DAX erstürmt 24.000er Marke

Moody‘s stuft die Kreditwürdigkeit der USA herab

Herabstufung der US-Bonität mit wenig Reaktionen am Rentenmarkt aufgenommen

DAX erstürmt die 24.000er Marke

Für Investoren heißt es: Stay cool!

 

Autor: Jens Herdack
Finanzmarkt aktuell per 23. Mai 2025
Jens Herdack,  CEFA, CIIA, Portfoliomanager

Jens Herdack Portfoliomanager

Es liegen zwei Wochen hinter uns, die für etwas Beruhigung an den Finanzmärkten sorgten. So einigten sich – zumindest vorübergehend – die großen Weltmächte China und die USA auf eine Rücknahme der immer weiter angehobenen Zölle von 145 bzw. 125 Prozent auf „nur“ noch 30 und 10 Prozent. Dass Moody’s das Kredit-Rating der USA herabsetzte, wurde von den Anlegern eher beiläufig registriert. Mehr dazu lesen Sie in der heutigen Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell“:

Moody‘s stuft die Kreditwürdigkeit der USA herab

Nachdem die zwei großen Ratingagenturen S&P und Fitch in den letzten Jahren die Kreditwürdigkeit der USA bereits herabgestuft hatten, folgte mit Moody‘s nun auch die dritte große US-Ratingagentur dieser Einschätzung. Ungeachtet der sofort nach Bekanntgabe folgenden Kritik der Trump Administration äußerte sich Moody‘s besorgt, dass es mehrere aufeinanderfolgende Regierungen nicht geschafft hätten, Maßnahmen zu ergreifen, um den Trend großer jährlicher Haushaltsdefizite und steigender Zinskosten umzukehren. Auch deuteten die aktuell diskutierten Haushaltspläne, wie z.B. über mögliche Verlängerungen von Steuererleichterungen, nicht darauf hin, dass sich an dieser Entwicklung zeitnah etwas ändern werde.

Herabstufung der US-Bonität mit wenig Reaktionen am Rentenmarkt aufgenommen

Die Rentenmärkte nahmen Moody‘s Herabstufung der US-Bonität recht gelassen hin. Schließlich war über die Gründe in den letzten Jahren auch bei den vorausgegangenen Herabstufungen durch Standard & Poor‘s und Fitch bereits ausführlich diskutiert worden. Immerhin trieb die Nachricht die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen aber über die psychologisch interessante Marke von 5 Prozent. Die 10-jährigen US-Papiere notieren inzwischen über 4,5 Prozent. Die Zinsdifferenz zwischen deutschen Staatsanleihen und US-Papieren klafft also weiter deutlich auseinander und hat sich zuletzt sogar ausgeweitet. Denn schließlich hält nicht nur die Herabstufung der US-Bonität die dortigen Renditen auf hohem Niveau, sondern auch die Tatsache, dass die US-Notenbank (Fed) nach wie vor mit einer hohen Inflationserwartung zu kämpfen hat, während die Europäische Zentralbank in ihrem Zinssenkungszyklus dank deutlich niedrigerem Inflationsniveau problemlos voranschreiten kann.

DAX erstürmt die 24.000er Marke

Vor dem Hintergrund einer ruhigeren Nachrichtenlage konnten die Aktienmärkte ihre Erholungsbewegung nach dem Zollkrieg-bedingten Einbruch fortsetzen. Der Deutsche Aktienindex überschritt sogar erstmals die Marke von 24.000 Punkten und eilt von Rekord zu Rekord, während die deutsche Wirtschaft gleichzeitig mit strukturellen Problemen und Wachstumsschwäche kämpft. Dieses Auseinanderklaffen von Börse und Realwirtschaft ist ein beliebtes Thema für Diskussionen und Analysen. Und doch ist die Begründung weniger komplex. Denn die im DAX40 gelisteten Unternehmen sind überwiegend global agierende Konzerne, die einen Großteil ihrer Umsätze und Gewinne im Ausland erzielen. Die schwächelnde deutsche Wirtschaft zeigt sich oft deutlicher beim – nicht börsennotierten – Mittelstand, der stärker vom heimischen Markt abhängig ist bzw. diese Schwäche nicht mit internationalen Umsätzen ausgleichen kann. Darüber hinaus spiegeln Aktienkurse nicht die aktuelle Situation, sondern Erwartungen wider. Mit der zwischenzeitlichen Beruhigung im Zollstreit haben sich offensichtlich auch die Erwartungen der Investoren aufgehellt. Jedoch sind wir noch weit davon entfernt, von einer schnellen Lösung im Handelsstreit auszugehen. Hier ist auch ein gewisser „Anker-Effekt“ festzustellen. Hatten sich die Investoren gedanklich schon mit Zollsätzen von über 100 Prozent zwischen den USA und China auseinandergesetzt, erscheint nun eine Rücknahme dieser angedrohten Zölle auf 10 bzw. 30 Prozent wie ein Segen. Hätte es die zwischenzeitliche Eskalation nicht gegeben, wären diese Sätze an den Aktienmärkten wohl deutlich negativ aufgenommen worden. Aber so führten sie tatsächlich zu einer Erleichterungsrallye. Die Aktienmärkte bleiben aber im Spannungsfeld zwischen ordentlichen Gewinnentwicklungen im abgelaufenen Quartal und anhaltender Verunsicherung der Unternehmen, wie sie mit den sich permanent ändernden Entwicklungen im Zollstreit bzw. der Regelungswut der US-Administration in immer neuen Sektoren umgehen sollen.

Für Investoren heißt es: Stay cool!

Für Investoren und Investorinnen heißt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Denn in der aktuellen Phase sehen wir immer wieder extreme Tagesbewegungen an den Börsen. Statistisch gesehen ist es äußerst problematisch für die langfristige Rendite der eigenen Anlagen, wenn man einige der besten Aktientage verpasst. Eine beispielhafte Rechnung anhand des weltweiten Aktienindex MSCI World zeigt, dass das Auslassen der besten 10 Tage seit 1972 die jährliche Rendite um über 1,3%-Punkte geschmälert hätte. Gleichzeitig wird die zurückliegende Korrektur wohl nicht die letzte des Jahres gewesen sein. Investoren sollten also eine gewisse Gelassenheit mitbringen, wenn sie mit ihren Anlagen durch die Schwankungen im weiteren Jahresverlauf schreiten.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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