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Noch im letzten „Finanzmarkt aktuell“ hatten wir uns erstaunt gezeigt, dass die Märkte bis dato sehr sorglos mit den möglichen Auswirkungen der COVID-19-Ausbreitung umgingen.

Von der Virus- zur Aktienpandemie

Volkswirtschaft und Unternehmensergebnisse werden sich bis ins zweite Quartal deutlich verschnupft zeigen

Notenbanken wollen die Pandemie der Märkte stoppen

 

Autor: Jens Herdack
Finanzmarkt aktuell per 6. März 2020
Jens Herdack,  CEFA, CIIA, Portfoliomanager

Foto Jens Herdack

Noch im letzten „Finanzmarkt aktuell“ hatten wir uns erstaunt gezeigt, dass die Märkte bis dato sehr sorglos mit den möglichen Auswirkungen der COVID-19-Ausbreitung umgingen. Inzwischen haben die Märkte eine crashartige Kehrtwende vollzogen und ein höheres Risiko eingepreist. Was im Einzelnen geschah, und warum die Märkte derart reagierten, lesen Sie im heutigen Finanzmarkt aktuell:

Von der Virus- zur Aktienpandemie

Nun ist es also doch passiert. Aus Sorglosigkeit wurde innerhalb kürzester Zeit Panik. Mit der Ankunft des neuen Coronavirus‘ in Italien und dem Auftreten weiterer Fälle außerhalb Chinas verließ die Investoren der Mut. Die Aktienmärkte verzeichneten crashartige Abschläge. So brach der Deutsche Aktienindex DAX von seinem erreichten Hoch zwischenzeitlich um mehr als 15 Prozent ein. Selbst im vermeintlich bislang weniger betroffenen Amerika mussten die Investoren Verluste in ähnlicher Größenordnung verkraften. Damit wurde ein Ausmaß erreicht, das historisch selten wie beispielsweise bei den Terroranschlägen des 11. September zu verzeichnen gewesen war. Doch sind die Auswirkungen der aktuellen „grippeähnlichen“ Pandemie wirklich mit denen historischer Ereignisse wie der Subprime-Krise oder dem Zwillingsturmanschlag vergleichbar? Die Angst der Investoren und ihre aktuelle Reaktion lässt sich besser verstehen, wenn wir uns die wirtschaftliche Entwicklung des letzten Jahres genauer anschauen: Von vielen weitestgehend unbemerkt befanden wir uns bereits seit gut einem Jahr in der EU in einer Industrierezession mit schwachen Auftragseingängen im verarbeitenden Gewerbe und damit schwacher Industrieproduktion. Kompensiert wurde diese Wachstumsschwäche vom Dienstleistungssektor und insbesondere dem privaten Konsum. Die Konsumenten in Europa und den USA zeigten sich überaus ausgabefreudig. Schon das Wegfallen chinesischer Touristen, die beispielsweise für ca. 1/3 der Luxusgüterumsätze in Italien stehen, hatte zu Jahresbeginn einigen Investoren erste Sorgenfalten auf die Stirn getrieben. Mit den deutlichen Reaktionen Italiens auf die Ausbreitung des Coronavirus‘ wurde für die Akteure am Markt dann aber die vorrübergehende Schließung von einzelnen Unternehmen und die Unterbrechung von wichtigen Lieferketten zu einer realen Bedrohung. Der Markt preist also mitnichten die „Mortalität“ des neuen Virus ein, sondern vielmehr die wirtschaftlichen Folgen, die die möglichen Gegenmaßnahmen einzelner Länder und Unternehmen haben könnten.

Volkswirtschaft und Unternehmensergebnisse werden sich bis ins zweite Quartal deutlich verschnupft zeigen

Die OECD reagierte als eine der ersten großen Organisationen mit der Rücknahme ihrer Wachstumsschätzungen für das Jahr 2020. Die US-Notenbank Fed sah sich genötigt, mit einer außerplanmäßigen Zinssenkung um 0,5 Prozent auf die Gefahren der Corona-Epidemie für die globale Wirtschaft zu reagieren, obwohl sich die amerikanische Wirtschaft noch kerngesund zeigt. Eine ähnliche Handlungsweise hatte sie zuletzt in der Finanzkrise gezeigt, was die Märkte offensichtlich eher zusätzlich verunsicherte, denn die US-Aktienmärkte reagierten nach anfänglichen Zugewinnen mit erneut deutlichen Abschlägen auf die Fed-Maßnahme. In unseren Augen werden wir zumindest im ersten Quartal zunächst deutlich schlechtere Wirtschaftszahlen sehen, und viele Unternehmen werden sich aufgrund ihrer Ad-hoc-Publizitätspflichten genötigt sehen, Gewinnwarnungen auszusprechen. Das dürfte die Schwankungen an den Märkten hochhalten, zumal die Corona-Epidemie in den Industriestaaten noch ganz am Anfang steht, während die in China bereits ihren Höhepunkt überschritten haben könnte. Im Gegensatz zu den Aktienmärkten zeigten die Rentenmärkte neue Kurs-Rekorde. So erreichte die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen einen neuen historischen Tiefpunkt. US-Ökonom und Nobelpreisträger Robert Schiller analysierte in diesem Zusammenhang gar, dass die Rendite damit den tiefsten Stand seit 150 Jahren erreicht hat und kein Ereignis in dieser langen Zeit bislang ausgereicht hatte, die US Zehnjahresrendite unter ein Prozent zu treiben. Mithin verzeichneten wir auch bei den deutschen Staatsanleihen Renditerückgänge in Richtung des bisherigen Allzeittiefs. Unternehmensanleihen reagierten hingegen mit einer deutlichen Ausweitung der Risikoprämien, die den Renditeaufschlag gegenüber Staatsanleihen beschreiben.

Notenbanken wollen die Pandemie der Märkte stoppen

Neben der Fed deutet sich eine mögliche Allianz verschiedener Kräfte zur Stützung der Weltwirtschaft an. So äußerten sowohl die Präsidentin der europäische Zentralbank EZB ihre Bereitschaft zu einer weiteren geldpolitischen Lockerung, als auch die G7 Finanzminister zu fiskalpolitischen Maßnahmen. Mithin wäre es in unseren Augen für Investoren falsch, sich aus Furcht nun vollständig aus den Märkten zu verabschieden. Vielmehr dürften die vor uns liegenden Schwankungen auch immer wieder Kaufgelegenheiten hervorbringen. Ein Überwinden der Corona-Epidemie könnte zu einer deutlichen Erholung der Märkte führen. Aufgrund der noch schwer abschätzbaren Lieferkettenprobleme ist es jedoch wahrscheinlich, dass sich diese Entwicklung bis deutlich ins zweite Quartal hinzieht.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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