Autor: Dr. Max Hanisch
Finanzmarkt aktuell per 21. Februar 2025
Dr. Max Hanisch, Portfoliomanager
Donald Trump wirft mit Zöllen oder zumindest Androhung selbiger um sich, mischt die Karten im Ukraine-Krieg neu und in Deutschland steht ein entscheidendes Wochenende mit bundesweiten Neuwahlen bevor. In dieser Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell“ werfen wir einen Blick auf die jüngsten Marktreaktionen und geben einen Ausblick auf die Chancen und Risiken, die die kommenden Wochen für Anleger und Anlegerinnen bereithalten.
Donald Trump hält die Welt weiter in Atem
Bereits im Wahlkampf hatte der neue US-Präsident vollmundig breit angelegte Zölle angekündigt. Kurz nach seiner Amtseinführung schien er dann auch Ernst machen zu wollen, nur um sich in letzter Sekunde von seinen ersten Zielen Kanada und Mexiko zu einem Aufschub bewegen zu lassen. Einzig China sieht sich zum jetzigen Zeitpunkt mit einer Anhebung der Zölle auf ausgewählte Güter konfrontiert. Seitdem ist zusätzlich die EU mehr in den Fokus gerückt. Zwar ist es auch hier bisher bei Androhungen geblieben, allerdings muss mit der tatsächlichen Anhebung von Zöllen – in welcher Höhe ist aktuell ungewiss – in der näheren Zukunft gerechnet werden.
Angesichts der potentiellen Tragweite der im Raum stehenden Maßnahmen geben sich die Finanzmärkte bisher bemerkenswert gelassen. Der US-amerikanische S&P 500 konnte diese Woche ein neues Allzeithoch erreichen, und die europäischen Aktienmärkte können die amerikanischen seit Jahresanfang sogar noch übertreffen. Die Lesart seitens der Anlegerinnen und Anleger lässt sich auf zweierlei Arten verstehen: Entweder man schenkt den Androhungen keinen Glauben und geht davon aus, dass das tatsächliche Ergebnis nicht so schlimm aussehen wird, wie es derzeit gehandelt wird; oder die vermuteten Effekte sind bereits in den aktuellen Kursen reflektiert und stellen keine Neuigkeiten mehr dar.
Zölle: Vorsicht an der Bahnsteigkante
Unsere Einschätzung folgt eher der ersten Variante, gemäß der das endgültige Ergebnis, zumindest in Bezug auf die direkten Nachbarländer, als milder eingeschätzt wird, als es gemessen an den Androhungen kommen könnte. Und hierin liegt die Gefahr: Die offensichtliche Gelassenheit an den Märkten birgt das Potential für eine rapide Neubepreisung, sollte die US-Administration sich durch Verhandlungen nicht umstimmen lassen und ihre Pläne schlussendlich doch umsetzen. Die hohen Bewertungen an den amerikanischen Aktienmärkten lassen keinen Spielraum für Fehler zu. Konsumentenverunsicherung und -zurückhaltung infolge von Abgaben auf importierte (Zwischen) Güter würden US-Unternehmen unmittelbar zu spüren bekommen, ausbleibende Zinssenkungen durch die Fed ebenso. In dem Zuge könnte es dann zu einer spürbaren Neubewertung der aktuellen Kurse kommen.
Dass die Finanzmärkte auf konkrete Neuigkeiten doch reagieren, zeigte sich zuletzt an den Bondmärkten: Nach Aussagen der US-Administration, dass Europa die Kosten für einen Wiederaufbau der Ukraine weitestgehend tragen sollte, und diese Kosten mit ca. 3 Billionen Euro beziffert werden, sind die Bondrenditen deutlich angestiegen. Hierin ist die Aussicht reflektiert, dass diese Rechnung vornehmlich durch die europäischen Länder bezahlt werden wird. Die nächste deutsche Bundesregierung wird sich von Beginn an mit dieser Thematik konfrontiert sehen. Der wahrscheinlichste Weg wird über zusätzliche Schulden führen. Diese Aussicht wird an den Märkten aktuell mit höheren Renditen quittiert.
Positionierung mit Augenmaß
In der aktuellen Situation ist in unseren Augen Vorsicht, aber kein Anlass zur Sorge geboten. Die nachteiligen Effekte der Zollpolitik könnten in den USA durch die angekündigten Steuersenkungen und Deregulierungsvorhaben zumindest teilweise kompensiert werden und so das aktuelle Kursniveau an den Aktienmärkten stützen. Ein Ende des Ukraine-Kriegs, welches auf Initiative der USA hin plötzlich realistischer erscheint, könnte zusammen mit Ausgaben für den Wiederaufbau für neuen Konjunkturschwung in Europa und für bessere Stimmung bei Unternehmen und Verbrauchern sorgen. Wir präferieren daher Qualitätsunternehmen mit soliden Bilanzen auf beiden Seiten des Atlantiks. Auf der Rentenseite sind wir angesichts niedriger Risikoprämien defensiver positioniert. Wir bevorzugen insbesondere bei langen Laufzeiten staatliche oder staatsnahe Emittenten mit höchster Bonität. Einerseits können wir auf diesem Weg taktisch reagieren, wenn Bewegung in die Märkte kommt. Andererseits profitieren wir auch von einem Fortbestand des aktuell vergleichsweise ruhigen Marktumfelds.
Haftungsausschluss:
Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.
Ansprechpartner für Journalisten:
Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388
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