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Investiert bleiben oder Kasse machen?

Die Welt steht Kopf – Auswirkungen der Ukraine-Krise auf allen Ebenen

Investiert bleiben oder Kasse machen?

Trotz erhöhter Unsicherheit versucht die EZB die Normalisierung der Geldpolitik zu starten

 

Autor: Jens Herdack
Finanzmarkt aktuell per 11. März 2022
Jens Herdack,  CEFA, CIIA, Portfoliomanager

Foto Jens Herdack

Im Vergleich mit dem menschlichen Leid der ukrainischen Bevölkerung erscheinen Überlegungen zu den Auswirkungen der Ukraine-Krise auf die Geldanlagen der Investoren eher nebensächlich. Dennoch wollen wir Ihnen auch in dieser Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell“ einen Überblick über die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen und die mögliche weitere Entwicklung geben:

Die Welt steht Kopf – Auswirkungen der Ukraine-Krise auf allen Ebenen

Die letzte Woche brachte eine gewisse Stabilisierung der Aktienkurse mit sich. Am Mittwoch verzeichnete der Deutsche Aktienindex DAX gar den siebtbesten Tag seiner Geschichte und stieg in der Hoffnung auf eine mögliche Annäherung zwischen der Ukraine und Russland um knapp 8 Prozent. Gleichzeitig zeigen sich immer mehr Folgewirkungen in einzelnen Marktsegmenten. So mussten zum Beispiel passive (ETFs) und aktive Fonds, die in größerem Volumen russische Aktien beinhalten, aufgrund der Schließung der russischen Börse den Handel ihrer Anteile aussetzen. Zusätzlich haben die Indexanbieter MSCI und FTSE den kompletten Ausschluss russischer Aktien aus ihren Indizes beschlossen. Damit beinhaltet beispielsweise der MSCI Osteuropa Index zukünftig gar keine russischen Aktien mehr. Stellt sich also für die ETF-Anbieter zusätzlich die Frage, was nun mit den noch im Portfolio befindlichen russischen Aktien geschehen soll und wie die geschlossenen Produkte wieder geöffnet werden können. Im Bereich der Rohstoffe zeigt sich, dass es immer schwerer wird, russisches Öl abzusetzen, obwohl es hier bisher keine offiziellen Sanktionen seitens der Europäischen Union gibt. Die bisherigen Sanktionsmechanismen bewirken aber faktisch, dass Banken aus Furcht, gegen Sanktionen zu verstoßen oder Reputationsrisken einzugehen, den Transport des Öls nicht mehr finanzieren und Versicherungen, diese Ladungen nicht mehr versichern wollen. Darüber hinaus ist es historisch beispiellos, wie schnell große Firmen ihre Aktivitäten in Russland einstellen und dabei deutliche Umsatzeinbußen in Kauf nehmen. Allein in der abgelaufenen Woche folgten McDonalds, Coca-Cola, PepsiCo, Starbucks, Heineken und Paypal diesem Trend.

Investiert bleiben oder Kasse machen?

Für Investoren stellt sich im aktuellen Umfeld erneut die Frage, ob sie investiert bleiben oder zunächst einmal an den Rand zurücktreten und Kasse machen sollten. Hier bietet der Mittwoch dieser Woche eine gute Antwort. Denn allein das Auslassen der sieben besten Tage des DAX seit seinem Berechnungsstart 1959 hätte dazu geführt, dass aus investierten 100 Euro (bzw. dem entsprechenden DM-Äquivalent) statt 3.660 nur 1.814 Euro geworden wären. Das wären stolze 50 Prozent weniger. Umgekehrt hätte natürlich das Auslassen der schlechtesten Tage auch eine sehr positive Wirkung erzielt. Nur hat auch die aktuelle Krise einmal wieder gezeigt, dass sich die schlechtesten Tage in Regel nicht ankündigen. Wenn man dann als Investor diese Tage durchlebt hat, dann bringt das nachträgliche Kasse Schaffen häufig nicht mehr die gewünschte Wirkung, sondern kann im Extremfall zu einem Auslassen von sehr guten Tagen führen, was die Wertentwicklung langfristig weiter schmälert. Deshalb erscheint es sinnvoller, andere Wege der Risikoreduzierung zu wählen. Wie im letzten Finanzmarkt aktuell bereits beschrieben, präferieren wir hierbei Investitionen in den amerikanischen Aktienmarkt, da die Auswirkungen der Ukraine-Sanktionen stärker auf Europa wirken sollten. Auch der US-Dollar sollte sich weiter stark zeigen.

Trotz erhöhter Unsicherheit versucht die EZB die Normalisierung der Geldpolitik zu starten

In diesem unsicheren Umfeld versucht die Europäische Zentralbank EZB, die von ihr avisierte Normalisierung ihrer Geldpolitik trotz Gegenwind vorsichtig fortzusetzen. So gab EZB-Präsidentin Christine Lagarde in ihrer gestrigen Pressekonferenz zwar ein schnelleres Ende der Anleihekaufprogramme bekannt, beeilte sich aber gleichzeitig zu betonen, dass es sich hierbei nicht um eine Beschleunigung, sondern um eine Normalisierung der Geldpolitik handele und im übrigen Zinserhöhungen erst nach Abschluss der auslaufenden Kaufprogramme anstehen könnten. Darüber hinaus betonte sie auch, dass die EZB sich vorbehalte, in Abhängigkeit von der weiteren Entwicklung der Ukrainekrise ihre Maßnahmen anzupassen. Hier wird es insbesondere spannend zu sehen sein, wie die EZB auf einen möglichen weiteren Anstieg der Inflation in Europa reagiert. Ihre Erwartung hob sie immerhin schon auf 5,1 Prozent für das Gesamtjahr 2022 an, rechnet aber für die Folgejahre mit wieder sinkenden Inflationsraten bis auf 1,9 Prozent im Jahr 2024. Mit der angestrebten Normalisierung der Geldpolitik sollten Anleger weiterhin vorsichtig agieren und ihre Depots nicht mit zu lang laufenden Anleihen versehen. Unseres Erachtens besteht weiterhin das Risiko steigender Renditen einhergehend mit entsprechenden Kursverlusten.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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