Autor: Sören Wiedau
Finanzmarkt aktuell per 27. März 2026
Sören Wiedau, CEFA, Portfoliomanager
Die globalen Finanzmärkte befinden sich in einem Umfeld wachsender Unsicherheit. Die anhaltende Eskalation im Iran-Konflikt mit Angriffen auf die Energieinfrastruktur und steigenden Öl- und Gaspreisen belastet die Risikobereitschaft der Anleger, während höhere Inflationsrisiken in Europa und ausbleibende Signale für baldige Zinssenkungen in den USA den Druck zusätzlich erhöhen. Zuletzt sorgten Hoffnungen auf eine diplomatische Annäherung zwischen den USA und dem Iran für eine Erleichterung an den Märkten. Doch die fortgesetzte Eskalation in der Region und das gegenseitige Infragestellen diplomatischer Fortschritte führen weiter zu großen Verunsicherungen. Welche Auswirkungen der Iran-Krieg auf die Wirtschaft und die Finanzmärkte haben könnte, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell“.
Warum der Irankonflikt die Konjunkturrisiken wachsen lässt
Der militärische Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran wird aus unserer Sicht die wirtschaftlichen Risiken in den USA und Europa steigen lassen. Entscheidend bleibt dabei die Entwicklung an den Energiemärkten. Solange die Versorgung über den Persischen Golf nur vorübergehend gestört wird, dürften die wirtschaftlichen Folgen beherrschbar bleiben. Erst bei einem längeren Konflikt mit dauerhaft höheren Öl- und Gaspreisen würde der Druck auf Inflation, Konsum und Unternehmensinvestitionen deutlich zunehmen. Neben Asien ist Europa für einen solchen Schock besonders anfällig, weil viele Länder stark von Energieimporten abhängen. Steigende Energiepreise belasten die Kaufkraft der Haushalte, erhöhen die Produktionskosten und treffen vor allem energieintensive sowie exportorientierte Branchen. Das spricht aus unserer Sicht in den kommenden Monaten eher für ein schwächeres Wachstum als für einen kräftigen Aufschwung. Gleichwohl gibt es auch stabilisierende Faktoren. Die Arbeitsmärkte in vielen Ländern bleiben bislang robust, und von staatlichen Investitionsprogrammen, etwa in Deutschland, könnten im weiteren Jahresverlauf positive Impulse ausgehen. Die USA starten aus einer insgesamt stärkeren Position. Die Wirtschaft ist weniger abhängig von importierter Energie, der Binnenkonsum zeigt sich widerstandsfähig und der Arbeitsmarkt bleibt stabil. Zwar belasten höhere Benzinpreise die privaten Haushalte und verteuern Transport und Produktion, doch die US-amerikanische Wirtschaft verfügt über größere Puffer als Europa. Hinzu kommt, dass eine weiterhin solide Nachfrage und mögliche spätere Zinssenkungen die Konjunktur mittelfristig stützen könnten. Insgesamt steigt damit aber das Risiko einer Phase mit schwächerem Wachstum und anhaltendem Preisdruck. Eine ausgeprägte Stagflation ist nicht unser Basisszenario. Vieles hängt davon ab, dass der Konflikt nicht weiter eskaliert und die Energieversorgung stabilisiert werden kann. Gelingt dies, dürften sowohl die USA als auch Europa die Belastungen verkraften, wenn auch mit geringerer Wachstumsdynamik als noch zu Jahresbeginn erwartet.
EZB und Fed zwischen Inflationsdruck und Kriegsrisiko
Die Europäische Zentralbank (EZB) steht derzeit unter erheblichem Druck. Der Krieg im Iran hat die Energiepreise in Europa spürbar steigen lassen, was die Inflationsaussichten verschlechtert. Die EZB reagierte bislang abwartend, obwohl sie ihre Inflationsprognose nach oben und ihre Wachstumsschätzungen nach unten korrigiert hat. Auch in den USA hat die Notenbank (Fed) ihre Haltung verschärft. Die Federal Reserve beließ den Leitzins zwar unverändert, deutete jedoch an, dass Zinssenkungen erst dann denkbar sind, wenn die Inflation wieder klar in Richtung Zielwert tendiert. Damit reagierte Fed-Chef Jerome Powell auf den jüngsten Anstieg der Erzeugerpreise und die Unsicherheit durch den Nahost-Konflikt. An den Rentenmärkten führte die neue Unsicherheit zu steigenden Renditen, besonders bei kurzlaufenden Anleihen. Wir erwarten für die kommenden Monate stabile Leitzinsen in Europa, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit für Zinserhöhungen aufgrund der Inflationsgefahr gestiegen. Die Fed wird voraussichtlich abwartend bleiben und wahrscheinlich nur ein bis zwei vorsichtige Senkungen vornehmen. Entscheidend wird bleiben, wie sich die Energiepreise entwickeln und ob es zu einer Entspannung im Nahen Osten kommt. Erst dann dürfte die Debatte über Zinssenkungen wieder an Fahrt gewinnen.
Aktienmärkte zwischen geopolitischen Risiken und robusten Fundamentaldaten
Die Aktienmärkte haben im März spürbar auf die verschärften geopolitischen Spannungen reagiert. Insbesondere Angriffe auf Energieinfrastruktur sowie die anhaltende Gefahr einer Blockade der Straße von Hormus ließen den Ölpreis zeitweise auf knapp 120 US-Dollar je Barrel steigen. Damit ist das Risiko eines erneuten Inflationsimpulses bei gleichzeitig schwächerer Wachstumsdynamik wieder stärker in den Fokus gerückt. Die Reaktion der regionalen Börsen fällt dabei unterschiedlich aus. Europäische Aktienmärkte stehen aufgrund ihrer höheren Energieabhängigkeit und ihrer stärker industriell geprägten Wirtschaftsstruktur unter größerem Druck. In den USA wirken demgegenüber eine robuste Binnenwirtschaft, strukturelles Wachstum im Technologiesektor sowie die hohe Preissetzungsmacht vieler Unternehmen stabilisierend. Dennoch sprechen einige derzeit vorliegende Hinweise eher für eine Begrenzung der Eskalation als für eine nachhaltige Verschärfung. Die wirtschaftlichen Kosten einer weiteren Zuspitzung wären für alle Beteiligten erheblich. Vor diesem Hintergrund bleibt eine schrittweise Entspannung der Lage unser Basisszenario. Mit einer Normalisierung der Energiepreise würde sich auch der Inflationsdruck verringern und der geldpolitische Handlungsspielraum der Notenbanken wieder zunehmen. Vor diesem Hintergrund werten wir die aktuelle Marktschwäche als Korrektur innerhalb eines weiterhin intakten mittelfristigen Aufwärtstrends. Insbesondere in den USA bleiben die fundamentalen Rahmenbedingungen aus unserer Sicht tragfähig. Solides Gewinnwachstum, stabile Margen sowie strukturelle Treiber wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz stützen die Ertragsentwicklung der Unternehmen. Kurzfristig dürfte die Volatilität jedoch erhöht bleiben. Die Märkte reagieren weiterhin sensibel auf geopolitische Nachrichten und Entwicklungen an den Energiemärkten. Auch regional dürfte die Differenzierung anhalten. Während Europa in höherem Maße von externen Einflussfaktoren abhängig bleibt, verfügen die USA derzeit über die größere wirtschaftliche Widerstandskraft.
Haftungsausschluss:
Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.
Ansprechpartner für Journalisten:
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