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Konsolidierung – aber kein Trendabbruch

Der Kommunismus entdeckt sich selbst wieder

Konsolidierung – aber kein Trendabbruch

Rohstoffe bleiben teuer

 

Autor: Jens Herdack
Finanzmarkt aktuell per 17. September 2021
Jens Herdack,  CEFA, CIIA, Portfoliomanager

Foto Jens Herdack

Die Entwicklungen in China und den übrigen Schwellenländern haben in den letzten Wochen zu einer deutlichen Schwäche der dortigen Kurse geführt. Ob dies jetzt Einstiegskurse sind und welche Themen uns an den Märkten aktuell noch bewegen, lesen Sie in der neuen Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell“:

Der Kommunismus entdeckt sich selbst wieder

Unterschiedlicher konnten die Verhaltensweisen der Schwellenländer und der Industrienationen in den letzten Monaten nicht sein. Während in den Industrienationen weiter kräftig Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen und Bevölkerung umgesetzt werden und auch die Notenbanken „noch“ konjunkturfördernd agieren, wurden die Schwellenländer sehr viel weniger mit Stützungsmaßnahmen aktiv. China agierte schon seit Ausbruch der Pandemie eher verhalten. In den letzten Monaten kamen darüber hinaus auch noch zusätzliche eher wirtschaftsdämpfende Maßnahmen hinzu. So ging die chinesische Regierung zahlreiche Fehlentwicklungen im Land an. Schon seit einigen Jahren war festzustellen, dass sich das Reich der Mitte von seinem kommunistischen Ideal der gleichmäßigen Verteilung des Wohlstands und der Zufriedenheit der Bevölkerung weit entfernt hatte. Der Druck auf die großen Tech-Konzerne wuchs, ihre Marktmacht nicht weiter auszunutzen und sich dem Geist des Gemeinwohls zu öffnen. Ähnlich den Industrienationen kämpft China darüber hinaus mit seiner Demografie. Dem einstigen Verbot mehrerer Kinder folgte nun die Erlaubnis von bis zu drei Kindern pro Familie. Um dieses Ziel zu erreichen, griff die Regierung jüngst mit dem Verbot der Gewinnorientierung der Unternehmen radikal in den Bildungsmarkt ein, um den ärmeren Familien die Finanzierung mehrerer Kinder überhaupt erst zu ermöglichen. Auch die jüngste Einschränkung der Nutzung von Onlinespielen für unter 18-jährige zielt in die Richtung der größeren Priorisierung gesellschaftlichen Nutzens. Gemäß dem neuen Motto der chinesischen Regierung „Häuser sind zum Wohnen, nicht zum Spekulieren“ wurden die Anforderungen an Immobilienentwickler ebenfalls deutlich verschärft, was aktuell zu einer prekären Liquiditätskrise bei einem der größten Entwickler des Landes führt. Ein Zwiespalt für die chinesische Regierung: Einerseits möchte man marktorientierter werden und auch Konkurse einzelner Unternehmen zulassen, andererseits würde eine Pleite des Immobilienriesen auf Banken und private Sparer durchschlagen. Darüber hinaus wurde zuletzt auch die ungerechte Verteilung von Vermögen thematisiert. Die Kommunisten entdeckten gewissermaßen den Kommunismus neu, den sie lange Zeit dem „Wild-West-Kapitalismus“ geopfert hatten. Die Märkte reagieren verschreckt auf diese vielen Regulierungsvorstöße. Die chinesischen Aktienmärkte befinden sich in einem Abwärtstrend. Darf man deshalb dort nicht mehr investieren? Wir glauben, dass in der aktuellen Regulierungswelle in nächster Zeit ein Boden erreicht sein könnte und die deutlich korrigierten Bewertungen dann ein günstiges Einstiegsniveau darstellen können.

Konsolidierung – aber kein Trendabbruch

Auch in den Industrienationen konsolidierten zuletzt die Aktienmärkte vor dem Hintergrund sich wieder normalisierender Wachstumszahlen. Die Notenbanken agieren jedoch weiter sehr umsichtig. So verschob die EZB in ihrem jüngsten Statement erneut eine klare Aussage zu eventuellen Reduzierungen ihrer Anleihekaufprogramme. Auch die Fed geht sehr vorsichtig mit der Kommunikation zu den von ihr erwarteten Maßnahmen um. Insofern könnte sich auch die rasante Aufwärtsbewegung an den westlichen Börsen nun zunächst etwas abflachen. Immerhin ist der US-Markt, gemessen am S&P 500 Index, in diesem Jahr schon um ca. 25 Prozent in Euro gestiegen. Doch selbst wenn die Notenbanken nun ihre Unterstützung für die Wirtschaft etwas reduzieren sollten, steht immer noch sehr viel Liquidität bereit, sodass Aktien weiter attraktiv bleiben.

Rohstoffe bleiben teuer

Dass die Wirtschaft global weiter auf soliden Beinen steht, lässt sich auch an den steigenden Rohstoffpreisen ablesen. Sowohl der Ölpreis, als auch die Industriemetalle steigen weiter. Ölseitig ist die OPEC aufgrund ins Stocken geratenem Ausbau der Schieferölproduktion in den USA wieder in eine dominante Position gerückt und schafft es im Moment sehr gut, ihre Produktion nur soweit zu steigern, als dass der Ölpreis auf seinen hohen Niveaus verbleibt. Die Industriemetallpreise profitieren von den angeschobenen Investitionsprogrammen weltweit und dem Umbau der Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit. Dieser Trend dürfte die Rohstoffpreise wohl auch mittelfristig weiter unterstützen.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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