Aktien: Das ungleiche Bild Europa und USA

Europa: Investitionsschwemme voraus

USA: Zölle voraus

Investoren: Goldgräberstimmung bei europäischen, Zweifel bei US-Aktien

 

Autor: Jens Herdack
Finanzmarkt aktuell per 21. März 2025
Jens Herdack,  CEFA, CIIA, Portfoliomanager

Jens Herdack Portfoliomanager

Die gegensätzliche Entwicklung der Aktienmärkte dies- und jenseits des Atlantiks hielt auch in den letzten zwei Wochen an. Die Aussicht auf ein gigantisches Finanzpaket der Bundesregierung und europäische Bemühungen, möglichst schnell verteidigungsfähig zu werden, stehen dabei fortgesetzten Zoll-Drohungen der US-Regierung unter Donald Trump gegenüber. Einen Überblick über die interessantesten Themen aus der Welt der Wirtschaft geben wir Ihnen in unserem Finanzmarkt aktuell:

Europa: Investitionsschwemme voraus

Die wahrscheinliche zukünftige Bundesregierung von Friedrich Merz ist in der abgelaufenen Woche ihrem – für viele Wähler überraschenden – Ziel einer deutlichen Schuldenausweitung deutlich nähergekommen. So passierte die notwendige Grundgesetzänderung den Bundestag und die Chancen stehen gut, dass das Paket am heutigen Tag des Erscheinens dieser „Finanzmarkt aktuell“-Ausgabe auch den Bundesrat passieren wird. Die genehmigten 500 Mrd. Euro sollen dann gestreckt über die nächsten 12 Jahre in Infrastruktur und zur Erreichung der Klimaneutralität investiert werden. Darüber hinaus werden Ausgaben für Verteidigung, Zivil- und Bevölkerungsschutz nur noch bis zu einem Prozent des nominellen Bruttoinlandsproduktes (BIP) über den normalen Bundeshalt abgedeckt. Sollte die Bundesregierung höhere Ausgaben für diesen Zweck als notwendig erachten, werden diese nicht mehr auf die Schuldenbremse angerechnet. Dass Friedrich Merz hier erheblichen Investitionsbedarf sieht, hat er zuletzt mit dem vom ehemaligen Zentralbankchef Mario Draghi übernommenen Ausspruch: „Whatever it takes“ klar gemacht. Neben den deutschen Investitionsbestrebungen treibt die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen ebenfalls ihre Bemühungen voran, Europa verteidigungsfähig zu machen. Auch hier sollen Milliarden-Investitionen fließen.

USA: Zölle voraus

Während Europa massive Investitionen anschiebt, konzentriert sich die Politik von Donald Trump weiter auf die Androhung von Zöllen. Neben China, Mexiko und Kanada werden die USA voraussichtlich ab April weitere branchenbezogene Zölle einführen. Daneben stehen auch die sogenannten „reziproken“ Zölle auf dem Programm, mit denen die USA auf sämtliche Handelsbeschränkungen für amerikanische Produkte in gleicher Art Gegenmaßnahmen festlegen will. Überraschend sprach Trump zuletzt davon, dass man zur Erreichung seiner langfristigen Ziele eine Übergangperiode akzeptieren müsse, für die er sogar ein zwischenzeitliches Abtauchen der USA in eine Rezession nicht ausschließen wollte. Ohnehin zeigt sich die US-Volkswirtschaft im Moment etwas angeschlagen. Volkswirte halten es nach schwachen Januar-Zahlen für möglich, dass das BIP-Wachstum im ersten Quartal zum Erliegen gekommen ist und vielleicht sogar leicht negativ ausgewiesen werden könnte. Auch die US-Notenbank (Fed) nahm in der abgelaufenen Woche ihre Prognose für das diesjährige US-Wirtschaftswachstum von 2,1 auf 1,7 Prozent zurück. Gleichzeitig rechnet sie mit einem Anstieg der Kern-Inflationsrate auf 2,8 Prozent. Hier war sie bisher nur von 2,5 Prozent ausgegangen. Für die USA laufen beide Entwicklungen also im Moment genau in die falsche Richtung. Trumps Zollkrieg macht es den Notenbankern nicht leicht, angemessene Reaktionen zu finden. Dass Fed-Chef Jerome Powell zuletzt im Zusammenhang mit der Inflation das Wort „transitory“, also vorrübergehend, benutzte, könnte uns aber einen Hinweis darauf geben, dass sich die US-Notenbank im Zweifel eher um das schwächelnde Wachstum, als eine rigorose Inflationsbekämpfung kümmern würde.

Investoren: Goldgräberstimmung bei europäischen, Zweifel bei US-Aktien

Das ungleiche Bild in Europa und den USA macht sich auch bei den Investorinnen und Investoren bemerkbar. So konnte der Deutsche Aktienindex seit Weihnachten einen Zugewinn von gut 16 Prozent erzielen, während die Kurse der Magnificent 7 - also jener dominierenden US-Aktien, die in den letzten Jahren die Kursentwicklung der Indizes dominiert hatten - im Schnitt um über 20 Prozent einbrachen. Hatten sich die Investoren zum Beginn der Amtszeit Donald Trumps noch sehr zuversichtlich gezeigt, so reagieren sie inzwischen zunehmend verunsichert. Ein erratisches Androhen und Zurücknehmen von Zöllen, steigende Preise und rückläufige Wachstumserwartungen sind nicht die Zutaten für eine erfolgreiche Börsenperformance. Damit beobachten wir in den letzten drei Monaten ein eher seltenes Auseinanderlaufen europäischer und US-amerikanischer Aktienmärkte. Während in Europa zweistellige Kurszuwächse zu Buche stehen, liegen nahezu alle US-Indizes seit Jahresanfang im Minus. Wir bleiben dementsprechend bei unserer Meinung, dass eine Erhöhung der Quote von europäischen Aktien bei gleichzeitig leichter Reduzierung von US-Titeln im Portfolio aktuell angeraten erscheint. Abschreiben würden wir die US-Aktien aber nicht, denn das voraussichtliche Gewinnwachstum der US-Unternehmen liegt vom absoluten Niveau immer noch über dem der europäischen Wettbewerber. Anleihe-Investoren sollten sich hingegen die vor dem Hintergrund der geplanten Schuldenausweitung gestiegenen Renditeaufschläge europäischer Staatsanleihen genauer ansehen. Hier sollten mittelfristig wieder strukturelle Themen in den Vordergrund rücken, so dass aktuell ein attraktives Einstiegsniveau erreicht sein könnte.

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