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Die Fed schwenkt auf restriktiv um.

Wenn Sie nichts sehen, sollten Sie nicht rennen!

Die Fed schwenkt auf restriktiv um.

Dunkle Wolken am Horizont.

 

Autor: Jan Gengel
Finanzmarkt aktuell per 18. März 2022
Jan Gengel, CEFA, CIIA, Portfoliomanager

Jan Gengel

Auch drei Wochen nach dem Einmarsch russischer Truppen in das souveräne Nachbarland, die Ukraine, beherrschen der Krieg und dessen Folgen die Finanzmärkte. Zuletzt versuchten allerdings auch wieder die Notenbanken, an Aufmerksamkeit zu gewinnen und trafen richtungsweisende Entscheidungen. Was sich genau dahinter verbirgt, und wie unsere Einschätzung dazu aussieht, lesen Sie im heutigen Finanzmarkt aktuell.

Wenn Sie nichts sehen, sollten Sie nicht rennen!

„Small steps in a dark room“ war die Überschrift einer Rede des EZB Vertreters Fabio Panetta Ende Februar im Vorfeld der wichtigen Sitzung der Zentralbank am 10. März 2022. Und viel treffender konnte die Situation aufgrund der geopolitischen Einflüsse nicht beschrieben werden. Wenn die Unsicherheit zu groß ist und die Konjunktur ins Wanken gerät, sollten keine richtungsändernden Entscheidungen getroffen werden. Die EZB hat mit ihren jüngsten Beschlüssen folglich die Quadratur des Kreises versucht. Einerseits versucht sie sich der erhöhten Inflation entgegenzustellen, gleichzeitig möchte sie mit ihren Maßnahmen die Konjunktur und die Finanzstabilität nicht gefährden. Diese sind aber bei einer weiteren Eskalation der aktuellen Situation, beispielsweise bei einem Embargo von Energieimporten aus Russland, in akuter Gefahr. Abwarten und Tee trinken erwarteten daher nicht wenige Volkswirte. Die EZB hat sich für eine andere Variante entschieden: jetzt handeln, aber alle Schlupflöcher offenlassen. Sie arbeitet nun mit verschiedenen Szenarien, um die vielen Unwägbarkeiten einzukalkulieren. In Ihrer Grundannahme wächst der Euroraum mit 3,7 Prozent in diesem Jahr und büßt rund 0,5 Prozentpunkte durch den Krieg in der Ukraine ein. Unter dieser Annahme stellt sich die Zentralbank mit einer schrittweisen und vorsichtigen Normalisierung ihrer Geldpolitik dem erhöhten Inflationsdruck entgegen. Vermutlich dürfte sie mit dieser Erwartung auch in der zweiten Jahreshälfte die Zinsen zumindest einmal erhöhen. In ihren beiden alternativen Szenarien werden die wirtschaftlichen Auswirkungen deutlich größer eingeschätzt. Beide Varianten gehen von einem Energiepreisschock aus, der jedoch unterschiedlich lang anhält. Trotz höherem Preisdruck als in ihrer Basisannahme dürfte die EZB hier nicht mit restriktiverer Geldpolitik reagieren, sondern die Märkte eher weiter unterstützen. Damit hat sich unsere Zentralbank alle Türe offengehalten, um mit größtmöglicher Flexibilität reagieren zu können. Für uns als Anleger ist dies kurzfristig durchaus ein gutes Zeichen. Nur wenn es die wirtschaftliche Entwicklung erlaubt, wird die EZB weiter normalisieren und dies vermutlich auch sehr vorsichtig.

Die Fed schwenkt auf restriktiv um

Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der letzten pandemiebedingten Notfallzinssenkung im Frühjahr 2020 hat die Fed am Mittwochabend die Leitzinsen zum ersten Mal wieder angehoben. Wie erwartet startete sie mit einer Erhöhung um 25 Basispunkte und hob ihren Zielkorridor für die Fed-Funds-Rate auf 0,25 bis 0,50 Prozent an. Wären aktuell nicht so große Unsicherheiten aufgrund des Ukraine-Konfliktes vorhanden, hätten die Notenbanker vermutlich sogar einen doppelt so hohen Schritt gemacht. Laut der Fed ist die Inflationsentwicklung in den USA nicht mehr nur auf Sonderfaktoren zurückzuführen, sondern erfasst immer mehr Bereiche des Lebens. Vor allem der angespannte Arbeitsmarkt dürfte auch in den kommenden Monaten für weiteren Inflationsdruck sorgen. Und diesem wollen sich die Vertreter der Fed entschieden entgegenstellen. Trotz geringerer Wachstumserwartungen signalisierte der Vorsitzende der Fed Jerome Powell auf jeder der kommenden Sitzungen eine weitere Zinserhöhung. Auch im kommenden Jahr soll der Pfad fortgesetzt werden und das Leitzinsniveau auf rund 2,75 Prozent angehoben werden Zusätzlich wurde ein weiteres restriktiveres Signal geben, da die Notenbank nun erwägt, dem Markt Liquidität durch Bilanzreduzierungen zu entziehen. Jerome Powell sprach im Rahmen der Pressekonferenz davon, dass der Startschuss dafür auf der nächsten Sitzung im Mai gegeben werden könnte.

Dunkle Wolken am Horizont.

Nicht nur die aktuelle geopolitische Krise zwingt uns zum Umdenken, auch der durch sie erhöhte Inflationsdruck. Dieser hat so deutlich zugenommen, dass die beiden wichtigsten Zentralbanken – die Fed und die EZB – nun nicht mehr zusehen können. Trotz aller Unsicherheiten vollziehen die US-amerikanischen Zentralbanker die Zinswende und deuten entschlossene Maßnahmen gegen den erhöhten Preisdruck an. Die EZB versucht Schritte, wenn auch sehr vorsichtige, um zumindest die hohen Inflationserwartungen wieder einzufangen. Für die Kapitalmärkte deuten sich damit auch seitens der Geldpolitik unruhigere Zeiten an. Vermutlich werden die Impulse in diesem Jahr noch gut verkraftbar sein und sollten die Unternehmen und deren Gewinn noch nicht belasten, jedoch könnte 2023 ein wenig schwieriger werden. Aktuell würden wir daher an unseren Empfehlungen, sich nicht an den Seitenrand zu stellen, sondern stattdessen mit einem hohen Schwerpunkt in qualitativ hochwertigen Unternehmen investiert zu bleiben, festhalten. Für zinssuchende Anleger empfiehlt sich vorerst weiter Vorsicht bei lang laufenden Papieren. Der Druck auf die Renditen dürfte vorerst noch anhalten und die bereits erhöhten Niveaus werden aus unserer Sicht in den kommenden Monaten noch höher und damit attraktiver werden.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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