Autor: Dr. Max Hanisch
Finanzmarkt aktuell per 20. Juni 2025
Dr. Max Hanisch, Portfoliomanager
Im Nahen Osten eskalieren die Spannungen zwischen Israel und dem Iran. Der zuletzt gesunkene Ölpreis macht eine Kehrtwende und könnte so den Rückgang der Inflation bei uns ins Stocken bringen. Vor allem die Zentralbanken schauen deswegen genau hin. Die Märkte reagieren auf diese Entwicklungen bisher äußerst gelassen. In dieser Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell“ werfen wir einen Blick auf die jüngsten Marktentwicklungen und geben einen Ausblick auf die Chancen und Risiken.
Nahostkonflikt mit globaler Auswirkung
Als Israel Ende vergangenen Jahres eine Bodenoffensive im Libanon startete, befürchteten internationale Beobachter, dass sich der Konflikt regional ausbreiten und andere Nachbarländer zur Teilnahme animiert werden könnten. Als größtes Risiko galt, dass sich der Iran, selbsternannter „Erzfeind“ Israels, einschalten würde. Damals ist es dazu nicht gekommen. Nun hat Israel die direkte Konfrontation gesucht, indem seit Mitte Juni strategisch wichtige Ziele bombardiert werden, die im Zusammenhang mit Irans Atomwaffenprogramm stehen. Die größten Auswirkungen sind bisher an den Energiemärkten auszumachen, wo der Ölpreis seinen seit Wochen währenden Rückgang abrupt gestoppt hat und deutlich zulegte. Es ist im Wesentlichen dieser Kanal, der die Folgen des Konflikts über die direkt betroffenen Regionen hinaus in die Welt transportiert. Höhere Ölpreise machen sich global unmittelbar in den Preisen für Benzin, Kerosin usw. bemerkbar. Das könnte wiederum die Zentralbanken auf den Plan rufen, deren Mandate stabiler Inflationsraten dadurch gefährdet werden könnten.
Märkte (bisher) kaum beeindruckt
Und die Reaktion der Finanzmärkte? Gelassenheit. Sowohl Aktien als auch Anleihen befanden sich zuletzt nah der Niveaus, die sie bereits vor Kriegsausbruch innehatten. Die Erfahrung, dass die direkten Auswirkungen kriegerischer Handlungen regional begrenzt bleiben und die globalen Effekte recht gering ausfallen, haben die Märkte zuletzt mit den Konflikten zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen und zuvor nach Ausbruch des Ukrainekriegs wiederholt gemacht. Auch nun lautet die vorherrschende Einschätzung, dass die direkten Kriegsfolgen auf die betroffenen Länder beschränkt bleiben. Dass sich die Märkte auch angesichts der gestiegenen Ölpreise so gelassen zeigen, ist hingegen bemerkenswert. Immerhin haben sie das Potential, die Inflationsraten weltweit nach oben zu treiben und auf diesem Weg die Zentralbanken zu einer strafferen Geldpolitik zu bewegen. Wenn schon nicht die Kriegshandlungen im Nahen Osten, dann sollte doch die Aussicht auf höhere Zinsen das Zeug haben, die Märkte zu bewegen? Aber nicht so schnell: Zwar zählt der Iran mit ca. 3 % der globalen Ölförderung im internationalen Vergleich zu den zehn größten Produzenten; allerdings war sein Anteil am Welthandel in den letzten Jahren aufgrund von Sanktionen deutlich geringer. Gleichzeitig geht die Drohung Irans, mit einer Blockade der Straße von Hormus eine wichtige Schifffahrtsroute für den Öltransport zu blockieren, ins Leere, denn dafür fehlt vermutlich die militärische Kapazität. Und die OPEC plant weitere Produktionsausweitungen. Daher dürften die mittelfristigen Auswirkungen auf den Ölpreis überschaubar bleiben. Diese Einschätzung würde sich nur dann ändern, wenn die USA aktiv in den Konflikt eingreifen sollten. Damit würde sich die Unsicherheit über den Fortgang massiv ausweiten. Ob es dazu kommt, ist aktuell völlig offen. Das würde auch die Märkte stärker alarmieren, denn ein solcher Schritt ist bisher nicht eingepreist.
Sorglosigkeit an den Börsen
Derweil konzentrieren sich die Aktienmärkte eher auf den Handelsstreit mit den USA und stellen sich hier auf einen glimpflichen Ausgang ein. Dem S&P 500 fehlen nur wenige Prozentpunkte bis zum Allzeithoch, der DAX hält seinen zweistelligen Kurszuwachs seit Jahresbeginn. Angesichts der vielfältigen – überwiegend negativen – Folgen, die nicht nur die angedrohten Zölle, sondern auch die vielen weiteren Gefahrenherde in der Welt mit sich bringen könnten, stimmt uns die Sorglosigkeit an den Märkten zunehmend skeptisch. Eine Suche nach sicheren Häfen sollte im Falle einer Eskalation vor allem Staatsanleihen begünstigen. Wir bevorzugen deutsche Bundesanleihen gegenüber US-Treasuries. US-Titel waren zuletzt im Zuge steigender Staatsschulden wiederholt unter Druck geraten und haben damit einen Teil ihrer Funktion als Stabilitätsanker im Depot eingebüßt.
Haftungsausschluss:
Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.
Ansprechpartner für Journalisten:
Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388
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