Geduld: die unsichtbare Rendite

Der Ölpreis vermiest die Stimmung

Stell Dir vor, es ist Krise, und keiner geht hin

Geduld: die unsichtbare Rendite

 

 

Autor: Jens Herdack
Finanzmarkt aktuell per 30. April 2026
Jens Herdack,  CEFA, CIIA, Portfoliomanager

Jens Herdack Portfoliomanager

Die erstaunliche Bewegung der US-Aktienmärkte auf neue Höchststände trotz weiter gesperrter Straße von Hormus soll in dieser Woche ihren fundamentalen Unterbau bekommen. So werden ebenso viele wie wichtige Unternehmen aus dem US-amerikanischen S&P-500-Index ihre Quartalsergebnisse präsentieren, so dass damit 40% der gesamten Index-Marktkapitalisierung abgedeckt werden. Die bisherigen 20% wussten durchaus zu glänzen, aber wird das auch für die anstehenden Ergebnisse der Tech-Giganten gelten? Mehr über die Erwartungen an die Unternehmen und die globale Konjunkturentwicklung erfahren Sie im heutigen Finanzmarkt aktuell:

Der Ölpreis vermiest die Stimmung

Zum Unmut aller Autofahrer in Deutschland gibt es weiterhin keine Lösung für den Konflikt zwischen den USA und dem Iran und somit auch keinen Hinweis auf eine baldige Öffnung der Straße von Hormus. In der Folge verzeichnete der Preis für Öl der Nordsee-Sorte Brent in dieser Woche einen weiteren deutlichen Anstieg. Bei Redaktionsschluss lag dieser bereits bei 122 US-Dollar pro Fass. Dementsprechend ist die Stimmung bei den deutschen Verbraucherinnen und Verbrauchern deutlich getrübt. Die Stimmung der Einkaufsmanager der Unternehmen ist nicht sehr viel besser. Mithin zeigte auch der deutsche ifo-Index, der als Frühindikator für die Wirtschaftsentwicklung gilt, einen deutlichen Rückgang. Die Befürchtungen der Verbraucher münden in steigenden Inflationserwartungen. So erreichten die von der Europäischen Zentralbank (EZB) per Umfrage ermittelten Preisanstiegserwartungen der Haushalte für die kommenden 12 Monate mit 4% einen Höchststand seit 2022. In die gleiche Richtung weist die am Mittwoch veröffentlichte deutsche Inflationsrate, die auf 2,9% anwuchs. Damit steigt auch der Druck auf die EZB, deren Ziel die Sicherstellung von Preisstabilität ist. Am Markt werden für Europa inzwischen schon drei Zinserhöhungen für das Jahr 2026 eingepreist. Konträr dazu dürfte nach dem Ausräumen letzter Zweifel im US-Senat nun wohl die Neubesetzung des Präsidentenposten der US-Zentralbank (Fed) mit Kevin Warsh als sicher gelten. Zwar betonte er in den Anhörungen des US-Bankenausschusses noch einmal die Unabhängigkeit der Fed von der US-Politik, wir erwarten jedoch, dass er als Trump-Kandidat in diesem Jahr eher Zinssenkungen durchsetzen wird. Selbst im Falle einer bis in den Herbst fortdauernden Schließung der Straße von Hormus dürfte er wohl zumindest Zinserhöhungen einen klaren Riegel vorschieben.

Stell Dir vor, es ist Krise, und keiner geht hin

Trotz getrübter Verbraucherstimmung schlagen sich die Aktienmärkte sehr gut. So stieg der amerikanische Wachstumswerteindex NASDAQ 100 von seinem kurzzeitigen Tiefstand Ende März im aktuellen Monat um 20% und erreichte damit ein neues Allzeithoch. Der breitere S&P-500-Index tat es ihm gleich. In Europa wachsen die Bäume hingegen nicht in den Himmel. Hier wurden noch keine Rekordstände erreicht. Das ist auch fundamental durchaus plausibel, denn vergleicht man die Gewinnerwartungen dies- und jenseits des Atlantiks, so tut sich weiter eine deutliche Spreizung auf. Vor Beginn der aktuell laufenden Unternehmens-Berichtssaison zu den Ergebnissen im ersten Quartal 2026 lagen diese bei ungefähr 12 Prozent für den US-Markt, aber nur im niedrigen einstelligen Bereich für die europäischen Aktien. Die bessere US-Entwicklung muss nun aber auch fundamental gerechtfertigt werden. Und diesbezüglich sieht es bislang sehr gut aus. So haben nach Marktkapitalisierung bereits 20% der Unternehmen des S&P 500 ihre Ergebnisse veröffentlich. In allen Sektoren steht bisher ein deutlich positiver Wachstumswert. In dieser Woche folgen nun weitere 40%, so dass schon zum Ende der Woche ungefähr 2/3 der S&P-500-Unternehmen berichtet haben werden. Wir rechnen mit einer sehr positiven Berichtssaison, die womöglich die ohnehin schon guten Schätzungen ein weiteres Mal übertreffen sollte. In Europa dürfte das Wachstum schwächer ausfallen. Dass die sehr konservativen Schätzungen aber geschlagen werden, halten wir ebenfalls für wahrscheinlich.

Geduld: die unsichtbare Rendite

Was bedeutet das gespaltene Bild zwischen schlechter Verbraucherstimmung bei steigenden Preisen und Partystimmung an den Aktienmärkten für das eigene Depot? Zunächst einmal führen die Inflationssorgen zu gestiegenen Renditeniveaus bei Staatsanleihen. So liegen die Renditen deutscher Staatsanleihen mittlerer Laufzeit nahe ihren Höchstständen aus dem Jahr 2023. Investorinnen und Investoren bietet sich somit die Chance, sich diese attraktiven Renditen zu sichern. Aktienseitig bleibt eine ruhige Hand gefragt. Hektische Maßnahmen bei der Steuerung der Aktienquote können die langfristige Rendite deutlich gefährden. So wäre ein Ausstieg im März dieses Jahres wieder einmal die falsche Entscheidung gewesen. Oder wie es eine Börsenweisheit treffend ausdrückt: „Die Börse ist ein Ort, an dem das Geld von den Ungeduldigen zu den Geduldigen wandert.“ Wir wählen hier lieber den Weg der selektiven Anpassung des Portfolios. So ist es angeraten, die Reagibilität der eigenen Aktien bezüglich steigender Ölpreise und einer nachlassenden Verbraucherstimmung zu überprüfen und ggf. Anpassungen vorzunehmen. Der Technologiesektor ist in diesem Zusammenhang unseres Erachtens weiterhin sehr attraktiv, zumal die Bewertungen hier zuletzt sogar zurückgegangen sind und nun deutlich näher an denen des breiten Marktes liegen.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

i