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2022 im Zeichen der Normalisierung

Notenbanker nehmen den Fuß vom Gaspedal, aber sie treten noch nicht auf die Bremse

2022 das Jahr der Normalisierung

 

Autor: Jan Gengel
Finanzmarkt aktuell per 17. Dezember 2021
Jan Gengel, CEFA, CIIA, Portfoliomanager

Jan Gengel

Die letzte richtige Handelswoche des Jahres 2021, bevor viele Marktteilnehmer in die Weihnachtspause gehen, hatte es noch einmal in sich. Zahlreiche Notenbanken stellten die Weichen für die geldpolitische Ausrichtung des kommenden Jahres. Im Fokus standen die beiden bedeutendsten Institute – die amerikanische Federal Reserve Bank (FED) und die Europäische Zentralbank (EZB). Unsere Einschätzung und Bewertung zu den Entscheidungen lesen Sie in der neuen Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell“.

Notenbanker nehmen den Fuß vom Gaspedal, aber sie treten noch nicht auf die Bremse

Wiederholt sich das Jahresende 2018? Erinnern Sie sich an die zweistelligen Kursverluste an den bedeutendsten Aktienmärkten und an die Negativzeichen bei fast allen anderen Anlageklassen? Verantwortlich waren damals vor allem zwei Übeltäter: die bereits erwähnte FED und die EZB. Hatten sie doch versucht, ihre Geldpolitik „normaler“ auszurichten und erstmals seit der Weltfinanzkrise 2008 begonnen, die Notenbankbilanzen durch Anleiheverkäufe zu reduzieren. Ein Experiment mit keinem guten Ausgang für die Marktteilnehmer und nur von kurzer Dauer. Nun – drei Jahre später – halten die Zentralbanken rund doppelt so viele Anleihen in ihren Büchern wie 2018. Ihr Einfluss ist nochmals deutlich gestiegen, und dennoch – oder gerade deswegen – wollen sie zurück zur Normalität. Die Frage des „Wie“ stand in dieser Woche im Fokus der Sitzungen der Institute.

Die US-Notenbank hat beschlossen, die Anleihekäufe stärker zu drosseln und bereits im März 2022 komplett einzustellen. Aber als wäre dies nicht genug, hat Jerome Powell, der Notenbank-Präsident, für 2022 und 2023 jeweils drei Zinserhöhungen angekündet. Begründet werden die Maßnahmen mit der Erwartung an eine sehr gute wirtschaftliche Entwicklung, welche auch erhöhte Inflationsraten mit sich bringt. Und dies ist einer der wesentlichen Unterschiede in der neuen Bewertung der Situation durch die Notenbank, denn der sprunghafte Anstieg der Verbraucherpreise wird nicht mehr per se als vorübergehendes Phänomen angesehen. Dennoch wird ein Rückgang der Inflation erwartet. In Zahlen ausgedrückt sollten die Raten von zuletzt 6,8 Prozent sich in 2022 im Durchschnitt bei 2,6 Prozent einpendeln. Aus unserer Sicht kein dramatisch hohes Niveau und daher gehen wir auch weiterhin von einer schrittweisen Normalisierung, aber keiner wirklich restriktiven Geldpolitik aus. Auch die EZB hat ihre Prognosen für die Preisentwicklung nach oben angepasst. Damit verbunden wird sie ihr für die Pandemie aufgelegtes Notfallprogramm planmäßig im März 2022 auslaufen lassen. Anders als die FED wird sie aber weiterhin am Markt Anleihen kaufen. Sie nutzt dafür ein bereits bestehendes und auf unbestimmte Zeit aufgelegtes Kaufprogramm und stockt dieses sogar auf. Auch wird sie Fälligkeiten von bestehenden Positionen bis mindestens Ende 2024 wieder anlegen. Zinserhöhungen dürften hingegen seitens der EZB in 2022 und vermutlich auch 2023 nicht zu erwarten sein.

2022 das Jahr der Normalisierung

Wenn wir alles zusammen bewerten, dürfte 2022 im Zeichen der Normalisierung stehen. Unseres Erachtens wird die Liquiditätszufuhr deutlich abnehmen, aber den Märkten sollte vorerst kein Geld entzogen werden. Das ist der wesentliche Unterschied zu 2018, als die FED Anleihen verkaufte und Liquidität abbaute. In diesem Umfeld dürfte vermehrt auf die Konjunktur und die Entwicklung der Unternehmen geschaut werden. Und hier sind wir ähnlich zuversichtlich wie unsere Geldpolitiker. Das Wachstum sollte auch in 2022 überdurchschnittlich hoch sein, sowohl in Europa als auch den USA. Damit kann sich der positive Gewinntrend der Unternehmen fortsetzen und Raum für weitere Kursanstiege geben, welches neben Aktien auch aktiennahe Investments wie beispielsweise Wandelanleihen begünstigen sollte.

2021 war für zinssuchende Anleger ein schwieriges Jahr, 2022 wird mit der Normalisierung der Geldpolitik noch schwieriger! Gibt es trotzdem Hoffnung? Ja, da die zu erwartenden Renditeanstiege endlich wieder mehr Attraktivität versprechen. Der Weg dahin ist allerdings ein steiniger. Um Verluste dabei gering zu halten, raten wir bei Anleihen mit längerer Laufzeit noch zur Vorsicht. Attraktiv finden wir hingegen Anleihen aus den Wachstumsländern, besonders aus Asien, da diese wieder größere Renditeaufschläge aufweisen. Hintergrund sind die Verwerfungen am chinesischen Immobilienmarkt. Mit Blick auf das nächste Jahr gehen wir von einer Stabilisierung des Marktsegmentes aus. Eine Beimischung der Anlageklasse in einem international ausgerichteten Portfolio bietet sich so in unseren Augen an.

Wir wünschen allen unseren Lesern ein schönes Weihnachtsfest und ein glückliches, gesundes neues Jahr!

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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