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Die EZB reagiert auf steigende Inflationszahlen

Russland dreht weiter am Gashahn

Ein perfekter Sturm vor Europa

Weitere Zinserhöhungen in den USA

 

Autor: Dr. Martin Zurek
Finanzmarkt aktuell per 29. Juli 2022
Dr. Martin Zurek, Portfoliomanager

Dr. Martin Zurek

Die letzten Wochen waren sehr stark von einer weiteren Verschärfung des Russland-Ukraine-Krieges und Maßnahmen der Zentralbanken zur Inflationsbekämpfung geprägt. Lesen Sie mehr über die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen und die möglichen Folgen in dieser Ausgabe von Finanzmarkt aktuell.

Russland dreht weiter am Gashahn

In Europa verschärft sich die Energiekrise, die durch die ausbleibenden russischen Gaslieferungen ausgelöst wurde, weiter. Nach Angaben der deutschen Bundesnetzagentur sind die Lieferungen über Nord Stream 1 seit dem 27. Juli auf nur noch 20 % der möglichen Kapazität zurückgegangen. Während Russland die Lieferkürzung mit sanktionsbedingten Problemen für Turbinen rechtfertigt, werfen die europäischen Staats- und Regierungschefs Moskau vor, die Abhängigkeit vom russischen Gas als außenpolitisches Druckmittel und möglicherweise als Teil seiner Kriegsstrategie einzusetzen. Die Drosselung der Gaslieferungen hat zu einem unverhältnismäßigen Anstieg der Gaspreise geführt, die sich seit Anfang Juni mehr als verdoppelt haben. Die hohen Energiepreise bremsen die bereits angeschlagene Industrieproduktion in Europa noch weiter und treiben die Inflation auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten. Obwohl sich die EU intensiv um alternative Lieferquellen bemüht, ist die Abhängigkeit von russischem Gas nach wie vor sehr groß. Um ihr Ziel zu erreichen, die Gasspeicher vor dem Winter auf 85 % zu füllen, hat die EU am Dienstag einen Plan zur Senkung der Nachfrage um 15 % gebilligt. Da das Angebot jedoch selbst mit Unterstützung von Flüssiggaslieferungen aus den USA aufgrund von Ausfällen und eines hohen Wettbewerbs mit asiatischen Abnehmern knapp ist, steht die Erreichung dieses Ziels noch auf sehr wackligen Beinen. Inwieweit Russland den Gashahn vollständig zudrehen wird, lässt sich derzeit nur schwer abschätzen. Es scheint jedoch, dass sich die EU auf noch härtere Zeiten einstellen muss.

Ein perfekter Sturm vor Europa

Letzte Woche kündigte EZB-Präsidentin Christine Lagarde die erste Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank seit 11 Jahren an. Mit 50 Basispunkten fiel sie höher aus, als die von Ökonomen ursprünglich erwarteten 25 Basispunkte. Damit reagiert nun auch die EZB auf die steigenden Inflationszahlen. Die Verbraucherpreise in Europa und in den USA stiegen seit Beginn des Jahres vergleichbar schnell um fast 9%.  Die Ursachen unterscheiden sich jedoch: Während in den USA die Preiserhöhungen insbesondere durch eine hohe Nachfrage verursacht sind, hat in Europa der Angebotsschock durch die Unterbrechung der russischen Gaslieferungen einen viel stärkeren Einfluss, was den Handlungsspielraum der EZB wesentlich einschränkt. Dies sorgt für deutliche Unsicherheit über die weiteren geldpolitischen Maßnahmen. Hinzu kommen erneut wieder politische Unwägbarkeiten. Am Tag des EZB-Beschlusses wurde bekannt gegeben, dass der italienische Premierminister und ehemalige EZB-Präsident Mario Draghi wegen der Verweigerung der Zusammenarbeit seiner Koalitionspartner zurückgetreten ist. Infolgedessen muss Italien seine Parlamentswahlen, die eigentlich im Frühjahr 2023 stattfinden sollten, auf September dieses Jahres vorziehen. Die chaotische politische Situation in Italien kommt für die EU zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, da sowohl die Bundesregierung durch die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine als auch der französische Präsident Emmanuel Macron durch den Verlust seiner parlamentarischen Mehrheit geschwächt scheinen.

Weitere Zinserhöhungen in den USA

Während Europa gerade erst mit der Anhebung der Zinssätze begonnen hat, setzt die US-Notenbank mit einer weiteren Anhebung um 75 Basispunkte ihre drastische Straffung fort. Bemerkenswerterweise stiegen die US-Aktien daraufhin stark an. Dabei reagierte der Markt insbesondere auf die Äußerung des Notenbank-Vorsitzenden, Powell, dass es nach einer weiteren potenziell umfangreichen Zinserhöhung im September wahrscheinlich angebracht sei, das Tempo der Erhöhungen zu verlangsamen, um der Zentralbank die Möglichkeit zu geben, die Auswirkungen ihrer aggressiven Inflationsbekämpfung zu bewerten. Vorsichtige Stimmen entgegneten allerdings, dass dies noch lange nicht bedeute, dass die Fed ihren Straffungszyklus beenden werde. Zudem folgten auf die letzten beiden Zinserhöhungen im Mai und Juni ebenfalls erst Kursgewinne und dann noch größere Ausverkäufe. Von einem Aufatmen an den US-Kapitalmärkten kann also noch keine Rede sein. Deshalb sind wir davon überzeugt, dass die von uns verwalteten Portfolios mit robusten Anlagesegmenten, die auf höchste Bonität und geringe Zyklizität ausgerichtet sind, weiterhin sehr gut aufgestellt sind.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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