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Der Ausbau der digitalen Infrastruktur ist die Chance des 21. Jahrhunderts

Wirtschaft & Trends
März 2019

 

Autor: Jan Gengel
ist Direktor der Weberbank und seit 2006 als Portfoliomanager im Bereich Vermögensverwaltung verantwortlich für das Rentenmanagement und die Kapitalmarktanalyse des Hauses. Als gelernter Bankkaufmann werden seine beruflichen Erfahrungen durch die akademischen Abschlüsse als Diplom-Volkswirt der Humboldt Universität zu Berlin, Certified European Financial Analyst (CEFA) und Certified International Investment Analyst (CIIA®) abgerundet.

Jan Gengel

SORGEN ÜBER SORGEN PRÄGTEN die vergangenen Monate. Diskussionen, die sich vorwiegend auf Probleme konzentrieren, überschatten zu oft die vor uns liegenden Chancen. Daher möchte ich diesen Artikel einer sich geradezu aufdrängenden Möglichkeit widmen – dem technologischen Wandel.

Dieser Wandel ist keine Zukunftsmusik für die kommenden Dekaden, nein, wir befinden uns bereits mittendrin. Die Frage ist mehr, wie wir ihn gestalten und welche Chancen sich für Deutschland und die EU aus ihm ergeben. Die Perspektiven durch die disruptiven Veränderungen sind enorm, vergleichbar mit der Erfindung der Dampfmaschine und der industriellen Revolution.

ABER DIE GEFAHREN, IM WETTBEWERB mit den USA oder Asien ins Hintertreffen zu geraten, sind ebenso hoch. Damit verbunden wäre die Abwanderung zukunftweisender Wirtschaftszweige und Arbeitsplätze. Gemäß dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) wird die Digitalisierung als der wesentliche Motor des technologischen Fortschritts des 21. Jahrhunderts gesehen. Dabei stellen Daten und neue Geschäftsmodelle (Industrie 4.0) den Treibstoff des Wandels dar und schnellere Breitbandnetze, sogenannte Gigabitnetze, die notwendigen Transportwege. Grob können diese auf zwei Arten erfolgen, per Kabel über Glasfaserleitungen oder drahtlos über den neuen 5G-Standard.

Der Teufel steckt jedoch im Detail, denn die sich dahinter verbergende Komplexität ist enorm, und die Diskussionen über den richtigen Weg und die dafür notwendigen staatlichen Anreize sind sehr kontrovers. Einigkeit zeigt sich jedoch bei den enormen volkswirtschaftlichen Potenzialen. So schätzt beispielsweise das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, dass allein bis 2020 die Wirtschaftsleistung in Deutschland um rund 82 Milliarden Euro gesteigert werden kann.

DIE LÄNGERFRISTIGEN PERSPEKTIVEN dürften weit darüber hinausreichen. Vorausgesetzt, die Fähigkeiten zur Nutzung der Technologien werden konsequent vorangetrieben. In der Regel wird dabei auf den flächendeckenden Ausbau von gigabitfähigen Anschlüssen für Unternehmen und Haushalte abgezielt. Und genau hier hat Deutschland aus meiner Sicht eine große Chance, mit zielgenauen und effizienten Investitionsanreizen eine führende Rolle zu übernehmen. Die Realität sieht leider anders aus. Bei der Verfügbarkeit von schnellen Anschlüssen sind wir gemäß dem DIW allenfalls Durchschnitt und bei der Nachfrage weit abgeschlagen. Es scheint die Preisgestaltung der Anbieter deutlich über deren Nutzen zu liegen.

So liegt der Anteil von nachgefragten Hochgeschwindigkeitsanschlüssen (gigabitfähige Glasfaserleitungen) in Deutschland bei gerade einmal zwei Prozent. Der OECD-Durchschnitt beträgt dagegen 21 Prozent, in Japan oder Südkorea ist der Anteil sogar höher als 70 Prozent. Offensichtlich passen Angebot und Nachfrage hierzulande nicht zusammen. Solange kein Richtungswechsel erfolgt, fehlen aus Sicht der Unternehmen Anreize für einen weiteren Netzausbau, und damit besteht die Gefahr, dass Deutschland den inter nationalen Anschluss verliert.

DIESEN WIEDER AUFZUHOLEN ist äußert schwierig, wie wir es am Beispiel der Elektromobilität derzeit deutlich sehen. Aus meiner Sicht völlig unverständlich, haben wir doch jetzt die Chance und die günstigsten Finanzierungsbedingungen, unsere Wirtschaft und damit unseren Lebensstandard fit für das kommende Zeitalter der digitalen und vernetzten Welt zu machen.

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