Die „Kunst des Krieges“ bzw. „The Art of War“ gilt als eine der frühesten Abhandlungen über Strategie.

„The Art of War“ gegen „The Art of The Deal“

Die Kunst des Investierens

„The Art of The Deal“ verlangt eben auch nach einem solchen!

 

Autor: Jens Herdack
Finanzmarkt aktuell per 14. Juni 2019
Jens Herdack,  CEFA, CIIA, Portfoliomanager

Foto Jens Herdack

Die „Kunst des Krieges“ bzw. „The Art of War“ gilt als eine der frühesten Abhandlungen über Strategie. Noch heute ist das Werk Pflichtlektüre für asiatische Manager und Militärstrategen. Sicherlich hätte sich der Autor Sunzi niemals vorstellen können, dass sein Buchtitel eines Tages von einem gewissen Donald Trump aufgegriffen und 1987 als „The Art of the Deal“ adaptiert werden würde. Was passiert, wenn diese beiden Philosophien aufeinandertreffen und was sonst noch die Märkte bewegt, das erfahren Sie im heutigen „Finanzmarkt aktuell“:

„The Art of War“ gegen „The Art of The Deal“

Was es bedeutet, es mit Donald Trump zu tun zu haben, mussten jüngst die Mexikaner wieder einmal erfahren. Trotz des bereits im September 2018 ausverhandelten Handelsabkommens polterte der US-Präsident völlig unerwartet mit Zollandrohungen gegen das Nachbarland. Damit zeigte er sich erneut von seiner unberechenbaren Seite. Neu war seine Bereitschaft, Zölle nun nicht nur im Rahmen von Handelsstreitigkeiten einzusetzen, sondern diese auch zur Durchsetzung anderer politischer Ziele zu nutzen. Mexiko musste vor dieser Drohkulisse kapitulieren und eine verstärkte Grenzkontrolle seiner südlichen Landesgrenze und die Rücknahme illegaler Einwanderer aus den USA zusagen. Soviel zum Thema „The Art of The Deal“. Allerdings handelte es sich hier um einen Verhandlungspartner mit deutlich unterlegener Machtposition. Viel schwieriger dürfte es für die Trump‘sche Strategie gegen einen ebenbürtigen Gegner werden. Und mit China steht den USA ein solcher gegenüber. Interessant ist insbesondere, dass man zuletzt zwischen den Zeilen eher weitere Verhandlungsbereitschaft der Amerikaner beobachten konnte und sich die chinesische Seite sehr bedeckt hielt, ein weiteres Treffen zwischen Trump und Xi in Osaka zu bestätigen. „The Art of War“? Wir warten gespannt, wie dieses Kapitel weitergeschrieben wird, denn einige Daten deuten bereits darauf hin, dass sich der US-Präsident womöglich doch stärker selbst schadet als von ihm erwartet. So gingen die Exporte der USA nach China zuletzt deutlich zurück, während die chinesischen Exporte in die USA wieder anstiegen. Darüber hinaus werden die Sanktionen gegen Huawei wohl dazu führen, dass die chinesischen Handyhersteller nun ein eigenes Betriebssystem aufbauen werden, anstatt auf Android von Google zurückzugreifen. Dadurch würden die amerikanischen Firmen Apple und Google ihr globales Betriebssystemduopol wohl verlieren.

Die Kunst des Investierens

Zumindest die US-Rentenmärkte preisen das mögliche Nichtstattfinden eines Treffens von Trump und Xi auf dem G20-Gipfel bereits ein. So stieg die aus Termingeschäften ablesbare eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer US-Leitzinssenkung im Juli auf knapp 80% an. Dass die Notenbanken den Handelskrieg als besorgniserregend ansehen, zeigte auch die überraschend deutliche Rhetorik der europäischen Zentralbank EZB. Ihr Präsident Mario Draghi verwies explizit auf die Gefahren, die vom aktuellen Handelskrieg ausgehen, und auf die mögliche Notwendigkeit, bei einer Verschärfung mit außergewöhnlichen Maßnahmen zu reagieren. Allerdings hob die EZB gleichzeitig ihre Wachstumsprognose für 2019 wieder leicht an und sieht damit derzeit keine akute Rezessionswahrscheinlichkeit. Die wieder zunehmende Lockerungsbereitschaft der Notenbanken führte dazu, dass man mit deutschen Staatsanleihen nur noch eine positive Rendite erzielen kann, wenn man eine Laufzeit von über 15 Jahren wählt. Mithin kann sich Deutschland nun tatsächlich schon für eine solch lange Frist verschulden, ohne dafür Zinsen zahlen zu müssen. Dieser Trend zu Null- bzw. Negativrenditen ist auch global festzustellen. So weisen inzwischen global über 20 Prozent aller Anleihen – und zwar sowohl Staatsanleihen, als auch Pfandbriefe und Unternehmensanleihen – eine negative Rendite auf. In Deutschland liegt ihr Anteil bei erschreckenden 70%.

„The Art of The Deal“ verlangt eben auch nach einem solchen!

Die Aktienmärkte scheinen noch nicht ganz so stark wie die Rentenmärkte auf ein Scheitern der US-Chinesischen-Verhandlungen zu setzen. Zwar reagierten sie erneut mit Abschlägen auf die Zolldrohungen gegen Mexiko, erholten sich im Nachgang dann aber wieder recht schnell. Auch an den Gewinnschätzungen lässt sich eine positivere Erwartungshaltung ablesen. Denn nachdem die letzte US-Berichtssaison per Saldo sogar positiv ausgegangen war, ist nun festzustellen, dass die Gewinnschätzungen für das Gesamtjahr bereits wieder bei 4 bis 5 Prozent und die für das nächste Jahr bei gut 10 Prozent Wachstum liegen. Auch die insgesamt lockerere Haltung der Notenbanken weltweit wird mit Wohlwollen aufgenommen. Aus China ist weiter eine große Bereitschaft zur Unterstützung der Wirtschaft zu vernehmen. Da Trump im nächsten Jahr wiedergewählt werden will und eine deutliche Mehrheit von US-Präsidenten nicht wiedergewählt worden ist, wenn die USA in eine Rezession liefen, besteht auch für ihn durchaus ein gewisser Anreiz, dass der „Dealmaker“ nun auch einen Deal abschließt. Für uns bedeutet das, dass wir es zwar nach wie vor für opportun halten, einen Teil der von uns betreuten Portfolios in Liquidität zu halten, um mögliche zwischenzeitliche Schwankungen abzupuffern, auf der anderen Seite aber auch bereit stehen, sich bietende Chancen zu nutzen.

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Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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