Die US-Wirtschaft – Fels in der Brandung oder sinkendes Schiff?

Wirtschaft & Trends
März 2026

 

Autor: Dr. Max Hanisch
Portfoliomanager der Vermögensverwaltung bei der Weberbank. Verantwortlich im Bereich Rentenmanagement sowie die Kapitalmarktanalyse.

Dr. Max Hanisch Portfoliomanager

Die Konjunktur in den USA überraschte im Jahr 2025 mit einem robusten Wachstum, trotz zahlreicher Gegenwinde. Das größte disruptive Momentum wurde den rekordhohen Zöllen der neuen US-Administration zugeschrieben. Diese verfügten über das Potenzial, die Inflation in den USA und damit die Lebenshaltungskosten für die Bürger deutlich steigen zu lassen. Die Erwartungshaltung unter Ökonomen war, dass der US-amerikanische Konsument unter diesen Bedingungen bald das Handtuch werfen würde, womit eine wichtige Konjunkturstütze wegfiele. Auch die strikte Einwanderungspolitik stellte eine Gefahr dar, da aktive Arbeitskräfte des Landes verwiesen wurden. Ein schrumpfendes Arbeitsangebot müsste die inländische Produktion sinken lassen und im Zuge der Konkurrenz um die verbleibenden Arbeitskräfte die Löhne und damit letztlich auch die Inflation weiter anfachen. Und dennoch überraschen die Zahlen des Arbeitsmarktes und der Inflationsstatistik wieder und wieder selbst die Optimisten.

Ist die US-wirtschaft also der unumstößliche Fels in der Brandung? Nicht so schnell, denn unter der Oberfläche sind negative Effekte durchaus erkennbar. So sind es vor allem die niedrigen und zunehmend auch die mittleren Einkommensschichten, die ihren Konsum angesichts der hartnäckigen Inflation sehr wohl einschränken. Dieser Vorgang bleibt beim Blick auf das Aggregat verborgen, denn noch konsumieren die Haushalte mit hohem Einkommen so stark, dass sie diesen Rückgang „ausbügeln“. Gleichzeitig verliert der Arbeitsmarkt in den USA zunehmend an Schwung. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen geht zurück. Dass die Arbeitslosenquote dabei konstant und als Alarmsignal stumm bleibt, liegt daran, dass das Arbeitsangebot im Zuge der strikten Einwanderungspolitik parallel zurückgeht.

Umfragen deuten aber darauf hin, dass die Verunsicherung in der Bevölkerung mit Blick auf Arbeitsplatzsicherheit stark gestiegen ist. Diese Unsicherheit beruht darüber hinaus auch auf dem scheinbar unaufhaltsamen Voranschreiten der künstlichen Intelligenz. Welche Arbeitsplätze sie in Zukunft ersetzen wird, ist kaum abzusehen. Es deutet sich aber zunehmend an, dass es durchaus auch die höher bezahlten Tätigkeiten treffen könnte, zum Beispiel im Bereich der Softwareentwicklung. Sollten daher auch die höheren Einkommensschichten aus Sorge um ihren Arbeitsplatz ihren Konsum einschränken, könnte die letzte Konsumstütze der US-Wirtschaft wegbrechen, damit weitere Arbeitsplätze kosten, und es käme zu einer Abwärtsspirale.

Steht das US-Schiff also doch kurz vor dem Untergang? Auch hier, nicht so schnell. Selbst wenn der Konsum scheinbar am seidenen Faden hängt – er hält. Darüber hinaus sollten Lohnerhöhungen sukzessive für eine Verbesserung der Einkommenssituation sorgen und den Konsum auf eine breitere Basis stellen. Das Fortschreiten der KI in der Arbeitswelt eröffnet neue Möglichkeiten und könnte so den Wegfall klassischer Beschäftigungsfelder kompensieren. Umfangreiche Investitionen in die nötige Dateninfrastruktur tragen zum Wachstum bei. Tatsächlich sehen wir die Chancen für die US-Wirtschaft im Jahr 2026 durchaus konstruktiv und rechnen mit einem BIP-Wachstum von mindestens zwei Prozent. Dazu trägt auch bei, dass viele Unternehmen solide aufgestellt und sowohl Fiskal- als auch Geldpolitik expansiv ausgerichtet sind.

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