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Wirtschaftliche Erholung nimmt Gestalt an

Deutsche Inflation so hoch wie zuletzt zu Beginn der Finanzkrise

Aktienmärkte zwischen Konjunkturoptimismus und Inflationsängsten

 

Autor: Sören Wiedau
Finanzmarkt aktuell per 4. Juni 2021
Sören Wiedau, CEFA, Portfoliomanager

Sören Wiedau

Es ist vollbracht. Der deutsche Aktienmarkt stieg – trotz anhaltender Inflationssorgen – auf ein neues Allzeithoch. Welchen Einfluss die steigende Inflation auf die Aktienmärkte haben könnte und wie die weiteren konjunkturellen Aussichten sind, lesen sie im heutigen Finanzmarkt aktuell.

Wirtschaftliche Erholung nimmt Gestalt an

Die Konjunktur in Amerika ist weiter mit Volldampf unterwegs. Bis Anfang Juli sollen laut Präsident Biden 70% der Erwachsenen in den Vereinigten Staaten mindestens eine Erstimpfung gegen Corona erhalten haben. Sofern eine ausreichende Impfbereitschaft besteht, scheint dieses Ziel realistisch. Zusätzlich sorgt das 1,9 Billionen US-Dollar schwere Konjunkturpaket für eine starke Konsumnachfrage. Den größten Effekt dürfte das Konjunkturprogramm jedoch erst in den weiteren Quartalen haben und dementsprechend für einen noch stärkeren Wachstumsschub sorgen. Denn bislang haben die Haushalte nur einen Teil der Direktzahlungen ausgegeben und stattdessen Geld zur Seite gelegt. Wir gehen davon aus, dass die fiskalpolitischen Impulse sowie die erfolgreiche Impfkampagne die amerikanische Wirtschaft weiter unterstützen werden.

Auch in Europa hat sich die wirtschaftliche Lage deutlich verbessert. Dies ist auch den deutlichen Impffortschritten zu verdanken. Mittlerweile sind rund 44% der Gesamtbevölkerung geimpft, was sich bereits in stark gesunkenen Infektionszahlen und einem Rückgang der Anzahl der Todesfälle niedergeschlagen hat. Dementsprechend haben die Regierungen Öffnungsschritte eingeleitet, womit sich die Stimmung bei den Firmen und den Konsumenten markant verbessert hat. Insbesondere der Dienstleistungssektor gewinnt nun rasch an Fahrt, während auch die Industrie weiter ihren Aufwärtstrend fortsetzt. Wir rechnen deshalb in den nächsten Quartalen mit einem überdurchschnittlichen Wachstum. Dafür sprechen nicht nur die weiteren Öffnungsschritte sowie die ultraexpansive Geld- und Fiskalpolitik, sondern auch das kräftigste Auftragswachstum bei den Unternehmen seit knapp 15 Jahren.

Deutsche Inflation so hoch wie zuletzt zu Beginn der Finanzkrise

Der Kosten- und Preisdruck ist zurzeit sehr hoch. Die Inflationsrate in Deutschland ist stärker als erwartet auf 2,5% gestiegen und liegt mittlerweile auf dem höchsten Stand seit über 12 Jahren. Staatliche Hilfszahlungen, eine hohe Sparquote der Haushalte, Lieferengpässe und die aufgestaute Nachfrage haben zu einem starken Konsum geführt, der die Preise verschiedener Güter und Dienstleistungen verteuert hat. Auch Basiseffekte haben die Inflation positiv beeinflusst, da die Konsumentenpreise letztes Jahr aufgrund der Pandemie stark gefallen waren und nun als Vergleichsbasis dienen. Auch wenn die Inflation noch weiter ansteigen kann, sind wir der Meinung, dass dies nicht nachhaltig geschehen wird, da die Inflation stark vom Energiebereich und von Sonderfaktoren wie der Einführung einer CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe und der Mehrwertsteuererhöhung getrieben war.

Aktienmärkte zwischen Konjunkturoptimismus und Inflationsängsten

Der deutsche Aktienmarktindex DAX hat nach einem kurzen Rückgang wieder an Fahrt gewonnen und stieg sogar zwischenzeitlich auf ein neues Allzeithoch. Erfreuliche Konjunkturdaten, fortschreitende Impfungen sowie beruhigende Aussagen der Notenbanken in Bezug auf die zu erwartende Inflation haben dazu beigetragen. Analysten gehen für 2021 von einem Gewinnwachstum von 39% aus. Neben der globalen wirtschaftlichen Erholung trägt dazu vor allem auch eine deutliche Ausweitung der Gewinnmargen bei. Dies ist erstaunlich, weil sich derzeit viele Unternehmen über höhere Kosten aufgrund von Produktionsengpässen, steigenden Rohstoffpreisen oder Zusatzaufwendungen für Logistik beklagen. Wie der Anstieg der Konsumentenpreise jedoch zeigt, gelingt es den Unternehmen zum großen Teil, diese Kosten auf die Endkunden abzuwälzen. Allerdings dürfte der eigentliche Stresstest für die Margen noch bevorstehen, denn der mit Abstand größte Kostenblock sind die Löhne und Gehälter. Hier zeichnet sich vor allem in den USA ein Anstieg ab. Trotz der steigenden Aktienmärkte bleibt der weltweite Inflationsanstieg und die damit verbundene Furcht vor einem vorzeitigen Ende der ultralockeren Geldpolitik eines der Hauptthemen. Aus unserer Sicht sollten die Aktienmärkte mit einem Inflationsanstieg gut umgehen können, solange er von Wirtschaftswachstum begleitet ist und nicht in einem Maße ansteigt, dass die Notenbanken zu einem Kurswechsel gezwungen werden. Insgesamt bleiben wir für Aktien zuversichtlich. Fortschreitende Impferfolge, steigende Konjunkturaussichten, große Fiskalprogramme der Regierungen, weitere Unterstützungen der Notenbanken sowie die immer noch tiefen Zinsen sprechen mittelfristig weiter für Aktien.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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