Quo vadis Weltkonjunktur?

Makro-Daten im Wechselbad der Gefühle

Sommerloch am Rentenmarkt – hohe Korrelationen, dünne Luft

Aktienmärkte treten auf die Bremse – Berichtssaison überzeugt aber weiterhin

 

 

Autorin: Hannah Thielcke
Finanzmarkt aktuell per 22. August 2025
Hannah Thielcke, Portfoliomanagerin

Hannah Thielcke Portfoliomanagerin

Quo vadis Weltkonjunktur? Politik und Konjunkturdaten geben weiterhin viel Interpretationsspielraum, halten die Unsicherheit hoch und den Kapitalmarkt in Atem. Über die jüngsten Entwicklungen und unsere Einschätzung lesen Sie im heutigen „Finanzmarkt aktuell“:

Makro-Daten im Wechselbad der Gefühle

Die Stimmung an den Märkten gleicht derzeit einer Achterbahnfahrt. Anfang August schürte ein schwacher US-Arbeitsmarktbericht Sorgen um die Konjunktur und befeuerte Spekulationen über baldige Zinssenkungen. Kurz darauf allerdings kamen die Produzentenpreise mit kräftigen Überraschungen nach oben – und das nicht nur bei Gütern, sondern auch bei Dienstleistungen. Das deutet auf einen breiteren, hartnäckigeren Inflationsdruck hin. Gestern folgten starke Einkaufsmanagerindizes auf beiden Seiten des Atlantiks, die den Zielkonflikt der Fed perfekt illustrieren: Einerseits zeigt der Arbeitsmarkt deutliche Anzeichen von Schwäche, andererseits zeigen andere Indikatoren eine robuste Konjunkturdynamik an, und die Inflation bleibt hartnäckig. Dieser Zwiespalt zieht sich auch durch die Notenbank selbst, verstärkt durch vermehrt politische Einflussnahme. Nachdem bereits Fed-Gouverneurin Kugler unter Druck zurückgetreten ist, richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf Lisa Cook, die ebenfalls zum Rücktritt gedrängt werden soll. Das Risiko, dass politische Einmischung die Fed zu einem „Policy Mistake“ verleitet, ist bislang noch kein Marktkonsens und spiegelt sich kaum in den Renditen von US-Treasuries wider. Doch mit dem heute anstehenden Blockbuster-Event in Jackson Hole wird die Marktgemeinde ganz genau hinhören, welche Signale Jerome Powell und seine Kollegen aussenden.

Sommerloch am Rentenmarkt – hohe Korrelationen, dünne Luft

Dass der Sommer Einzug gehalten hat, merkt man nicht nur am Wetter, sondern auch an den Bewegungen am Rentenmarkt. Wenn US-Produzentenpreise die Bundrenditen gleichermaßen bewegen oder sich Renditen ohne nennenswerte Nachrichtenlage plötzlich deutlich bewegen, dann ist klar: Schwache Liquidität macht die Märkte anfällig für überproportionale Schwankungen. Die Renditeniveaus sind zwar inzwischen attraktiv, insbesondere da sich aufgrund der steilen Zinskurve die Übernahme von Zinsrisiken wieder lohnt. Die Risikoprämien bei Unternehmens- und Schwellenländeranleihen verharren hingegen weiter auf historischen Tiefstständen. Wir wiederholen uns gerne: Für die Übernahme von Bonitätsrisiken wird man nicht ausreichend entlohnt. Die Suche richtet sich daher verstärkt auf Wertpapiere, die in schwierigem Marktumfeld Stabilität bieten und zugleich einen hohen laufenden Ertrag liefern können. Ein ausgewogenes Portfolio bleibt entscheidend – ergänzt um eine angemessene Positionierung in europäischen Staats- und staatsnahen Anleihen, die weiterhin als sicherer Hafen und Stabilitätsanker dienen.

Aktienmärkte treten auf die Bremse – Berichtssaison überzeugt aber weiterhin

Nach einer beeindruckenden Rallye an den globalen Aktienmärkten in den letzten Monaten hat sich das Tempo in dieser Woche spürbar verlangsamt. Anleger nutzten die hohen Kursstände zunehmend für Gewinnmitnahmen, sodass die Indizes eine Verschnaufpause einlegten. Fundamentale Sorgen sind jedoch kaum erkennbar, denn die laufende Berichtssaison bestätigte einmal mehr die robuste Ertragslage der Unternehmen. Im Fokus standen in dieser Woche die Quartalszahlen der großen US-Einzelhändler. Dabei zeigte sich, dass der amerikanische Konsument nach wie vor bemerkenswert resilient ist. Insbesondere Anbieter von preisgünstigen Produkten verzeichneten steigende Umsätze. Die Belastungen durch die jüngst verhängten Handelszölle sind zwar spürbar, wurden jedoch größtenteils über Effizienzmaßnahmen oder selektive Preisanpassungen abgefedert. Die Frage, inwieweit Zölle in den kommenden Monaten an die Endkunden weitergereicht werden, bleibt für die Inflationsperspektive aber ein zentrales Thema. 
Auffällig ist zudem die unterschiedliche Entwicklung von Substanz- und Wachstumstiteln seit Jahresanfang: Während in Europa Substanzwerte, angeführt von Bankaktien, die Nase vorn haben, dominierten in den USA erneut Technologiewerte das Bild. Daran dürfte sich auf absehbare Zeit nicht viel ändern, da die fundamentale Lage in diesen Branchen besonders gut ist. Folglich zählen Aktien aus diesen Branchen weiterhin zu unseren Favoriten im Portfolio. Da die Berichtssaison nun ausläuft, dürften die Konjunkturdaten und die Geldpolitik wieder stärker in den Fokus der Anlegerinnen und Anleger rücken. Angesichts schwächerer US-Arbeitsmarktdaten zuletzt und der historisch schwachen Börsensaison im September sind temporäre Kursrücksetzer zwar möglich, doch das mittelfristige Bild bleibt aufgrund der soliden Unternehmensgewinne positiv.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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