zwar deutlich über dem langfristigen Durchschnitt, liegen aber weit unter den ersten Schätzungen im März und April. Vorwärtsgerichtete Verbraucher- und Unternehmensbefragungen malen insgesamt weiter ein hoffnungsvolles Bild. Doch der Teufel steckt wie immer im Detail. Zwar können die meisten Branchen wieder zum „business as usual“ zurückkehren, insbesondere für die Reisebranche und die Energieunternehmen wird der Sturm jedoch nicht ganz so schnell vorüberziehen. Die Gewinnschätzungen der Analysten haben sich für diese Unternehmen nach wie vor kaum von ihren Corona-Tiefs erholt und prognostizieren auch noch für das nächste Jahr starke Einbrüche. Auch die Aktien von Finanzunternehmen konnten sich im Umfeld von weiterhin niedrigen Zinsen und einer höheren Risikovorsorge noch nicht wieder erholen.
Auf der anderen Seite gehen Unternehmen im Technologie- und Gesundheitssektor gestärkt aus der Krise hervor: Sie konnten zuletzt die erwarteten Gewinne deutlich übertreffen und rechnen auch im kommenden Jahr mit steigenden Ergebnissen. Wie immer – abgerechnet wird am Schluss. Prognosen des Bundesministeriums für Wirtschaft gehen aktuell von einer Rückkehr der Wirtschaftsaktivität zu Vor-Corona-Niveaus im Jahr 2021 aus. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, den mit großer Sicherheit nicht alle Unternehmen werden mitgehen können.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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