Zollentwarnung: Deutliche Kurssprünge an den Aktienmärkten

Geopolitische Risiken in Davos im Mittelpunkt

Die Welt atmet auf

„Sell America“?

Rentenmärkte bleiben angespannt

 

Autor: Dr. Max Hanisch
Finanzmarkt aktuell per 23. Januar 2026
Dr. Max Hanisch, Portfoliomanager

Dr. Max Hanisch Portfoliomanager

Donald Trump hält erneut die Welt in Atem. Er macht Grönland zum zentralen Streitthema, an dem auch der im vergangenen Jahr mit der EU geschlossene Zolldeal zu scheitern droht. In der neuen Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell“ analysieren wir die daraus resultierenden Treiber und Risiken für die Kapitalmärkte.

Geopolitische Risiken in Davos im Mittelpunkt

„Ein großer Klumpen Eis“ – das sind die Worte, mit denen Donald Trump das von ihm heiß umworbene Grönland in seiner mit Spannung erwarteten Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos bezeichnete. Es stelle ein Einfallstor für Russland oder China in die USA dar, daher sei es ein „kleiner Gefallen“, den er erbitte, nämlich die Kontrolle über Grönland zu bekommen und es so unter den Schutz seiner Militärmacht zu stellen. Diese Missachtung der NATO-Beistandsverpflichtungen und der Souveränität Grönlands hatten im Vorfeld für enorme Anspannung gesorgt. Immerhin hatte er selbst auch eine militärische Übernahme ins Gespräch gebracht, die das Grundgerüst der globalen Weltordnung hätte einstürzen lassen. Neue Zölle für Länder, die sich eindeutig auf der Seite Grönlands positioniert hatten – darunter Deutschland – waren ebenfalls Teil der Drohkulisse. Sie hätten das Zollabkommen der EU mit den USA, welches letztes Jahr geschlossen, aber bisher noch nicht finalisiert wurde, in Gänze in Frage gestellt. Entsprechend nervös waren im Vorfeld die Vertreter aus Politik und Wirtschaft, aber auch die globalen Finanzmärkte.

Die Welt atmet auf

Während seiner Rede gab Trump dann aber unmissverständliche Entspannungssignale: Er wolle und werde keine militärische Übernahme Grönlands anstreben. Darüber hinaus wurde später bekannt, dass es ein grundsätzliches Verständnis über das zukünftige Sicherheit der Arktis gebe – ohne dass Details dazu bekannt wurden. Die angedrohten Zölle würden daher nicht erhoben. Das waren die entscheidenden Aussagen, die vor allem an den Aktienmärkten mit deutlichen Kurssprüngen belohnt wurden. Sie hatten den zunächst freundlichen Jahresstart angesichts der Trump’schen Drohungen nicht fortsetzen können. Auch der Dollar und die Kurse von US-Anleihen hatten darunter gelitten. Letzteres ist durchaus bemerkenswert, denn in von Unsicherheit geprägten Zeiten stellen der Dollar und US-Anleihen typischerweise gesuchte sichere Häfen dar – auch dann, wenn die Quelle der Unsicherheit aus den USA selbst stammt. Stattdessen erreichten ‚neutrale‘ Zufluchtsinvestitionen wie Gold und Silber neue Höchststände. Dass Investoren angesichts der aktuellen Gemengelage US-Investitionen eher mieden, zeigt, dass das Vertrauen in die USA als Stabilitätsanker zumindest angeknackst ist.

„Sell America“?

Was bedeutet diese erneute kurze, aber heftige Episode geopolitischer Unsicherheit, die von den USA ausgeht? Wir bleiben mit Blick auf die US-Konjunktur und die fundamental solide Verfassung der US-Unternehmen weiterhin konstruktiv. Die Wirtschaftsdynamik bleibt mit einem erwarteten Wachstum von wenigstens zwei Prozent in diesem Jahr hoch. Zinssenkungen durch die Fed dürften die Stärke des US-Marktes weiter untermauern. Auch der Arbeitsmarkt zeigt sich stabil. Ein Blick auf die globalen Finanzflüsse zeigt, dass die USA weiterhin ein gesuchter Anlagemarkt für Aktien sind. Politische Entscheidungen werden auch künftig kurzfristig Einfluss auf Handelsströme und Marktschwankungen nehmen; aber der häufig zitierte Anleger-Exodus aus den USA ist nicht zu erkennen, und wir erwarten ihn auch nicht. Sichere Häfen außerhalb der USA, wie beispielweise Gold, dürften aber hoch im Kurs bleiben.

Rentenmärkte bleiben angespannt

Größeren Nachhall finden Episoden wie die jüngste an den Anleihemärkten. Der dänische Pensionsfonds AkademikerPension hat angekündigt, seine US-Staatsanleihen verkaufen zu wollen. Der Umfang von rund 100 Millionen Dollar hat angesichts der Gesamtgröße des US-Anleihemarktes von knapp 30 Billionen Dollar höchstens symbolischen Wert; sollte die EU, die zusammen etwa 8 Billionen Dollar davon hält, auf ähnliche Ideen kommen, könnte es hingegen schmerzhaft werden. Tatsächlich sind die Renditen – und damit die Verluste bei den Anleiheninhabern – deutlich gestiegen: Zehnjährige US-Staatspapiere notierten mit knapp 4,3 Prozent zuletzt nicht weit unterhalb ihres langjährigen Hochs von 4,5 Prozent. Sie signalisieren, dass die Mischung aus politischer Unsicherheit und fiskalischer Expansion – hier wäre z.B. das schuldenfinanzierte Steuersenkungspaket zu nennen – bei den Investoren mit höheren Risikoprämien bedacht wird. Mehr Schulden, die dann auch noch teurer werden, sind an den Märkten nicht gerne gesehen. Das wissen wir in Europa gut. Frankreich oder das Vereinigte Königreich leiden unter einer ähnlich kritischen Begutachtung. Bei langlaufenden Anleihen dieser Länder sind wir daher vorsichtig. Ganz anders jedoch Euromitgliedsstaaten wie Spanien oder Italien: Sie konnten zuletzt durch starkes Wirtschaftswachstum und solide Finanzen positiv hervorstechen, was zu sinkenden Risikoprämien geführt hat. An den Märkten wird also sorgfältig bewertet, wie gut (oder schlecht) einzelne Länder bezüglich Einnahmen und Ausgaben aufgestellt sind, und wir nehmen die Opportunitäten in diesem Bereich aktiv wahr.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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