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„Sell in May and go away, but remember to come back in September.”

Und ewig grüßt das Murmeltier – Sell in May?

Am Scheideweg heißt nicht am Abgrund!

Buy in May für Renteninvestoren?

 

Autor: Jens Herdack
Finanzmarkt aktuell per 3. Mai 2019
Jens Herdack,  CEFA, CIIA, Portfoliomanager

Foto Jens Herdack

„Sell in May and go away, but remember to come back in September.” Wie in jedem Jahr, stellt sich der ein oder andere Investor mit Beginn des aktuellen Monats wieder die Frage, ob er diese Börsenweisheit wohl lieber beherzigen sollte? Schließlich stehen wir aktuell in vielen Bereichen am Scheideweg. Werden die Staatsanleihenmärkte und Konjunktur-Frühindikatoren Recht behalten und die Wirtschaft in Europa eine fortgesetzte Schwächephase haben? Oder haben die Aktienmärkte Recht mit ihrer diesjährigen Rallye und alles wird sich zum Guten wenden? Dies und mehr im heutigen Finanzmarkt aktuell.

Und ewig grüßt das Murmeltier – Sell in May?

Es ist wohl mit die meistzitierte Börsenweisheit überhaupt: „Sell in May…“. Doch es ist wie mit allen Weisheiten und Faustformeln – statistisch kann man in einigen Märkten durchaus eine Tendenz erkennen, dass man über sehr lange Zeiträume damit in der Vergangenheit einen besseren Ertrag erzielt hätte. Jedoch stören zwei Wörter in dieser Aussage: „historisch“ und „über sehr lange Zeiträume“. Denn nur weil ein Phänomen in der Vergangenheit beobachtet werden konnte bedeutet das nicht, dass dieses auch für die Zukunft gilt. Und wer kann es sich schon leisten „sehr lange Zeiträume“ in eine Strategie zu investieren, die dann vielleicht erst nach zwei Jahrzehnten einen Mehrertrag generiert? Schaut man in die kürzere Historie, so wäre es gar nicht so schlecht gewesen, ein Dax-Investment im Mai 2018 zu verkaufen und dann erst im September zurückzukehren. Hätte man aber in den amerikanischen S&P 500 von Anfang Mai bis Ende August investiert, so wäre man ca. 15% reicher geworden. Die Jahre zuvor war es mehr oder weniger abwechselnd gut oder schlecht, in den Sommermonaten investiert gewesen zu sein. Es ist also leider doch nicht so leicht. Aber es liegt wohl in der menschlichen Natur, sich einfache Lösungen zu wünschen, obwohl sie meist nicht existieren. Das zeigt sich auch in der aktuellen politischen Diskussion. Auch hier erzielen Parteien mit vermeintlich einfachen Antworten auf komplexe Fragen erstaunliche Erfolge.

Am Scheideweg heißt nicht am Abgrund!

So konnten die Rechtspopulisten in Spanien deutliche Stimmenanteile dazugewinnen. Jedoch haben sie hier im Gegensatz zu Italien keine reale Chance, Teil der Regierung zu werden. Die Kapitalmärkte honorieren dies mit weiter deutlich niedrigeren Risikoaufschlägen auf spanische Staatsanleihen im Vergleich zu italienischen. Dennoch steht Spanien vor einer schwierigen Regierungsbildung. Auch die EU steht gewissermaßen am Scheideweg. Umfragen sehen auch hier eine größere Spaltung innerhalb des Parlamentes mit deutlichem Stimmenzuwachs für weniger gemäßigte Parteien. Insgesamt ist die wirtschaftliche Situation in Europa aber gar nicht so schlecht. Am Scheideweg stehen wir trotzdem. Denn über die politische Situation hinaus gibt es ja auch noch den Streit mit den Amerikanern über Airbus-Subventionen und Autozölle. Der Brexit wurde nur verschoben, aber mitnichten geklärt. Am Scheideweg stehen heißt jedoch nicht unbedingt, dass sich die aktuelle Lage zwangsweise zum Schlechten wenden muss. Jede Weggabelung bietet ebenfalls Chancen, wie man am Beispiel Chinas sehen kann. Durch den Handelskrieg mit den USA und ein sich abschwächendes Wachstum ebenfalls am Scheideweg stehend, leitet die dortige Regierung massive Steuersenkungen ein, schafft Restriktionen für Auto- und Immobilienkäufe ab und treibt die Öffnung der Finanzmärkte für ausländische Investoren voran. Das sollte einen positiven Impuls für die gesamte Region mit sich bringen. Ebenso stehen viele Zentralbanken in den Schwellenländern bereit, ihre Zinspolitik zu lockern und die Wirtschaft zu stimulieren. Vor dem Hintergrund der weiter positiven Signale bei den Verhandlungen der Chinesen mit den USA haben wir daher unsere Investitionen in den Schwellenländern wieder aufgestockt, um von den Chancen einer Einigung zu profitieren. Dass positive Überraschungen möglich sind, zeigen uns die amerikanischen Unternehmen. Dort wurde für die aktuelle Berichtssaison mit sinkenden Gewinnen gerechnet. Nachdem nun mehr als die Hälfte der S&P 500 Unternehmen ihre Zahlen berichtet haben, lässt sich aber erkennen, dass diese Befürchtung nicht einzutreten scheint und nochmals Gewinnsteigerungen erzielt werden konnten. Der S&P 500 Index schickt sich deshalb sogar an, sein bisheriges Allzeithoch zu überwinden. Dementsprechend halten wir an unserem Übergewicht in amerikanischen Aktien weiter fest. Sell in May könnte also diesmal trotz gutem Jahresstart der Aktien vielleicht eher die falsche Entscheidung sein…

Buy in May für Renteninvestoren?

Auch Renteninvestoren sollten die genannten Chancen nutzen können. Denn während deutsche Staatsanleihen aufgrund der weiter anhaltenden Null-Rendite selbst im 10-jährigen Laufzeitenbereich unattraktiv bleiben, könnten hier vereinzelt Chancen in anderen Staatsanleihen, beispielweise Spaniens, genutzt werden. Darüber hinaus sind auch die Anleihen der Schwellenländer noch nicht so stark gelaufen, wie andere Rentensegmente und bergen Kurspotential.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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