Kommentar von Klaus Siegers, Vorsitzender des Vorstandes der Weberbank, im März 2017

Auf der Renditespur

Dass Geld allein nicht glücklich macht, wissen wir schon lange. Wessen man zusätzlich bedarf, darüber kann man philosophieren. Der US-Schauspieler Danny Kaye lieferte eine etwas materialistische Begründung: „Es gehören auch noch Aktien, Gold und Grundstücke dazu.“ Als Banker muss ich ihm hier natürlich im Grundsatz beipflichten. Vermögen zu bewahren und zu vermehren gelingt zukünftig nur mit einer ausgewogenen Struktur von liquiden Wertpapieren und eher weniger liquiden Substanzwerten. Meine Präferenz gehört dabei aktuell der Aktie, obwohl das politische Umfeld durchaus Störpotenzial aufweist.

Erst vor Kurzem hat die EZB ihr Anleihenkaufprogramm verlängert, das erfunden wurde, weil bei Zinssenkungen das Ende der Fahnenstange erreicht scheint. Leider begünstigt dieses Krisenmanagement das Schuldenmachen gegenüber dem Sparen. Kehrt das Gespenst „Inflation“ zurück, wäre der deutsche Sparer dann gleich doppelt gekniffen, denn die Inflation würde hier dank der guten Konjunktur am höchsten sein – wie auch jetzt schon. Die Zinsen aber bleiben überall im Euroraum gleich niedrig. Kapitalumschichtungen zugunsten von Sachwerten, wie sie Immobilien erfahren haben, werden dann noch nachvollziehbarer, als sie es aus dem reinen Ärgernis ausbleibender Zinsen bereits sind. Bei einigen Anlegern führten die Dauerniedrigzinsen inzwischen auch zu einem höheren Aktienanteil im Depot. 2015 wurde – endlich – der negative Trend fallender Aktionärszahlen gebrochen, sie stiegen von 8,4 Millionen auf neun Millionen.

Trotzdem halten nach 13 Prozent 2014 nun gerade mal 14 Prozent der Bevölkerung Aktien oder Aktienfonds im Depot. Eine Beteiligung an Unternehmen wird nach wie vor stiefmütterlich behandelt; Unternehmen, in denen unser Wohlstand erarbeitet wird und deren Produktionsanlagen, Know-how und Wertschöpfungsketten sie zu Weltmarktführern machen. Im Immobilienjargon also „Toplagen“. Dabei haben Aktien als Sachwertanlage schlagende Vorteile: Das Schöne an der Wertpapieranlage ist ja, dass man unkompliziert und mit geringem Aufwand diversifizieren kann, was das Risiko wiederum deutlich reduziert. Die Aussage, dass in einem längeren Anlagezeitraum das Aktienrisiko beherrschbar ist, gilt zudem auch dann noch, wenn allein auf die Kursentwicklung abgestellt wird, obendrein zahlen Aktien aber Dividenden. DAX-Werte im Durchschnitt rund drei Prozent, bezogen auf den Aktienkurs.

Es gibt keine konservative Anlageform, weder am Kapitalmarkt noch als Mietrendite von Immobilien, deren laufende Erträge während der Finanzkrise aufgrund steigender Kaufpreise nicht gesunken wären. Außer Aktien: Deren Dividendenrendite lag auch vor der Finanzkrise bei drei Prozent. Nur bei Aktien sind die Erträge in Form von Dividenden ebenso stark gestiegen wie der Marktwert des Anlageobjekts. Ein wichtiges Kaufargument ist immer ein nachvollziehbarer Preis. Ein DAX-Indexstand oberhalb von 11 000 Punkten heute ist überhaupt nicht mehr mit den 8000 Punkten des Jahres 2000 vergleichbar. Es steckt viel mehr Substanz und Ertragskraft dahinter. Kurz: Lassen Sie uns über Aktien sprechen – und die Einflüsse der Politik auf ihr Renditepotenzial.