Zwischen Inflation, KI-Boom und Börsenrallye

Transatlantisches Gefälle

Inflationsstreiber Künstliche Intelligenz

Ruhe bewahren – Chancen nutzen

 

Autor: Bastian Ernst
Finanzmarkt aktuell per 29. Mai 2026
Bastian Ernst, Portfoliomanager

Bastian Ernst Portfoliomanager

Von Iran bis DRAM: Während der Konflikt im Mittleren Osten die Weltwirtschaft zunehmend belastet und Inflation sowie Zinsen wieder anziehen, sorgen insbesondere Technologieunternehmen für eine erstaunliche Dynamik an den Börsen. In der neuen Ausgabe von Finanzmarkt aktuell lesen Sie, ob wir eine Fortsetzung der Tech-Rallye erwarten:

Transatlantisches Gefälle

Die Spannungen im Iran hinterlassen zunehmend Spuren in der Wirtschaft – allerdings sehr ungleich verteilt: Während die USA weiterhin mit robusten Konjunkturdaten überraschen, leidet Europa stärker unter seiner hohen Abhängigkeit von Energieimporten, was die ohnehin zaghafte wirtschaftliche Erholung ausbremst. Gleichzeitig steigt die Inflation wieder – und damit auch der Handlungsdruck auf die Zentralbanken. Sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die US-Notenbank Fed sendeten zuletzt deutlich restriktivere Signale. Die EZB dürfte bereits bei ihrer kommenden Sitzung im Juni eine erste Zinsanhebung beschließen. Die Folge: Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen stiegen zeitweise auf rund 3,2 Prozent – den höchsten Stand seit 2011. In den USA bleibt der weitere Zinspfad dagegen schwerer einzuschätzen. Die Federal Reserve muss qua ihres offiziellen Auftrags, anders als die EZB, nicht nur die Inflation bekämpfen, sondern auch die Entwicklung am Arbeitsmarkt berücksichtigen. Dadurch steht sie weniger unter Druck, rasch die Zinsen anzuheben, wenngleich von US-Präsident Donald Trump vehement eingeforderte Zinssenkungen unwahrscheinlicher geworden sind. Besonders spannend bleibt daher die Frage, wie sich die Fed unter ihrem neuen Präsidenten Kevin Warsh künftig positionieren wird.

Inflationsstreiber Künstliche Intelligenz

Ein weiterer Inflationstreiber kommt derzeit aus dem Technologiesektor. Die Preise für Halbleiterchips steigen unaufhörlich weiter. Grund dafür ist die enorme Nachfrage nach KI-Rechenleistung. Weltweit investieren Unternehmen massiv in künstliche Intelligenz und benötigen dafür immer leistungsfähigere Chips. Gleichzeitig ist das Angebot an Chips, insbesondere bei Speicherchips, extrem gering. Da diese Chips meist aus Ostasien importiert werden, führt dies zu steigender Inflation einerseits und zu sprudelnden Gewinnen bei den Chipproduzenten andererseits. Asiatische Chipkonzerne können ihre Gewinne in diesem Jahr zum Teil vervielfachen und stellen damit selbst die US-Technologiegiganten in den Schatten. Bemerkenswert ist dabei, dass asiatische Aktien trotz stark gestiegener Kurse im Vergleich zu Aktien aus Industriestaaten deutlich günstiger bewertet bleiben. Anders als in früheren Technologiephasen werden die steigenden Aktienkurse von stark wachsenden Unternehmensgewinnen getragen. Den Preis für die explodierenden Unternehmensgewinne zahlen neben den Betreibern von Rechenzentren wir als Verbraucher. Preise für Konsumgüterelektronik sind bereits merklich gestiegen und werden voraussichtlich weiter anziehen.

Ruhe bewahren – Chancen nutzen

Ein Ende des KI-Investitionsbooms ist indes nicht absehbar. Die Auftragsbücher der Datenzentrenbetreiber sind prall gefüllt, die Nachfrage kaum zu bedienen. Vor diesem Hintergrund erscheinen neben Schwellenländeraktien auch US-Aktien weiterhin attraktiver als der europäische Aktienmarkt. Europäische Unternehmen konnten zuletzt zwar mit besseren Unternehmensgewinnen überraschen, doch der mittelfristige Ausblick bleibt im Vergleich zu den USA unsicherer. Trotz des insgesamt positiven Umfelds ist an den Märkten jedoch etwas Vorsicht angebracht. Nach dem anfänglichen Pessimismus der Marktteilnehmer infolge des Iran-Konflikts schlägt das Pendel derweil eher in Euphorie um – ein mögliches Warnsignal für kurzfristige Rückschläge. Sollte es an den Börsen zu einer Verschnaufpause kommen, wäre dies jedoch kein Grund zur Panik – im Gegenteil: Es böte sich unseres Erachtens eine Kaufgelegenheit, um insbesondere im Technologiesektor, der trotz allem fair bewertet ist, langfristig Positionen aufzubauen. Dabei fokussieren wir uns weiterhin auf Qualitätsunternehmen, welche sich insbesondere durch eine hohe Profitabilität, eine moderate Verschuldung sowie ein robustes Geschäftsmodell kennzeichnen.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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