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What a difference a day makes!

Die Suche nach einem Impfstoff könnte die Wende bringen
Die Volkswirtschaften müssen massiv unterstützt werden – von den Regierungen, aber auch den Notenbanken
Aktienmärkte – Should I Stay or Should I Go?

 

Autor: Alexander Lukas
Finanzmarkt aktuell per 22. Mai 2020
Alexander Lukas, CFA

Alexander Lukas

What a difference a day makes! Diese verkürzte Feiertagswoche ging fulminant los. Der Deutsche Aktienindex DAX kletterte binnen eines Tages um 5,7 Prozent in die Höhe. Und Aktien aus lange vernachlässigten Branchen schossen rund um den Globus sogar teils zweistellig nach oben. Ob die Entwicklungen rund um Corona-Staatshilfen und die Suche nach einem Impfstoff ein „Game Changer“ sein könnten, darum soll es in der aktuellen Ausgabe der „Finanzmarkt aktuell“ unter anderem gehen.

Die Suche nach einem Impfstoff könnte die Wende bringen

Es ist nicht nur eine ethische Frage, ob die „Lockdown“-Maßnahmen wieder gelockert werden, auch wenn die Covid-19-Pandemie noch lange nicht besiegt ist. Es ist auch eine wirtschaftliche Frage. Und so wird auch an den Kapitalmärkten und insbesondere am Aktienmarkt diskutiert, was passieren muss, damit die Unternehmen wieder zum normalen Geschäftsbetrieb übergehen können. Die Neuinfektionen sind in den meisten Ländern schon seit einiger Zeit rückläufig, und Bilder von überlasteten Krankenhäusern in Italien, Spanien oder New York prägen glücklicherweise nicht mehr die Titel der Zeitungen. Das rechtfertigt in vielen Staaten ein Zurückschrauben der massiven Einschränkungen und ein Öffnen der Wirtschaft. Die Kehrseite ist allerdings, dass die Ansteckungsraten wieder steigen werden, so die Experten. Die nächste Corona-Welle steht möglichweise vor der Tür und somit auch die nächste Periode, in der das Leben weitestgehend stillstehen wird. Ob das schon nächste Woche oder erst im Herbst oder gar erst nächsten Winter sein wird, vermag keiner seriös vorherzusagen. Aber niemand möchte, dass dieses Katz-und-Maus-Spiel jahrelang so weitergeht, bis möglicherweise die vielzitierte Herdenimmunität eintritt. Mit Argusaugen schauen daher auch die Börsianer auf Ergebnisse bei der Suche nach einem Impfstoff. Vielversprechende Nachrichten kamen diesbezüglich nun zu Wochenbeginn aus den USA, wo ein Biotech-Unternehmen positive Zwischenergebnisse vermelden konnte. Diese Nachricht beflügelte die Börsen weltweit, so dass sogar Ladenhüter wie beispielsweise Automobilaktien massiv stiegen. Ob nun genau dieser eine Impfstoff dieses einen Unternehmens den Durchbruch schafft, vermögen wir nicht zu prognostizieren. Auch andere Präparate sollten schon die Wende bringen und konnten die Erwartungen dann doch nicht erfüllen. Tatsache ist, dass selbst bei positiven Forschungsergebnissen kein Impfstoff in ausreichender Menge noch in diesem Jahr zur Verfügung stehen wird.

Die Volkswirtschaften müssen massiv unterstützt werden – von den Regierungen, aber auch den Notenbanken

Nicht nur die Suche nach Impfstoffen und Medikamenten, auch motivierende Worte des US-Notenbankchefs Jerome Powell sowie ein deutsch-französischer Vorschlag für einen EU-Wiederaufbaufonds gaben den Aktienmärkten zum Wochenauftakt mächtig Rückenwind. Powell sagte in einem Interview, dass die US-Notenbank noch jede Menge Munition hätte und die US-Wirtschaft sich schon in diesem Jahr erholen werde, sollte es nicht zu einer zweiten Pandemie-Welle kommen. Jetzt schon positiv ist, dass mittlerweile bereits 80 Prozent der US-Wirtschaftsleistung wieder geöffnet oder im Öffnungsprozess ist. Gleichzeitig gehen in den USA die Neuinfektionen zurück, wenn auch nicht besonders dynamisch, und die Corona-Testkapazitäten werden deutlich erhöht. Auf dieser Seite des Atlantiks stellten Angela Merkel und Emmanuel Macron eine 500 Milliarden Euro schwere Idee vor, um den von der Pandemie besonders betroffenen EU-Mitgliedsstaaten wie Italien oder Spanien Zuschüsse (und nicht Kredite) zu gewähren. Die EU-Kommission solle hierfür erstmals in ihrer Geschichte am Kapitalmarkt Kredite aufnehmen. So gut wie die Idee bei den Marktteilnehmern ankam, so skeptisch sind einige Mitgliedsstaaten. Österreich zum Beispiel verlangt, dass diese Gelder keine Zuschüsse sein dürften, sondern als Kredite angesehen und später dann zurückgezahlt werden müssten. Wie wichtig Hilfen sind, zeigt ein Blick auf die erwarteten Wachstumsraten (oder besser Schrumpfungsraten) des Bruttoinlandsprodukts zum Beispiel Italiens und Spaniens, wo Volkswirte im zweiten Quartal Werte von bis zu Minus 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum befürchten.

Wagen wir noch einen Blick auf die Schwellenländer, deren Bevölkerung wie Volkswirtschaften zum Teil in besonderem Maße unter der Pandemie und der Schließung des öffentlichen Lebens leiden. Uns fällt auf, dass sich sowohl die Regierungen als auch die Notenbanken bislang relativ stark mit Konjunkturprogrammen, Rettungspaketen oder Zinssenkungen zurückhielten. Ursächlich hierfür können die hohen Verschuldungen und Haushaltsdefizite vieler Schwellenländer sein. China ist selbstverständlich eine Ausnahme. Als das Ursprungsland des neuartigen Coronavirus war China als erstes im Lockdown und auch wieder als erstes Land weitestgehend geöffnet. In der Folge sehen die Wirtschaftsdaten mittlerweile wieder recht freundlich aus, und die Wirtschaft sollte nach dem Einbruch im ersten Quartal nun wieder kräftig zulegen können. Die Industriedaten knüpfen zum Beispiel mittlerweile wieder an den ursprünglichen Wachstumstrend an. Der Konsument hinkt zwar noch ebenso wie der Dienstleistungssektor etwas hinterher, jedoch sind auch dort deutliche Erholungstendenzen erkennbar. Wir erwarten zusätzlich weitere konsumstützende Nachrichten von der am Freitag startenden Sitzung des Nationalen Volkskongresses, dem chinesischen Ein-Parteien-Parlament. Trauriger sieht die Situation in Indien aus: Das Land hat zum wiederholten Male den Lockdown verlängert. Manche Volkswirte erwarten im zweiten Quartal sogar eine Halbierung des Bruttoinlandsprodukts. Das Land, das schon vor der Coronakrise schwächelte, könnte um viele Jahre in seiner Entwicklung zurückgeworfen werden.

Aktienmärkte – Should I Stay or Should I Go?

Diese Frage treibt zurzeit vermutlich jeden Anleger um: Soll ich jetzt schon in den Aktienmarkt investieren, oder steht uns ein zweiter Abschwung noch bevor? Viele Marktteilnehmer sehen die schnelle Erholungsbewegung nach dem Crash im Februar und März nur als Zwischenrallye in einem übergeordneten Bärenmarkt. Und in der Tat, wirft man einen Blick auf die Geschäftszahlen der Unternehmen aus dem ersten Quartal 2020, kann einem schon angst und bange werden. In einigen Branchen sind die Umsätze und Gewinne regelrecht in sich zusammengebrochen. Im Durchschnitt fielen die Gewinne sowohl in den USA als auch in Europa zweistellig. Und bekanntermaßen standen auch im April und Mai die Bänder weltweit weitestgehend still, so dass die kommende Berichtssaison für das zweite Quartal noch katastrophaler ausfallen wird. Da sich die Kurse erholen konnten, sind Aktien, vor allem aus den USA, im historischen Vergleich sehr teuer geworden. Viele Unternehmen wagen zudem gar keinen Ausblick mehr, etliche haben die Dividendenzahlungen gestrichen und Aktienrückkaufprogramme gestoppt. Analysten wiederum gehen von einer starken Erholung in der zweiten Jahreshälfte aus, die sich im kommenden Jahr fortsetzen wird. Dieser Annahme zugrunde liegt aber die Hoffnung auf eine in weiten Teilen geöffneten Wirtschaft ab dem Sommer. Ob es so kommen wird, hängt nicht zuletzt von den zukünftigen Ansteckungsraten ab. Wer mag das seriös vorhersagen? Börsianer meiden die Unsicherheit, und daher bleiben auch wir der Meinung, dass ein überwiegend defensiv aufgestelltes Portfolio aus Qualitätstiteln mit Fokus auf Technologieaktien die aktuell beste Antwort ist. Die jüngsten Marktreaktionen zeigen aber, wie groß die Schwungkraft sein kann, wenn sich positive Nachrichten zu den Impfstoffen verdichten und schließlich ein oder mehrere Medikamente in Serienproduktion gehen können. Das wäre dann wahrlich ein „Game Changer“.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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