Autor: Dr. Max Hanisch
Portfoliomanager
DIE DEUTSCHE VOLKSWIRTSCHAFT ist seit der Coronapandemie real quasi nicht gewachsen, und lange schien die Politik keine nennenswerten Konzepte als Ausweg zu haben. Diese Situation hat uns erneut den Titel des „kranken Mannes Europas“ eingebracht, wie bereits um die Jahrtausendwende, als hohe Lohn- und Arbeitskosten die Wirtschaft lähmten. Zuletzt waren es dagegen eher ein schwacher Binnenkonsum und ausbleibende Investitionen, die als Ursache ausgemacht wurden. Angesichts niedriger relativer Schuldenstände sollte der „schlafende Riese“ mittels fiskalischer Ausgabenpakete geweckt werden, lautete die häufige Forderung. Bisher prallte sie jedoch an der deutschen Schuldenbremse ab.
ZU EINEM GRUNDLEGENDEN UMDENKEN führte erst der drohende Rückzug der USA als Unterstützer der Ukraine Anfang des Jahres. Die Notwendigkeit, diese Lücke zu füllen und künftig auch zunehmend für die eigene Sicherheit zu sorgen, hat in Deutschland einen grundlegenden Sinneswandel ausgelöst. Nicht nur sollen die in der Vergangenheit stark vernachlässigten Verteidigungsausgaben kräftig steigen, begleitet werden sie von ebenfalls umfassenden Investitionen in die Infrastruktur. Damit kommt die neue Bundesregierung den lange schon geäußerten Forderungen nach: Der Riese ist erwacht.
SOWOHL DIE KURZ- ALS AUCH DIE MITTELFRISTIGEN AUSSICHTEN Deutschlands haben sich in diesem Zuge grundlegend verbessert. Zunächst dürften die geplanten Ausgaben für Nachfrage und damit konjunkturellen Schwung sorgen. Mit ersten Effekten ist ab Ende dieses Jahres, hauptsächlich aber wohl ab dem kommenden Jahr zu rechnen. Zudem sollte sich auch das sogenannte Produktionspotenzial verbessern. Darunter versteht man das durchschnittliche Wachstum einer Volkswirtschaft, welches sich einstellt, wenn Zinsen und Inflation sich nahe an ihrem natürlichen Niveau befinden. In Deutschland betrug das Produktionspotenzial zuletzt nur noch circa 0,5 Prozent. Wenn die nun vorgesehenen Mittel in sinnvolle, produktive Investitionen fließen – dazu zählen beispielsweise Bildung oder (digitale) Infrastruktur –, dann könnte sich dieses Potenzial verdoppeln.
DIE DAFÜR ERFORDERLICHEN SUMMEN sollen in Form von neuen Schulden aufgebracht werden. Droht der deutsche Fiskus sich damit zu übernehmen? Dass sich vor allem die Rentenmärkte gegen schuldenfinanzierte Ausgaben wehren, kommt immer wieder vor. Die Antwort lautet aus zwei Gründen Nein. Erstens ist die Ausgangslage mit etwa 60 Prozent Staatsverschuldung in Relation zum deutschen BIP sehr gut, sie kann die zusätzlichen Schulden gut verkraften. Und wenn zweitens die Mittel, wie oben erwähnt, produktiv eingesetzt werden und ihrerseits wiederum zu mehr Produktion führen, dann finanzieren sie sich zumindest zum Teil selbst und tragen dazu bei, die deutsche Volkswirtschaft dauerhaft auf einen höheren Wachstumspfad zu heben.
TATSÄCHLICH WURDE DIE NACHRICHT an den Märkten freudig aufgenommen. Zwar stiegen die Renditen auf deutsche Staatsanleihen spürbar an, diese Anstiege stellen aber eher eine technische Anpassung an die bevorstehende Ausweitung deutscher Anleihen dar. Die Reaktion ist ein Signal dafür, dass der Zweck der Ausgaben als angemessen betrachtet wird. Angesichts der globalen Herausforderungen lässt Deutschland seine (fiskalischen) Muskeln gerade zur richtigen Zeit spielen.
Dr. Max Hanisch ist seit 2024 als Portfoliomanager bei der Weberbank tätig. Im Bereich Vermögensverwaltung verantwortet er das Rentenmanagement sowie die Kapitalmarktanalyse. Seine beruflichen Erfahrungen als Konjunktur- und Finanzmarktexperte werden durch den akademischen Abschluss zum Master of Economics und eine Promotion zum Dr. rer. pol. der Universität Münster abgerundet.
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